Schweizer Loipen werden überrannt

Noch vor wenigen Jahren stand Langlauf hierzulande im Schatten des alpinen Skisports. Das hat sich – unter anderem dank Dario Cologna – radikal geändert: Der Langlaufsport erlebt einen Boom in der Schweiz.

Das Feld aus Hunderten Langläufern auf der Ebene bei Maloja. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Höhepunkt für viele Hobby-Langläufer: Der Engadiner Skimarathon. Reuters

Beim Sport auf den dünnen Brettern kommt einem in der Schweiz sofort ein Name in den Sinn: Dreifach-Olympiasieger Dario Cologna aus dem Val Müstair. Im Unterengadin und im Münstertal – vor wenigen Jahren kaum als Langlaufdestination bekannt – hat der Cologna-Effekt voll eingeschlagen.

Dario Cologna motiviert die Masse zum Langlauf

Es wurden kilometerlange neue Loipen präpariert, jene im Dorf Ftan wurde sogar auf den Namen Dario Cologna getauft. Für Nicolin Meier von Tourismus Unterengadin/Val Müstair kommt die Nachfrage nicht von ungefähr: «Einer von vielen Faktoren ist sicher Dario Cologna», bestätigt sie gegenüber SRF.

Auch auf der anderen Seite des Engadins, in St. Moritz, ist man sich sicher, dass Dario Cologna das Interesse am Langlauf geweckt hat. «Aber nicht nur», sagt Martin Stupan. Langlauf sei «in», um nicht zu sagen «hipp», so der Loipenchef des Oberengadins. Das uncoole Image des «Rotsocken-Sport» sei weg. Mittlerweile bewege sich ein buntes Gemisch von Leuten auf den Loipen. Manche bewegten sich einfach gerne, andere betrieben Langlauf als Ausdauersport.

Alles fährt Langlauf

Langlauf ist auch in den Familien angekommen. Nicht nur Eltern gehen auf die Loipe, auch immer mehr Jugendliche und Kinder fänden Freude an dem Sport, sagt Mariette Brunner. Sie ist Präsidentin der Loipen Schweiz und des Verbandes Schweizer Langlaufschulen. Die Schulen melden meist ausgebuchte Kurse, Mietstationen haben an den Wochenenden manchmal fast kein Mietmaterial mehr zur Verfügung.

Langlauf sei nicht nur gesünder als Skifahren, sondern auch billiger, betont Brunner. Denn ein Langlaufpass für die ganze Saison für alle Loipen in der Schweiz kostet 120 Franken. Einen Kaufzwang gibt es allerdings nicht, denn Kontrollen auf den Loipen werden keine durchgeführt – das wäre laut Brunner zu aufwändig.

Dennoch lösen rund 95 Prozent aller Loipenbenutzer den Langlaufpass. Der Ansturm sei denn auch enorm sagt Präsidentin Brunner. In der letzten Saison habe man 29‘000 Langlaufpässe verkauft. Dieses Jahr dürften es noch mehr sein: «Normalerweise bestellen wir 40‘000 Langlaufpässe und die haben bisher immer gereicht. Doch in diesem Jahr hatten wir von diesen 40‘000 Pässen schon Mitte Dezember keine mehr an Lager.»

Langlauf-Ausrüstungen sehr gefragt

Auch die Sportartikelverkäufer spüren den Langlaufboom. Die Migros verzeichnet ein Umsatzwachstum bei Langlaufski und -dresses im zweistelligen Prozentbereich. Man habe das Sortiment aufgrund der Nachfrage stark erweitert, so eine Migros-Sprecherin.

Ob Tourismusvermarkter, Loipenchef oder Sportartikelverkäufer, alle sind sich einig: Ohne den Erfolg von Dario Cologna wäre der Boom nicht so gross. Und der Hype dürfte vorerst weitergehen: Mariette Brunner von den Schweizer Langlaufschulen geht davon aus, dass sich der diesjährige Erfolg von Cologna in Sotschi erst in der nächsten Wintersaison vollumfänglich auswirken wird.