Kastanienbäume erholen sich nur langsam

Heisse Marroni gehören einfach zum Herbst und Winter. Besonders im Tessin. Nach jahrelanger schlechter Ernte wegen eines Schädlings seien die Kastanienbäume dort aber noch schwach, sagt Paolo Bassetti. Er verarbeitet Marroni zu Mehl.

Heisse Marroni. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jetzt ist wieder Erntezeit. Ist die Ausbeute dieses Jahr grösser als im letzten Jahr? Keystone

Wie riecht der Herbst? Im Tessin ist die Antwort klar: Er riecht nach Marroni. Denn in einem grossen Teil der Tessiner Wälder dominieren die Edelkastanienbäume. Deren Früchte waren über Jahrhunderte eines der Grundnahrungsmittel im Südkanton.

Keine Reserven für viele Früchte

Nachdem in den letzten Jahren die Gallwespe die Ernte vermiest hat, hoffen die Tessiner dieses Jahr auf eine bessere Saison. «Ich erwarte, dass sie besser ist», sagt Paolo Bassetti. Er betreibt die einzige Firma im Tessin, die Kastanien von Sammlern aufkauft und weiterverarbeitet, etwa zu Mehl oder Püree. «Die Bäume haben mehr Laub, wir hatten eine gute Blütezeit, aber im Moment sind die Erträge noch tief.» Einerseits sei es im August und September sehr trocken gewesen.

Hoffnung keimt in den Tessiner Kastanienhainen

4:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.10.2016

«Andererseits glaube ich, dass die Kastanienbäume sich nach drei bis vier Jahren Krankheit zwar optisch wieder erholt haben», so Bassetti. Innerlich fehlten ihnen aber noch die Reserven; sie seien heuer noch zu schwach, um richtig viele Früchte zu tragen.

Ein Schädling gegen den anderen

Die – wenn auch nur langsame – Erholung der Kastanienbäume im Tessin ist einem weiteren Einwanderer zu verdanken: Die aus China stammende Schlupfwespe Torimus, im Fachjargon Torymus sinensis genannt, wird in Italien und Frankreich als natürlicher Feind gegen die aus Asien eingeschleppte Gallwespe eingesetzt.

In der Schweiz hatte es das Bundesamt für Umwelt vor einigen Jahren aufgrund ökologischer Risiken abgelehnt, die Torimus-Wespe einzuführen. Doch nachdem sie in den Nachbarländern ausgesetzt wurde, machte sie an der Grenze nicht halt.

Ein neuer Organismus in einem Ökosystem könne immer auch Nebenwirkungen haben, gibt Bassetti unumwunden zu. Doch was die Kastanienbäume angehe, habe der «Schädling des Schädlings», wie er die Schlupfwespe nennt, ein Gleichgewicht geschaffen. «Die Bäume können sich besser entwickeln und Blätter und Blüten bilden.» Aus Italien würden teils schon wieder normale Marronimengen gemeldet.

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