Zum Inhalt springen

Panorama «Es ist eine amerikanische Tradition, dass Reiche viel spenden»

Mark Zuckerberg ist nicht der erste Amerikaner, der fast sein gesamtes, unermesslich grosses Vermögen spendet. Der Stiftungs-Spezialist Georg von Schnurbein erläutert, wieso dies in den USA Tradition hat.

Symbolbild: Stabpel mit Dollarnoten.
Legende: Wer viel hat, soll auch viel spenden, heisst es in den USA. Imago

SRF News: Mark Zuckerberg will 99 Prozent seines Vermögens von derzeit geschätzten 45 Milliarden Dollar spenden. Steckt dahinter reine Menschenliebe?

Georg von Schnurbein: Die Ankündigung ist in der Tradition von Andrew Carnegie zu sehen. Er hat gesagt, dass der Mensch, der reich stirbt, in Schande stirbt. Es ist eine amerikanische Tradition, bei grossem Reichtum viel zu spenden.

Geht es Zuckerberg nicht auch im Imagepflege für Facebook, ein Unternehmen, das immer wieder kritisiert wird?

Der Fall von Bill Gates zeigt, dass eine solche Tat eher der Person und weniger dem Unternehmen zugerechnet wird. Insofern ist die Ankündigung wohl eine Imagepflege für ihn selbst, weniger für Facebook. Es könnte ja auch sein, dass Zuckerberg dereinst schon recht früh bei Facebook aussteigt und etwas anderes macht. Vielleicht verknüpft er die Spende aus diesem Grund nicht mit Facebook, sondern mit sich und seiner Familie.

Zuckerberg und seine Frau machen die Ankündigung nur kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter. Wie interpretieren Sie diese Tatsache?

Er stellt die Spende in Bezug zu seiner Familie. Das verdeutlicht auch die Tatsache, dass es in den USA den dynastischen Gedanken viel weniger gibt als in Europa. Hier würde man eher gerade umgekehrt handeln und mit der Geburt des Kindes verkünden, dass nun der zukünftige CEO geboren wurde. Zuckerberg geht es also nicht darum, etwas für seine Kinder aufzubauen, sondern der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Schon Carnegie sagte: Wer reich stirbt, stirbt in Schande.

Sehen Sie Zuckerberg in der Tradition anderer grosser Spender wie Bill Gates oder Warren Buffett?

Tatsächlich ist es eine typische amerikanische Eigenart, dies zu tun. Die Tradition hat sich im 19. Jahrhundert entwickelt, als Tycoons wie J.D. Rockefeller oder Carnegie innerhalb eines Lebenszeitalters unermesslichen Reichtum anhäuften, während sich der Staat gleichzeitig im Aufbau befand und es zu sozialen Unruhen kam. Die Reichen kamen damals von sich aus zur Einsicht, dass sie etwas zurückgeben müssen, damit der soziale Frieden gewahrt wird.

Geld intelligent auszugeben ist ebenso schwierig, wie Geld zu verdienen.
Autor: Bill GatesGründer und Verwaltungsratspräsident von Microsoft

Warum kündigt Zuckerberg seine Spende bereits jetzt an? Er sagt ja selber, er wolle noch lange Facebook-Chef bleiben?

Ich vermute, dass er sich mit der Geburt seiner Tochter auch Gedanken über die Zukunft gemacht hat und so zu diesem Entscheid gekommen ist. Zudem bedeutet die Ankündigung nicht, dass er sie auch jetzt schon vollständig umsetzt. Bis die 99 Prozent seiner Facebook-Aktien der Stiftung zugekommen sind, wird es sicher noch lange dauern.

Zuckerberg bleibt recht vage, auch was die Verwendung der Stiftungsgelder angeht. Hat das damit zu tun, dass er noch so jung ist und noch lange Facebook-Chef bleiben will?

Einerseits ja, andererseits ist es auch eine Herausforderung, so viel Geld gemeinnützitg einzusetzen. Schon Bill Gates hat gesagt: «Spending money intelligently is as difficult as earning it» («Geld intelligent auszugeben ist ebenso schwierig, wie es zu verdienen»).

Das Gespräch führte Andrea Christen.

Georg von Schnurbein

Georg von Schnurbein

Georg von Schnurbein ist Professor für Stiftungsmanagement und Direktor des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    Da sich die Einkommens- und Reichtumsunterschiede in den USA während der letzten Jahrzehnte nachweislich stark verschärft haben, der Reichtum der obersten 1% extrem gewachsen ist – sogar in der Krise! – während gleichzeitig fast die gesamte Mittelschicht inzwischen an die Grenze der Armut abgesunken ist (von Problemen wie der riesigen Blase nie rückzahlbarer Studienkredite noch ganz zu schweigen), scheint das System "Spende" wohl doch nicht so recht zu funktionieren. Also doch mehr besteuern?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    Eine uralte Taktik. Zuerst das Volk ausbeuten, mit reinem Profitdenken dass Maximum herauspressen, dadurch viel Elend auf dieser Erde schaffen und dann mit wohlwollenden Spenden in erster Linie das eigene Gewissen beruhigen und zugleich mit einer Egopflege verbinden. Früher spendete man eifach eine Kirche. Ich bin sicher kein Sozi, aber ich sehe absolut keinen Sinn, sich Milliarden anzueignen ohne sich zu überlegen, woher sich kommen. Für jeden Franken auf dieser Erde muss jemand dafür arbeiten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen