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Panorama Schweizer Kamera untersucht den Mars

Heute ist die europäisch-russische Mars-Mission «ExoMars» gestartet. Mit an Bord der Rakete ist auch Technologie der Universität Bern. Professor Nicolas Thomas gibt Auskunft über die von ihm entwickelte Kamera und über die Ziele der Mars-Mission.

Legende: Video Der Mars im Bild abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.03.2016.

Die Rakete der europäisch-russischen Mission «ExoMars» schwebt bereits im Weltall. Sie hat die Aufgabe Leben auf dem Roten Planeten zu suchen. An Bord wird auch Schweizer Technologie in Form einer extrem hochauflösenden Kamera sein. Entwickelt wurde sie von Professor Nicolas Thomas und seinem Team am Space Center der Universität Bern. Der Physiker weiss mehr über die Details der Mars-Mission.

SRF News: Was macht den Mars für Wissenschaftler eigentlich so interessant?

Nicolas Thomas: Mars ist unser Nachbar im Sonnensystem. Wir haben die Chance den Planeten gründlich zu untersuchen, weil wir auf dessen Oberfläche landen können – der Mars ist nicht so weit weg. Das gibt uns die Möglichkeit verschiedene Dinge zu entdecken.

Wie würden Sie einem Laien die Hauptaufgabe von ExoMars erklären?

ExoMars hat zwei Teile. Der erste Teil ist der sogenannte «Trace Gas Orbiter». Dieser geht in eine Umlaufbahn rund um den Mars. Zwei Jahre später kommt ein Rover – das ist die Hauptmission.

Dieser Rover landet auf der Mars-Oberfläche und ist mit einem kleinen Bohrer ausgestattet. Damit bohrt er etwa zwei Meter unter die Erde. An der Oberfläche gibt es sehr viel UV-Strahlung, die alles abtötet. Aber darunter besteht die Möglichkeit, dass kleine Lebewesen wie Bakterien über längere Zeit überleben können. Mit dem Bohrer können wir diese Lebewesen vielleicht finden. Das ist das Hauptziel von ExoMars.

Jetzt geht es zuerst mit dem Orbiter los. Dieser kreist um den Mars und stellt Messungen an. Was kann die Raumsonde aus der Distanz über den Mars herausfinden?

Der Mars hat eine sehr dünne Atmosphäre, aber wir erwarten, dass es darin Spurengase gibt. Zum Beispiel haben wir Methan entdeckt. Wir wissen, dass dieses Gas durch organische Prozesse produziert wird – so wie bei den Kühen.

Wir haben Experimente für unseren Orbiter gebaut, die Spurengase wie Methan «riechen» können. Danach werden wir mit unserer Kamera auf den Planeten schauen und feststellen, aus welchem Gebiet das Methan kommt.

Was und wie scharf sieht denn Ihre Kamera?

Im Prinzip können wir mit unserer Kamera ein Auto in Zürich von Bern aus sehen. Es ist eine relativ hochauflösende Kamera. Aber das besondere ist, dass wir Farbbilder in vier verschiedenen Wellenlängen machen können. Wir können diese vier verschiedenen Farbbilder zusammenbasteln und so feststellen, welche Arten von Mineralien an der Oberfläche vorkommen.

Der zweite wichtige Punkt ist, dass wir Stereobilder aufnehmen können. Das heisst, dass wir dreidimensionale Bilder machen können, mit denen Messungen über die Topographie möglich sind.

Das Gespräch führte Katharina Bochsler

Methan

Methan ist ein Gas, das aus biologischen Prozessen wie der Viehhaltung entsteht. Es ist ein Gas, das sehr schnell zerfällt. Das bedeutet in Bezug auf den Mars, dass es jeweils jüngeren Ursprungs ist und auf Leben hinweisen könnte.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Super. Auf dem Mars findet sich sicher Nahrung für Millionen Menschen, zudem eine grosse Portion Frieden für alle ... also die ideale (klimapolitische) Investition für die Menschheit! Es lebe der Fortschritt ...
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    1. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      Das Geld für diese Missionen wird NICHT auf den Mars geschossen. Diese Missionen generieren Arbeit und Einkommen für tausende von Menschen. Die Grundlagenforschung kommt dann mal Ihren Enkeln zu Gute. Vielleicht wird sogar auf dem Mars eine Möglichkeit gefunden, Nahrung an Lebensfeindlichen Gegenden zu fabrizieren (zB. in besonders heissen und dürren Gegenden wie Afrika). Ausserdem sehe ich diese Milliarden lieber in den Fortschritt und die Forschung investiert als in Krieg und Terror.
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  • Kommentar von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
    Vielleicht schaffen wir es ja noch, und dieses Jahrzehnt wird als das Jahr der grossen Entdeckungen, anstatt des Terrors und des Krieges, in die Geschichte eingehen.
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