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Swiss Camp in der Arktis Hiobsbotschaft aus dem «ewigen» Eis

Bundespräsidentin Doris Leuthard besucht Schweizer Forscher in Grönland: Ihre Erkenntnisse zum Klimawandel sind erschreckend.

Legende: Audio «Die Schweiz und die Arktis» abspielen. Laufzeit 5:46 Minuten.
5:46 min, aus Rendez-vous vom 07.08.2017.
  • Umweltministerin Leuthard reist heute nach Dänemark und Grönland. Sie besucht dabei auch eine Schweizer Forschungsstation im Westen Grönlands.
  • Im laufenden Jahr hat sich die Schweiz bereits diplomatisch dem Nordpol angenähert: Seit Mitte Mai ist sie ständiger Beobachter beim Arktischen Rat.
  • Die Schweiz hat damit zwar kein Stimmrecht im Gremium der Anrainer-Staaten der Arktis. Aber sie kann bei Forschungsinitiativen und Arbeitsgruppen mitmachen.
  • Dass das klimapolitische Engagement im hohen Norden bedeutsam ist, belegen die alarmierenden Forschungsergebnisse des Swiss Camp.

Alles begann so ganz anders, als es die Apologeten des Klimawandels seit Jahrzehnten behaupten. Als Konrad Steffen 1990 das Swiss Camp auf dem Grönländischen Eisschild aufbaute, schien ein ewiger Winter Einzug zu halten: «Das Klima kühlte sich innerhalb von einem Jahr um etwa 1,5 Grad ab. Wir hatten keine Sommer mehr, sondern nur noch Niederschlag und Schnee in Grönland», sagt der Professor für Klima und Kryosphäre.

Legende: Der Kartenausschnitt zeigt den Standort des Swiss Camps in Grönland srf/wsl

Waren die Schweizer Forscher in ihrer meteorologischen Basisstation der grossen «Klimalüge» auf der Spur? Leider nicht. Der «Wintereinbruch» war auf den Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen zurückführen. Es sollte rund zwei Jahre dauern, bis sich die kleinen Partikel aus der Atmosphäre ausgeregnet hatten. «Danach stellten wir durch unsere Messungen und Beobachtungen fest, dass sich das Klima in Grönland stetig erwärmt», sagt Steffen.

Swiss Camp auf Grönland
Legende: Das Swiss Camp liefert bis heute die längste Zeitreihe über das grönländische Klima. Konrad Steffen / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL

In den letzten 15 Jahren notierte das Forscherteam eine Erwärmung um drei Grad, die Eisschmelze hat dramatische Ausmasse angenommen: Mittlerweile geht der zweitgrösste Eisschild der Welt (hinter der Antarktis) um jährlich 350 Kubikkilometer pro Jahr zurück – das entspricht dem sechsfachen Eisvolumen der gesamten Alpen.

Hochrangiger Besuch auf der Forschungsstation

Nun reist Umweltministerin Doris Leuthard in die menschenleere Arktis. Das Engagement der Schweiz im hohen Norden mag auf den ersten Blick abwegig erscheinen. Doch wenn es um den Klimawandel geht, haben die grosse Arktis und die kleine Schweiz inmitten der Alpen viel gemeinsam: «Die Erwärmung in Grönland ist vergleichbar mit derjenigen, die wir in den Alpen beobachten können», sagt Steffen.

Und sowohl am Nordpol als auch in unseren Bergen ist der Klimawandel augenfällig, weil das Eis schmilzt. Bei uns deutlich messbar am Rückgang der Gletscher und am Abtauen des Permafrosts, was Felsen und die Bauten darauf instabil macht. Schweizer Klima- und Polarforscher haben darum die Schweiz auch schon als vertikale, also «senkrechte arktische Nation» bezeichnet.

Konrad Steffen / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL
Legende: Wissenschaftler aus aller Welt wollen verstehen, wie schnell das Eis auf Grönland schmilzt. Konrad Steffen / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL

Dass Schweizer Forscher sich seit Jahrzehnten sozusagen vor der Haustür mit Eis und Schnee befassen, ist ein Grund dafür, dass Schweizer Wissenschaftler zu den führenden Polarforschern zählen.

Düstere Aussichten

Doch das Swiss Camp harrt nicht im (vermeintlich) ewigen Eis aus, um Rückschlüsse auf klimatische Entwicklungen in der Schweiz zu finden. Es geht, wie immer beim Klimawandel, um das ganz grosse Bild: «Wir machen die Untersuchungen, um ein globales Phänomen zu untersuchen: Wie reagiert der Meeresspiegel auf die Erwärmung in den polaren Regionen?»

Gletscher in den Alpen
Legende: Ein globales Problem: Forscher sehen die Eisspeicher in den Hochgebirgsregionen als «dritten Pol». Cornelia Accola / SLF

Die Ergebnisse der Forschergruppe sind ernüchternd: Allein durch die Eisschmelze in Grönland steigt der globale Meeresspiegel jährlich um einen Millimeter. Das klingt nach wenig. Eingerechnet aller Eisvorkommen – auf Gletschern auf den Kontinenten und an den Polen – erwarten die Klimaforscher aber, dass der Meeresspiegel bis ins Jahr 2100 um einen Meter ansteigt.

Dann dürften die Bilder einsamer Südseeinseln, die allmählich vom Wasser verschluckt werden, geradezu idyllisch anmuten. «Es werden sehr grosse, dicht besiedelte Regionen betroffen sein. Sie müssen evakuiert werden, weil sie bis zum Ende des Jahrhunderts unter Wasser stehen», prognostiziert Steffen. Der Klimawandel kenne keine Grenzen, genauso wie die Wissenschaft, sagt der Forscher: «Wir arbeiten als globale Nation an diesem Problem.»

46 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Liebe Frau BR Leuthard. Irrtum vorbehalten, aber ich nehme an, Sie sind mit dem Privatjet hingejetet und dann noch ein Helikoptertransfer und Helikopter-Rundflügelchen. Dabei haben Sie so viel CO2 produziert, dass nun auch noch der Rest des Packeises schmilzt. Da kommt mir doch der Spruch "Wasser predigen und Wein trinken" in den Sinn.
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  • Kommentar von Alain Terrieur (Imhof)
    ...die Gletscher "gehen" nicht seit der Auto- und SonstIndusrie zurück! - Als die Gletscher das Seeland "verlassen" hatten, wäre dieser ALARM laut auszugrännen gewesen! - Was für ein gjammer wäre während der Eiszeit, legitim gewesen???
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Die Erde erwärmte sich beim Übergang von Eiszeit in eine Zwischeneiszeit binnen ca. 10.000 Jahren etwa um 4 bis 5 °C. Bei der menschengemachten globalen Erwärmung wird jedoch eine Temperaturerhöhung von 4 bis 5 °C binnen 100 Jahren erwartet; die Erwärmungsgeschwindigkeit ist also etwa 100 mal größer als bei historischen natürlichen Klimaveränderungen.
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    2. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      Herr Planta, wenn man die Kurve der letzten 4Mrd. Jahre im Gesamten anschaut, ist da einfach kein Muster zu erkennen, woraus man irgend einen Mittelwert oder Muster konstruieren könnte und schon gar nicht, dass wir Menschen diese Naturkräfte beeinflussen könnten, was ohne uns Menschen sich bereits in dieser Zeitspanne ereignet hat. Vor der letzten grossen Eiszeit, war es so z.B. heiss, wie vor fast. 3Mrd. Jahren nicht mehr, nachdem es von da aber immer kälter wurde.
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    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Nochmals: Wärmere und kältere Perioden gab es schon immer. Beunruhigend ist die Schnelligkeit der derzeitigen Erwärmung.
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    4. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      Abrupte Klimawechsel gab es schon mehrmals, wenn man die Betrachtung der Temperaturen auf einen weiteren Zeitraum von über 3Mrd. Jahren ausweitet. Z.B. Grönland in einem Jahrzehnt um bis zu 10°C.
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    5. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Der natürliche Klimawandel wird mittlerweile vom anthropogenen (menschengemachten) Einfluss deutlich überlagert. Der IPCC schreibt in seinem 2013 erschienenen fünften Sachstandsbericht, dass es extrem wahrscheinlich ist, dass die Menschen mehr als 50 % der 1951–2010 beobachteten Erwärmung verursacht haben. Nach der besten Schätzung stimmt der menschliche Einfluss auf die Erwärmung in etwa mit der insgesamt beobachteten Erwärmung während dieses Zeitraums überein.
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    6. Antwort von Thomas Heimberg (tomfly)
      @Planta: Mag alles stimmen, was Sie sagen. Aber ja und? Ob wir nun in 200 oder 2000 Jahren Wüste, Eiszeit, tropisches Meer oder was auch immer haben, ist für mich irrelevant. Die Welt und die Menschheit wird wegen 2 oder 3 Grad nicht untergehen. Fordert man nicht zudem von uns immer, dass wir flexibel und anpassungsfähig sein sollen? Es wird immer Gewinner und Verlierer geben. Vielleicht wird die Menschheit einmal froh sein, wenn sie in Grönland Getreide pflanzen kann.
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    7. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      Sie sprechen von Modellen, Konjunktiv. Hatten wir schon alles, wie beim Horrorszenario Waldsterben, das nicht eingetreten ist. Meine Betrachtung geht 3 Mrd. Jahre zurück, seit es die Atmosphäre gibt und zeigt auf, dass das Klima von vielen Faktoren nachhaltig beeinflusst wird, die Sonne, variable Elipsenbahn der Erde, unstabile Achsenneigung, Tektonik Verschiebung, Vulkane, Meeresströmung die sich ändert usw. usf. Sich nur auf das CO2 als Ursache einzuschiessen, ist schlicht unwissenschaftlich.
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Die Reise von Bundesrätin Leuthard in die Arktis ist reine Geld- und Zeitverschwendung. Hier gibt es genug Aufgaben für sie, die gelöst werden müssten.
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