Katastrophenhilfe in Echtzeit – #Hochwasser und Fluthilfe 2.0

Live-Ticker berichten über Zonen, die unmittelbar vom Hochwasser betroffen sind. Auf sozialen Netzwerken organisieren sich Bürger selbst, schicken sich Hilfen, füllen Sandsäcke. Innerhalb weniger Tage generierten die Seiten Zehntausende von «Likes».

Titelseite des Facebook-Seite Fluthilfe Dresden Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Fluthilfe Dresden» hat sich innert weniger Tage zu einer der meist besuchten Hilferuf-Seiten entwickelt. SRF

+++ SANDSÄCKE UND HELFER AN DEN STAUSEE COSSEBAUDE DRINGEND. Hilfe- und Spendenaufrufe aus den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Deutschland haben sich im sozialen Netz ausgebreitet.

Auf Facebook sind in kürzester Zeit hunderte Seiten entstanden. Eine mit den meisten «Gefällt mir» ist die «Fluthilfe Dresden». Dahinter stecken drei junge Leute. «Wir sind eine private Initiative und wollen nur unsere Stadt vor dem Schlimmsten bewahren.» Dies antwortet Patrick Pölchen, einer der Initianten, auf Anfrage von SRF News Online.

Ausschnnitt aus einer Facebook-Seite. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aufruf für Pumpen – ein Theater steht unter Wasser. Die Solidarität geht bis zum Streichen von belegten Brötchen. SRF

«Organisation von Wunderhand»

Die Idee der Facebook-Seite entstand spontan: «Als Daniel Neumann am Sonntagabend gesehen hat, dass es für die Koordination der Helfer und Hilfesuchenden keine Anlaufstelle gibt, hat er die Seite ins Leben gerufen», schreibt Pölchen. Innert kürzester Zeit schnellte die Anzahl der «Likes» auf 45‘000.

«Die Informationen kommen alle via Nachricht zu uns, wir sortieren dann die Hilferufe und versuchen diese zeitnah auf die Seite zu setzen. Der Rest organisiert sich wie von Wunderhand selbst», so Pölchen.

Viele Helfer folgten den zahlreichen Facebook-Aufrufen und versammelten sich zum Füllen von Sandsäcken und zum Aufräumen – nicht nur in Dresden, sondern in allen betroffenen Gebieten.

Ausschnitt aus einer Facebook-Seite. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: User äussern sich gereizt auf Hilfeaufrufe. SRF

Unkoordinierte Solidarität

Ohne richtige Koordination vor Ort kommt es laut den Facebook-Einträgen oft auch zu etwas chaotischen Szenen. Nach Aufrufen für mehr Helfer reagieren einige User teils gereizt: «Hört auf, die Leute an Orte zu schicken, an denen keine Hilfe mehr benötigt wird!»

Eine Google-Seite informiert laufend darüber, wo in Dresden Leute mit Gummistiefeln gebraucht werden oder wo sich die Situation inzwischen entspannt hat. Vielleicht lassen sich dadurch zu grosse Helferaufläufe vermeiden.

Das Hochwasser bedroht weiter den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die anrollenden Wassermassen. Sie haben bereits im Süden und Osten des Landes verheerende Zerstörungen hinterlassen. Die Lage bleibt weiter angespannt, mehrere Deiche drohen zu brechen.

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Die Hilfe kommt per Facebook

3:30 min, vom 6.6.2013