Das Wunder von Fátima Franziskus spricht zwei Hirtenkinder heilig

  • Papst Franziskus reist anlässlich des 100. Jahrestags der Marien-Erscheinung von Fátima nach Portugal.
  • Am Samstag wird Franziskus dort zwei der drei Hirtenkinder heiligsprechen, denen 1917 sechsmal die Maria erschienen sein soll.
  • In dem Ort mit 11'500 Einwohnern werden zum Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes Hunderttausende Gläubige erwartet.

Fátima ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt. 1917 soll drei Hirtenkindern dort die Gottesmutter Maria erschienen sein. Zum ersten Mal erblickten Lúcia, Francisco und Jacinta am 13. Mai eine leuchtende, in weiss gekleidete Frauengestalt. Sie soll den Kindern aufgetragen haben, sich in den nächsten sechs Monaten jeweils am 13. wieder einzufinden.

Busse und Sühne – sonst droht Schreckliches

Maria, so die Überlieferung, hatte eine deutliche Botschaft an die Welt: Die Menschen sollen sich ändern, Busse tun und Sühne leisten. Sonst werde Schreckliches geschehen. Tatsächlich erscheint den Hirtenkindern Maria jeweils am 13. der folgenden Monate. Die Erscheinung übermittelt ihnen drei Weissagungen, die als «Geheimnisse von Fátima» bekannt geworden sind:

  • In der ersten Vision ist von einem Feuermeer die Rede mit Teufel, Schmerzen und Verzweiflungsschreien. Die Gräuel stehen als Prophezeiungen dafür, was der Menschheit blüht, wenn sie ihr Verhalten nicht ändert.
  • Die zweite Vision sagt das Ende des ersten Weltkriegs voraus, warnt aber zugleich vor einem zweiten Weltkrieg – und vor Russland.
  • Die dritte Vision handelt von einem Bischof in weissem Gewand, der von Soldaten erschossen wird.
Drei Männer als eine Art Hirten verkleidet auf einem grossen Platz in Fátima. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schon Tage vor der Heiligsprechung durch Franziskus sind zahlreiche Pilger in Fátima eingetroffen. Keystone

Zehntausende erlebten ein «Sonnenwunder»

Das Erlebnis der Kinder sprach sich schnell herum. Am 13. Oktober 1917 versammelten sich bereits mehrere zehntausend Menschen am Ort der Visionen. Sie erlebten nach Berichten von Augenzeugen ein «Sonnenwunder»: Eine rotierende Sonne habe sich im Zickzackkurs der Erde genähert und Licht in wechselnden Farben ausgestrahlt. Erst 1930 erkannte die Kirche die Erlebnisse offiziell als Marienerscheinung an.

Papst Johannes Paul II., der die dritte Vision als Voraussage des Attentats von 1981 auf ihn selber deutete, sprach die Geschwister Francisco und Jacinta selig. Sie waren bei Grippeepidemien gestorben. Nun werden sie also von Franziskus heiliggesprochen. Ihre Cousine Lúcia trat in ein Kloster ein, wo sie bis zu ihrem Tod 2005 als Ordensschwester lebte. Sie soll bald seliggesprochen werden.

Religionsredaktor Raphael Rauch zum Phänomen Fátima:

Die Faszination des Wallfahrtsorts Fátima ist zunächst in seiner Lage nördlich von Lissabon begründet: Portual und Spanien sind stark römisch-katholisch geprägt. Da ist es ganz praktisch, wenn sich gleich in der Nähe eine Art Nationalheiligtum befindet. Viele Gläubige wollen hier und jetzt ein Zeichen von Gott spüren, ihnen reicht der Glaube an Jesus Christus, der vor 2000 Jahren gelebt hat, nicht. Für sie ist die Marienerscheinung von Fátima eine Art Glaubens-Update – und sie macht den Glauben konkreter. Allerdings ist Fátima nicht ein Ort wie Lourdes in Frankreich, wo man hinfährt und Heilung erwartet. In Fátima geht es um die Hölle, um Sühne, um Schuld.

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