Millionen Menschen geschützt Grosse Erfolge gegen Tropenkrankheiten

Nicht zuletzt dank Bill Gates und den Pharmafirmen konnte die Zahl der bedrohten Menschen stark gesenkt werden.

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Tropenkrankheiten bald ausgerottet?

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Kampf gegen 18 schwere Tropenkrankheiten sind laut der WHO grosse Fortschritte erzielt worden.
  • Zwar sterben jedes Jahr immer noch Zehntausende Menschen an diesen Krankheiten, doch de Zahl jener Menschen, die von ihnen bedroht sind, ist innert weniger Jahre um 20 Prozent zurückgegangen.
  • Manche Krankheiten, so hofft die WHO, könnten sogar bald ausgerottet werden.

«Dank einer der wirkungsvollsten Partnerschaften in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge konnten Millionen Menschen vor Gesundheitsschäden und Armut bewahrt werden», erklärte WHO-Chefin Margaret Chan in Genf. Im Jahr 2010 seien zwei Milliarden Menschen von tropischen Krankheiten bedroht gewesen. Jetzt seien es noch 1,6 Milliarden.

Bei den Krankheiten handelt es sich um Leiden wie Dengue-Fieber, die Schlafkrankheit oder den parasitären Guineawurm. Zur ihrer Behandlung stehen eigentlich Therapien zur Verfügung, aber die sind für die zumeist armen Patienten oft nicht zugänglich.

Asiatische Frau mit Kind in einer Apotheke. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 170'000 Menschen sterben jährlich an Tropenkrankheiten. Keystone

Zusammenspiel verschiedener Akteure

Im Jahr 2012 vereinbarten die WHO, Regierungen und Pharmafirmen in der «Londoner Erklärung» einen gemeinsamen Kampf gegen diese sogenannten vernachlässigten Krankheiten. Die Konzerne haben seitdem jedes Jahr mehrere hundert Millionen Behandlungsdosen bereitgestellt, so dass im Jahr 2015 eine Milliarde Menschen wegen mindestens einer dieser Krankheiten behandelt werden konnte, teilte die WHO nun mit.

Auf zivilgesellschaftlicher Seite war die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates führend an der Kooperation beteiligt. Gates sprach angesichts der Ergebnisse von einem «Meilenstein in der globalen Gesundheit», der durch gemeinsame und abgestimmte Anstrengungen erreicht worden sei.

Dem Guineawurm geht es an den Kragen

Bei einigen der schlimmsten Krankheiten vermeldet die WHO besonders grosse Erfolge in der Eindämmung: Im vergangenen Jahr seien nur noch 25 Fälle von Infektionen mit dem Guineawurm (oder Medinawurm) registriert worden, der sich durch den Körper der Infizierten frisst. Im Jahr 1989 hatte es noch 900'000 Fälle gegeben. Die Krankheit könnte bald völlig ausgemerzt werden, erklärte die WHO.
Auch bei der Schlafkrankheit gibt es grosse Fortschritte: Im Jahr 1989 habe es noch 37'000 Fälle gegeben, so die WHO. Bis 2015 sei die Zahl der Erkrankungen auf 2804 gesunken. Auch hier sei eine Ausmerzung der Krankheit in Reichweite.

«Bis etwa ins Jahr 2005 hat praktisch niemand von den ‹vernachlässigten› Krankheiten gesprochen, obschon mehr als eine Milliarde Menschen davon betroffen war», stellt Jürg Utzinger fest. Der Epidemiologe ist Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts in Basel.

Auch Öffentlichkeitsarbeit für die Pharmafirmen

Die Fortschritte seien dank dem guten Zusammenspiel von privaten Initiativen, Internationalen Organisationen und Regierungen zustande gekommen: «Pharmafirmen erklärten sich bereit, manche Medikamente gratis und franko abzugeben», so Utzinger. Dies sei nicht immer uneigennützig erfolgt, denn für die Firmen hätten solche Aktionen auch einen PR-Effekt. Trotzdem ist sich der Epidemiologe sicher: «Ohne sie hätten wir niemals solche Erfolge verzeichnen können.»

Vor allem in den für die medizinischen Helfer zugänglichen Gebieten seien die Fortschritte gross, so Utzinger. Eine besondere Herausforderung bildeten in der Zukunft die weniger zugänglichen Orte, etwa Bürgerkriegsgebiete: «Es ist sehr schwierig, die Leute dort zu erreichen.»

Ein weiteres Problem sei manchmal, dass sich Betroffene vor der modernen Medizin fürchteten – etwa, wenn sie regelmässig eine Wurmkur machen müssten. «Es braucht deshalb konstante Aufklärungsarbeit und gute Informationskampagnen», betont der Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts.