Hitler-Büsten in Buenos Aires Nazi-Fund wirbelt Staub auf

Reichsadler, Pistolen und Büsten: Die zahlreichen Nazi-Devotionalien in Argentinien werfen gleich mehrere Fragen auf.

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Nazi-Relikte beschlagnahmt

1:44 min, aus Tagesschau am Mittag vom 20.6.2017

Nach dem Fund von zahlreichen Nazi-Relikten in Buenos Aires führt eine Spur zu einem während des Nationalsozialismus bekannten Solinger Waffenunternehmen. Die grosse Frage lautet allerdings: Wem gehörten die Hitler-Relikte ursprünglich?

In argentinischen Medien ist schon die Rede davon, dass Adolf Eichmann oder Josef Mengele die Hitler-Büsten und Reichsadler nach Argentinien eingeführt hätten. Noch nie sind dort derart viele Relikte mit Bezug zum Nationalsozialismus aufgetaucht – und lassen nun die Fantasien blühen.

Mehrere Nazi-Devotionalien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 75 Stücke: Darunter Hitler-Büsten, Reichsadler, Pistolen, Degen, Fern- und Vergrösserungsgläser. Reuters

Besitzer sieht sich als Sammler

Der 55 Jahre alte Händler muss sich nun vor der Justiz verantworten, beteuert aber seine Unschuld. Es bestehe keine illegale Handlung dabei, meint der Händler. Denn der reine Besitz sei keineswegs strafbar – er habe die Dinge privat gesammelt und ausgestellt – und nicht verkauft.

Seiner Version nach hat er die Sammlung vor über 25 Jahren von einem Argentinier erworben, sozusagen aus zweiter Hand. Er habe insgesamt 17 Sammlungen, darunter auch eine grosse Erotiksammlung, die unter anderem kunstvolle Dildos aus der russischen Zarenzeit umfasse.

Verdeckte Ermittlung

Ein angeblicher Händler hatte per Whatsapp Kontakt aufgenommen – ein Polizist. Bei einer Durchsuchung fanden sich dann in einem Raum hinter einer Schiebetür die insgesamt 75 Devotionalien: grosse Hitler-Bilder, mit Hakenkreuzen versehene Reichsadler, Pistolen, Degen, Fern- und Vergrösserungsgläser wurden beschlagnahmt, auch Apparate zum Messen von Kopfgrössen.

Das Interessante an dem Fund: Viele der Objekte sind mit dem Fabrikationsstempel des 1865 gegründeten und auf Militärmesser spezialisierten Solinger Unternehmens Carl Eickhorn gekennzeichnet. Eickhorn produzierte unter anderem Blankwaffen für SA und SS. Zu klären ist noch, ob es sich um Originalstücke handelt.

Nach Abschluss der Ermittlungen sollen die Relikte in die Sammlung des Holocaust-Museums der Hauptstadt aufgenommen werden, sagt Argentiniens Innenministerin Patricia Bullrich.

Hort für Nazis

Nazi-Mythen sind in Argentinien weit verbreitet. Es halten sich Gerüchte, dass Adolf Hitler zusammen mit Eva Braun in Wahrheit mit der längsten Tauchfahrt eines U-Boots nach Patagonien geflohen und erst Jahrzehnte später in Argentinien gestorben sei. Der Historiker Abel Basti hat mehrere Bücher über Hitler veröffentlicht, an dem Werk «Hitler in Argentina» mit angeblichen vielen stichhaltigen Beweisen und Zeugen hat er nach eigenen Angaben 15 Jahre gearbeitet.

Fakt ist aber, dass die Mehrheit der zehntausenden Deutschen in Argentinien zu Hitlers historisch belegbaren Lebzeiten ihn verehrt hat – daher könnten die Utensilien auch ganz legal von damaligen Anhängern nach Buenos Aires gekommen sein. In einer Veranstaltungshalle der Stadt feierten im April 1938 rund 10'000 Sympathisanten mit grossen Hakenkreuzfahnen und in Trachten den Anschluss Österreichs.

Deutsche Schulen wurden gleichgeschaltet, die NSDAP-Landesgruppe Argentinien hatte viel Zulauf. Sie wurde aber Mitte 1939 verboten, nachdem vom britischen Geheimdienst Gerüchte gestreut worden waren, Hitler wolle Patagonien annektieren, um dort Lebensraum zu schaffen. Die deutschfreundliche Einstellung kam leicht ins Wanken, aber zu Zeiten Juan Domingo Perón wurde Argentinien zum Anlaufpunkt geflüchteter NS-Verbrecher.