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Panorama «Pflanzen-Hacker haben keinen Gottkomplex»

Eine Blume, die morgens blau ist und abends violett wird, duftendes Moos und leuchtende Zimmerpflanzen: Das sind Kreationen von Pflanzen-Hackern. Sie knacken den Gencode von Blumen, um ihr Aussehen zu verändern. Ein Besuch im Labor des Pflanzen-Hackers Sebastian Cocioba.

Biologe Cocioba arbeitet im Labor der Universität.
Legende: Ein moderner Romantiker? Sebastian Cocioba sucht die blaue Rose. zvg

Wenn der New Yorker Sebastian Cocioba von der Uni nach Hause kommt, geht die Arbeit für ihn erst richtig los. Der 25-Jährige verschwindet die Treppe hinauf in sein Zimmer. Bis unter die Decke stapeln sich dort Gläser mit bunten Flüssigkeiten und Pulvern. Auf einem Regal stehen verschiedene Pflanzen, Orchideen, Farne, daneben Plastik-Schalen mit klarer Flüssigkeit. Die Bakterienkulturen darin erinnern ein bisschen an Schneeflocken.

Es geht um Farbe und Form der Pflanzen

«Hier arbeite ich, in meinem Labor-Studio, was auch immer, ich habe keinen richtigen Namen dafür. Es hat jedenfalls alles, was ich so für meine Experimente brauche, um Pflanzen-DNA zu schneiden und zu kleben.» Cocioba ist ein Pflanzen-Hacker und damit Teil einer Gemeinschaft, die oft semiprofessionell Pflanzen erforscht und versucht, deren Form und Farbe genetisch zu verändern.

Wir wollen den akademischen Dunstkreis verlassen und etwas Schönes kreieren, das leicht zugänglich ist.
Autor: Keira HavensBiologin und Pflanzen-Hackerin

Der heilige Gral der Tüftler ist eine blaue Rose, denn Blau kommt in der Pflanzenwelt so gut wie gar nicht vor. Der Handel ist ebenfalls daran interessiert, weil sich damit Millionen verdienen liessen. Bei Planthacking geht es oft darum, die äussere Erscheinung der Pflanze zu verändern. Biologin Keira Havens etwa gelang es, die Blume Petunia Circadia zu kreieren, die im Verlauf des Tages die Farbe von Rot zu Blau wechselt.

Zugang zur Gentechnik erleichtern

Was bezwecken Menschen wie Havens oder Cocioba mit diesen Experimenten? «Wir wollen den akademischen Dunstkreis verlassen und etwas Schönes kreieren, das leicht zugänglich ist. Wir wollen zeigen, welches Potential diese Technik hat. Im Falle unserer Blume ändern ihre Moleküle die Farbe, wenn sich die Farbe der Umgebung ändert, durch die wandernde Sonne zum Beispiel», sagt Havens.

Sie wolle den Bogen von abstrakter Gentechnik zu hübschen Blumen schlagen und anderen Menschen den Zugang zu Gentechnik erleichtern. Denn immer wieder gerate sie an Menschen, die fürchteten, die Gentechnik könnte die Umwelt nachhaltig verändern und schädigen. Wie Havens betont, schüren Behörden und Medien gerne die Angst vor unheimlichen Geschehen in Hinterzimmern, in denen verrückte Forscher geschützt vor den Augen der Öffentlichkeit an genetischen Abartigkeiten arbeiten.

Natürlich verbinden viele mit Genetik die Idee, die Welt verändern zu wollen, den Gottkomplex. Aber so ist es nicht.
Autor: Sebastian CociobaPflanzen-Hacker

Sebastian Cocioba betont, die Experimente seien überhaupt nicht besorgniserregend oder gefährlich. «Dazu wissen wir zu wenig und dazu haben wir zu wenig Mittel. Natürlich verbinden viele mit Genetik die Idee, die Welt verändern zu wollen, den Gottkomplex. Aber so ist es nicht.»

Wettrennenm um die blaue Rose

Noch steckt das Plant Hacking in den Kinderschuhen. Oft fehlt es an Materialien und Cocioba muss improvisieren. Während es in der Industrie um Geld geht, gibt er seinem Entdeckergeist nach. Der treibe ihn seit seiner Kindheit an. Sein Vater ist Physiker und Cocioba trieb sich gerne in dessen Labor herum.

«Wissenschaft ist nicht unbedingt für intelligente Menschen sondern für neugierige. Ich will mit Plant Hacking die Neugierde in anderen wecken.» Deswegen gibt Cocioba Seminare und Workshops an Unis. Sein nächstes Ziel ist die blaue Rose. Doch an der forschen viele. Das Wettrennen ist in vollem Gange.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Kim Hansson (Freddy Tobler)
    Arrogant, kurzsichtig & gefährlich.
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    1. Antwort von H Gemperle (HGA)
      Bin gleicher Meinung. Dieser "Genmanipulator" gibt ja selbst zu, dass er zu wenig weiss und trotzdem bastelt er weiter. An was anderem wohl auch noch?
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    2. Antwort von Aurel Specker (Auspec)
      Ich vermute Sie beider haben noch nie ein Kurs in Gentechnik belegt. Ich dagegen schon. Und ja es gibt vorallem eine Gefahr: Man kann (was teilweise auch das Ziel ist) eine Pflanze z.B. Mais machen welche resistent ist gegen einen Schädling. Was dazu führt, dass dieser GvO in der Natur sich stärker verbreitet. Vergleichbar mit der Kanadischen Goldrute. Aber das ist auch die einzige Gefahr welche wirklich vorhanden ist. GvO sind nicht giftiger, ungesunder oder Umweltschädlicher als herkömmliche.
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    3. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Da widerspreche ich Ihnene vehement, a.Specker. Gvo ist eine grosse Gefahr für und Menschen. GvO-Pflanzen können den Verdauungsapparat ebenso angreifen wie Eizellen oder Spermien. Die kürzlich in den Medien verbreitete Geschichte des Zika-Virus, das wahrscheinlich durch genmanipulierte Mücken übertragen worden ist, zeugt davon. Ich empfehle Ihnen die Arte-Doku "Chronisch vergiftet - Monsanto und Glyphosat".
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    4. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      ...und weiter. Oder sehen Sie sich die ARD-Doku "Gefahr Genfood - Langzeitstudien zeigen schlimme Folgen in drei Teilen an. Alle genannten Dokus sind im Internet verfügbar.
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    5. Antwort von Aurel Specker (Auspec)
      @mitulla: da vermischen sie einige dinge. GvO pflanzen können NICHT ihren verdauungsapparat angreifen, nur weil sie GvO sind, das ergibt biochemisch keinen sinn und wird in studien auch so gezeigt. Zu zika: das ist ein virus der vom mücken übertragen wird. Viren haben eigene gene! zu monsanto: ich finde es auch nicht gut. Weil und das ist der unterschied, sie die pflanzen per Gv immun gegen glyphosat gemacht haben welches dann verteilt wird wie wasser. Das problem ist der glyphosatgebrauch.
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