Marseille feiert sich als neue Kulturhauptstadt

Wasserspiele, Luftakrobaten und Hunderttausende von Menschen: Beim Start zum Kulturhauptstadtjahr Marseille-Provence fehlte nur François Hollande. Die südfranzösische Stadt verbindet mit dem Titel eine Hoffnung auf Besserung.

Mit viel Kunst und einem grossen Festakt hat das Kulturhauptstadtjahr Marseille-Provence 2013 am Wochenende begonnen. Zur Eröffnungsfeier mit Feuerwerken und Lichtparade kamen in die südfranzösische Stadt Hunderttausende Schaulustige und zahlreiche Politiker.

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Marseille: Kulturhauptstadt Europas

1:31 min, aus Tagesschau vom 12.1.2013

Auch François Hollande hatte sich angekündigt. Doch der französische Staatschef musste kurz vorher absagen. «Die Situation in Mali erlaubt es dem Präsidenten nicht, hier zu sein», begrüsste der konservative Marseiller Bürgermeister Jean-Claude Gaudin die Festtagsgäste am Samstag. Frankreich hat am Freitag einen Militäreinsatz gegen islamistische Rebellen in Mali begonnen, bei dem es auf beiden Seiten bereits erste Opfer gab.

EU-Präsident José Manuel Barroso war ebenfalls nach Marseille gekommen. Noch bevor er in seiner Rede auf die Bedeutung der Kultur für Europa zu sprechen kam, erwähnte er den Mali-Konflikt.

Er lobte die «mutige» Aktion der französischen Truppen und betonte, dass die EU den Einsatz unterstütze. «Wir stehen Frankreich in diesem schweren Moment bei.» Nach dem Festakt reiste Barroso nach Paris, wo er sich mit Hollande zu Gesprächen über die Lage in Mali traf.

Grosse Hoffnungen für Hauptstadtjahr

Mit der Krönung zur Kulturhauptstadt 2013 sind in Marseille und der umliegenden Region viele Hoffnungen verbunden. Die Stadt will endlich ihr schlechtes Image ändern, das ihr seit Jahren anhaftet.

Sie will zeigen, dass es in Marseille nicht nur Bandenkriege und eine Drogenmafia gibt. Die Auszeichnung «Marseille-Provence 2013» umfasst eine Region, die von Marseille bis zum mehr als 90 Kilometer entfernten Arles reicht und über 1,8 Millionen Einwohner umfasst.

Feuerwerk über Marseille. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Marseille feierte vor allem in den Strassen. Jede Stunde gab es für die Zuschauer ein Feuerwerk. Reuters

Die Reden zum Festakt wurden in dem neuen Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers gehalten. Der spektakuläre Bau des französischen Architekten Rudy Ricciotti wird erst Mitte des Jahres eingeweiht. Doch anlässlich des Eröffnungswochenendes durften die Marseiller einen ersten Blick in das noch leere Museum werfen.

Der Startschuss zu den Feierlichkeiten wurde am Samstagmorgen mit verschiedenen Ausstellungen gegeben. In Marseille ist bis zum 31. März «Ici, ailleurs» zu sehen. Eine Werkschau, die in einer riesigen ehemaligen Tabakfabrik die Arbeiten von 39 Künstlern aus dem Mittelmeerraum zum Thema Hier und Anderswo zeigt. Und in Aix-en-Provence wurde ein Freiluftparcours mit zeitgenössischer Kunst eröffnet.

Ein Fest in den Strassen

Doch das eigentliche Fest fand in den Strassen von Marseille statt. Wasserspiele im Alten Hafen, Lichtspiele auf der Kirche Notre-Dame de la Garde, dem Wahrzeichen von Marseille, Konzerte, Akrobaten und kleine Feuerwerke zu jeder vollen Stunde. Bis früh in die Morgenstunden zogen Menschen durch die Strassen und musizierten. Nach Polizeiangaben nahmen daran zwischen 400‘000 und 450‘000 Menschen teil.

Marseille und seine Region haben sich das Kulturhauptstadtjahr einiges kosten lassen. Rund 680 Millionen Euro sind in die kulturellen Infrastrukturen geflossen und etwa 90 Millionen in das rund 900 Events umfassende Jahresprogramm.