Kampf gegen Kriminelle: Brasilien schaltet WhatsApp ab

In Brasilien ist der Handy-Mitteilungsdienst WhatsApp gesperrt worden. Ein Richter will damit Facebook – den Eigentümer von WhatsApp – zur Herausgabe von Chats zwischen Kriminellen zwingen. Von der Sperre betroffen sind rund 100 Millionen Brasilianer.

WhatsApp-Logo auf einem Smartphone Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Den Zugang zu WhatsApp müssen die fünf grössten Telekom-Anbieter Brasiliens für 72 Stunden sperren. Keystone

Ob die Verabredung zum Strandbesuch, das Bestellen des Taxis, das Reservieren im Restaurant: In kaum einem Land wird WhatsApp so intensiv genutzt wie in Brasilien. Seit 14 Uhr Ortszeit funktioniert das beliebte Kommunikationsmittel jedoch nicht mehr. WhatsApp ist auf Anordnung eines Richters blockiert worden.

Die landweite Sperrung soll drei Tage lang andauern. Eine entsprechende Richterentscheidung wurde den fünf führenden Telefonanbietern des fünftgrössten Landes der Welt übermittelt. Damit soll offensichtlich die Herausgabe von Chat-Protokollen in Kriminalfällen an Ermittler erwirkt werden. Im Falle einer Weigerung zur Blockade drohen den Mobilfunkanbietern Strafen von rund 500'000 Reais (127'000 Euro) pro Tag, hiess es.

Whatsapp in Brasilien abgeschaltet

2:14 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.12.2017

Bereits im Dezember WhatsApp blockiert

Der drastische Schritt wurde nach Medienberichten von dem Richter Marcel Montalvão angeordnet, der auch die kurzzeitige Festnahme des Vizepräsidenten von Facebook für Lateinamerika, Diego Dzodan, Anfang März verfügt hatte. Dzodan wurde damals vorgeworfen, er habe sich einer richterlichen Anordnung widersetzt, Gesprächsprotokolle mutmasslicher Drogenhändler an die Ermittler weiterzugeben.

Brasiliens Justiz macht immer wieder Druck, um an Chatprotokolle über womöglich kriminelle Handlungen heranzukommen. Im Dezember war WhatsApp bereits für rund einen Tag blockiert worden.

Bei WhatsApp ist nun alles verschlüsselt

WhatsApp gehört zum weltgrössten Online-Netzwerk Facebook. Der Dienst stellte jüngst komplett auf die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung um, bei der auch die WhatsApp-Betreiber keinen Zugriff auf die Inhalte der Unterhaltungen haben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bezifferte die Zahl der WhatsApp-Nutzer in Brasilien auf 100 Millionen. Sein Konzern hatte die SMS-Alternative, über die mit einer Internetverbindung kostenlos Nachrichten, Fotos und Videos verschickt werden können, 2014 für rund 22 Milliarden Dollar gekauft. WhatsApp hat weltweit rund eine Milliarde Nutzer.