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Glaziologen-Treffen in Davos «Das Eis an den Polen wird noch Jahrtausende überdauern»

Legende: Audio Prof. Steffen über die Schweiz als Polar-Nation abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
04:28 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.06.2018.

In Davos treffen sich derzeit mehr als 2000 Polar-Forscherinnern und Gletscherexperten zum Austausch ihrer Arbeit. Die Glaziologen befassen sich entweder mit dem Nordpol, dem Südpol oder mit Gebirgen wie den Alpen oder dem Himalaya.

Einer von ihnen ist Konrad Steffen. Der langjährige Atmosphären- und Gletscherforscher weiss, was mit der Klimaerwärmung auf den Planeten zukommt – auch wenn es noch tausende Jahre dauern wird, bis die Polkappen vollständig abgeschmolzen sind.

Konrad Steffen

Konrad Steffen

Glaziologe

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Der Atmosphären- und Gletscherforscher Konrad Steffen , Link öffnet in einem neuen Fensterist unter anderem Direktor des schweizerischen Polar-Instituts und Direktor des Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Landschaft und Schnee sowie Professor an der ETH Zürich.

SRF News: Weshalb braucht die Schweiz ein eigenes Polar-Institut?

Konrad Steffen: Das Polar-Institut ist kein Institut an einer Uni, sondern eine Gruppe von Forschern, welche die Logistik und die Expeditionen koordiniert. Die Arbeit in der Arktis und in der Antarktis ist relativ komplex, die Schweiz hat keine eigenen Eisbrecher oder Polarstationen. Wir sind aber Mitglied in der antarktischen Kommission und im Arktischen Rat. Dadurch haben wir Zugang zur Logistik der anderen Nationen.

Die Grundlagen der Glaziologie und der Kryosphäre stammen aus den Alpen.

Auch wenn es nicht offensichtlich ist: Die Schweiz ist eine arktische Nation, denn die Grundlagen der Glaziologie und der Kryosphäre – die Eisgebiete auf der Erde – stammen aus den Alpen. Hier wurden die ersten Grundlagen erarbeitet. Die Forschungsergebnisse wurden später in der Arktis angewendet. Auch gelang die erste wissenschaftliche Überquerung Grönlands einem Schweizer: Im Jahr 1912 durchquerte der Polarforscher Alfred de Quervain als erster die Grüne Insel von West nach Ost – er lebte übrigens hier in Davos. Deshalb hat die Schweiz schon lange eine enge Beziehung zu den arktischen Nationen. Denn die Arbeit basiert auf demselben Medium an den Polen und auf den Gletschern: Der Kryosphäre.

Gletscher und Berge aus der Vogelperspektive.
Legende: Auch wenn allein in Grönland jedes Jahr 360 Kubikkilometer Eis (360 km3 = 360'000'000'000 m3) abschmelzen – bis alles weg ist, wird es noch Jahrtausende dauern. Reuters

Das Eis an den Polkappen wird stetig weniger – wegen der Klimaerwärmung. Wie viel steigt der Meeresspiegel, wenn alles Eis an beiden Polkappen tatsächlich schmelzen sollte?

Um 66 Meter. Doch das werden wir in den nächsten 10'000 Jahren nicht erleben. Derzeit verliert Grönland pro Jahr 360 Kubikkilometer Eis – das ist sechsmal so viel, wie alle Gletscher der Alpen derzeit an Volumen haben. Auch wenn das nach unvorstellbar viel tönt: Dadurch steigt der Meeresspiegel pro Jahr «bloss» um rund einen Millimeter.

Wie behält man als Klimaforscher den Mut weiterzumachen – angesichts dieser wenig aufbauenden Erkenntnisse?

Ich bin schon seit über 40 Jahren jedes Jahr in der Arktis oder Antarktis und habe die Veränderungen hautnah miterlebt, seit rund 20 Jahren sehe ich sie durch meine eigenen Messungen. Klar ist: Die Erderwärmung kann man nicht von heute auf morgen umkehren.

Die Entwicklungsländer sollten dabei unterstützt werden, nur saubere Energien einzusetzen.

Um einen möglichst grossen Effekt beim Klimaschutz zu erreichen, sollten wir dort ansetzen, wo es den grössten Effekt hat: bei den Entwicklungsländern. Wir sollten diesen Ländern unbedingt saubere Energien verkaufen – und nicht jene Energie, die am billigsten ist. Doch noch werden vor allem Kohle und Erdöl in Entwicklungsländern als Energieträger eingesetzt, das ist am billigsten. Dies zu ändern, dazu sind die Weltbank und die Industrienationen gefordert. Der Klimafonds muss entsprechend eingesetzt werden. Die Entwicklungsländer müssen eine Chance erhalten, ihren Lebensstandard mit sauberer Energie nach oben zu bringen. Denn es sind jene Länder, in denen die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten zunehmen wird.

Das Gespräch führte Christian von Burg.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Willy Brauen (Willy Brauen)
    Hat sich jemand mal Gedanken gemacht, in wie weit die gesamte Bauerei Einfluss auf das Klima hat? Nicht der Verbrauch v CO2 ist gemeint, sondern das Erwärmen v Bauten, Mill Tonnen Beton, Zement, Strassen u Autobahnen mit tausenden von Quadratkm v Teer und Beton, Maschinen und Stahlkonstrukt mit Mill v Tonnen Stahl u Eisen im Freien usw. Die Sonne erwärmt das alles über den Tag und die Wärme wird in der Nacht abgegeben. In Städten ist die Temp in der Nacht um 3 - 5 ° wärmer, als auf dem Land!
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  • Kommentar von Willy Brauen (Willy Brauen)
    Seit Langem wird vorwiegend vom CO2, als Klimaerwärmer gesprochen. In der westlichen Welt ist vorallem das Auto im Visier, als kleiner Anteil des gesamten CO2. Ich möchte das nicht kleinreden, aber es wird von den Regierungen missbraucht, um die Autofahrer abzukassieren. Dabei gibt es viel grössere "Erwärmungsfaktoren" als das Auto. Das Bequeme bei den Autos ist, sie sind alle registriert mit Halter und dessen Adressen, also braucht man sie nicht neu zu erfassen, und ist lukrativ!
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Da wird mit einem riesigen Aufwand in der Erde gegraben um das was man findet, auch mit großem Aufwand zu verbrennen! Klingt nicht besonders intelligent! Sonne, Wind, Gezeiten und Meereströmungen könnten täglich mehr Energie liefern, fast CO2 neutral, als die Menschheit in hundert Jahren Verbraucht. Aber lieber wird weiter in der Erde gebuddelt!:(((
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    1. Antwort von Willy Brauen (Willy Brauen)
      Wenn die Nutzung, die tatsächlich vorhandenen Energiemöglichkeiten zu nutzen so einfach wären, gäbe es längst Investoren, die das nutzen wollten! Keine Angst, es wir kommen! Wir müssten in der Nacht weniger Strom nutzen!
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      @Brauen, Wir werden das bestimmt nicht mehr erleben. Die Lobbyisten der Öl, Kohle, Gas und Atomindustrie sind zu mächtig. Auch sonst, werden lieber jedes Jahr, hunderte von Milliarden für Kriegsmaterial verpulvert!
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