Zum Inhalt springen

Header

Audio
In sozialen Medien wie Twitter kursieren viele Fake-News
Aus Info 3 vom 19.02.2020.
abspielen. Laufzeit 03:18 Minuten.
Inhalt

Fake-News zum Corona-Virus «Jede seriöse Information wird umgehend in Zweifel gezogen»

Die sozialen Medien quellen über mit Nachrichten zum neuartigen Corona-Virus und der von ihm ausgelösten Krankheit Covid-19. Doch viele News sind Fake-News, wie die WHO beklagt. Warum das ein grosses Problem ist, weiss SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsredaktorin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Katrin Zöfel ist studierte Biologin. Sie arbeitet seit 2016 in der SRF-Wissenschaftsredaktion in Basel.

SRF News: Wie gross ist das Problem der Fake-News rund um das Corona-Virus und Covid-19?

Katrin Zöfel: Es ist riesig. Wenn man bei Twitter mit #covid19 eine Suche startet, sind vielleicht 95 Prozent des Suchergebnisses Fake-News, Verschwörungstheorien und Gerüchte. Gleichzeitig ist Twitter aber auch die beste Quelle, um auf dem Laufenden zu bleiben, was die neusten seriösen Erkenntnisse rund um das Corona-Virus angeht. Für den User ist dabei wichtig, den anerkannten Fachleuten und Expertinnen direkt zu folgen – und nicht Twitter per Hashtag-Suche zu durchforsten.

Haben die Fake-News in den sozialen Medien bei der aktuellen Corona-Virus-Epidemie eine neue Qualität gegenüber früheren, ähnlichen Krankheitsausbrüchen?

Tatsächlich sagen Journalistinnen und Journalisten, die seit längerem über Epidemien berichten, dass es noch nie so schlimm war, wie diesmal. Jeder von ihnen abgesetzte Post wird von Trollen beantwortet, jede seriöse Information umgehend in Zweifel gezogen. Viele Journalisten beklagen sich inzwischen darüber, dass sie viel zu viel Zeit aufwenden müssten, um sich um solche Fake-News zu kümmern.

Der Tweet dieser Boulevard-Zeitung soll die fatal schnelle und vor allem flächendeckende Verbreitung des Virus zeigen. Tatsächlich zeigt die Weltkarte aber den globalen Luftverkehr.
Legende: Dieser Tweet der Boulevard-Zeitung «The Sun» soll die fatal schnelle und vor allem flächendeckende Verbreitung des Virus zeigen. Tatsächlich zeigt die Weltkarte aber den globalen Luftverkehr. Screenshot Tweet «The Sun»

Wieso sind Fake-News im Zusammenhang mit einer Epidemie besonders problematisch?

Wenn es darum geht, eine Epidemie einzudämmen ist das Wichtigste: Information. Nur so können sich die Menschen den Empfehlungen entsprechend verhalten. Ihr Verhalten aber entscheidet mit darüber, ob und wie sich ein Virus ausbreitet oder nicht.

Die Leute brauchen seriöse Informationen.

Die Leute müssen also seriös darüber informiert werden, was die Ausbreitung des Virus verhindert oder befördert. Wenn die WHO oder andere Fachleute mit ihren Informationen aber nicht mehr durchdringen, weil gleichzeitig sehr viele Falschinformationen kursieren, ist das schlimm.

Welche Rolle spielt bei der ganzen Information über das Corona-Virus die Informationspolitik der chinesischen Regierung?

Es hilft nicht gerade, dass man durchaus den Eindruck haben kann, die chinesische Regierung sage nicht alles, was sie weiss. So verkündete ein Blogger zu Beginn der Epidemie, er habe Informationen über die wahren Infektionszahlen, die viel höher seien als offiziell bekannt gegeben. Wenn man sich jedoch etwas mit der Materie auskannte, fand man schnell heraus, dass die Zahlen längst bekannt waren und auf einer Schätzung von Londoner Forschern beruhten. Vor dem Hintergrund, dass sich die chinesische Regierung etwas undurchsichtig verhielt, konnte sich der Blogger mit seiner Fake-News aber aufspielen.

Das Fake-News-Problem gäbe es auch, wenn Peking ganz genau informieren würde.

Für die Menschen gerade in China kommt noch hinzu, dass sie viel stärker als wir in der Schweiz auf Informationen aus sozialen Netzwerken angewiesen sind. Das heizt das Ganze noch an. Allerdings gäbe es das Problem wahrscheinlich auch dann, wenn die chinesische Regierung sehr genau informieren würde. Fake-News sind einfach ein Phänomen unserer Zeit.

Das Gespräch führte Nina Gygax.

Video
Corona-Virus betrifft auch Schweizer Unternehmen in China
Aus Tagesschau vom 18.02.2020.
abspielen

«Info 3» vom 18.2.2020, snep

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    So, das wäre der erste Superspreader von COVID 19, die es ja angeblich bei dieser Infektion nicht gibt: > Coronavirus ‘super spreader’ at South Korean church sparks infection fears < Quelle: South China Morning Post (Hong Kong)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    "Das Fake-News-Problem gäbe es auch, wenn Peking ganz genau informieren würde." - Stimmt, aber nicht in diesem Ausmass. Herr und Frau Politiker/In sollten sich sowieso über ein Gesetz Gedanken machen, welches Fake-News, Shit-Storming und Onlinemobbing unterbindet. Auch wenn das von wegen Meinungs- und Pressefreiheit heikel werden dürfte, hat "Opferschutz" Vorrang, My 2 Cents .... ;-))
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stefan Renevey  (weissdassichnichtsweiss)
    Wie viele Lügen, vermeintliche und zugegeben mussten wir uns präsentieren lassen?
    Irgendwann wird doch der eine oder die andere derart sauer, dauernd vorgeführt, manipuliert, für blöd verkauft und für unmündig erklärt zu werden, dass daran jegliche Objektivität wie ein Schoggihase an der Sommersonne wegschmilzt. Nur noch Widerstand!
    Und anstatt hinzustehen und reinen Tisch zu machen, geht`s genau gleich weiter.
    Das grenzt an Gehirnwäsche!!
    Wer ein Mal lügt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen