Swiss Lotto macht mehr Millionäre

Swiss Lotto startet ein neues System und erwartet so, mehr Millionäre küren zu können. Neu müssen die sechs Richtigen nur aus 42 anstatt 45 Zahlen getippt werden.

Das Schweizer Zahlenlotto macht sich fit für die Zukunft. Mit höheren Gewinnchancen und garantierten Millionengewinnen will es der starken Konkurrentin EuroMillions die Stirn bieten. Gratis ist das nicht.

Ab dem 10. Januar beträgt der Mindesteinsatz für Swiss Lotto fünf Franken, wie Willy Mesmer, Mediensprecher von Swisslos, erklärte. Bislang kostete dies ohne Ausfüllen der Plus-Zahl drei Franken für zwei Felder. Allerdings hätten die meisten Lottospieler mit Plus gespielt. Für sie erhöht sich der Preis also nicht.

Mit dem Facelifting fallen die freiwillige Wahl der Plus-Zahl und die Zusatzzahl weg. Die Plus-Zahl wird durch eine Glückszahl zwischen 1 und 6 ersetzt. Den Haupttreffer landet, wer sechs Richtige und die Glückszahl getippt hat, wie Mesmer erklärte. Bei jeder Ziehung wird zudem für den «Sechser» eine Million Franken bereitgestellt.

Bei mehreren Gewinnern im 2. Rang wird geteilt

Ein Sechser ohne die richtige Glückszahl ist somit maximal eine Million Franken wert. Wenn es mehrere Gewinner im 2. Rang gebe, teilen sich diese die Million.

Für den Lotteriebetreiber ist das neue System weniger risikoreich, sagt Lutz Dümbgen, Professor für mathematische Statistik an der Universität Bern zu SRF News Online. Denn die Ausschüttungen für die neuen Gewinnränge 2 bis 8 sind so kalkuliert, dass von den 2.50 Fr. pro Tipp im Schnitt nur ca. 0.72 Fr. für diese Ränge ausgegeben werden. Der Rest des Einsatzes geht dann in den Lotteriefonds beziehungsweise in den Jackpot.

Wahl aus 42 statt 45 Zahlen

Neu ist auch, dass die sechs Lottozahlen nur noch aus 42 statt wie bisher 45 Zahlen ausgewählt werden müssen, wie Swisslos mitteilte. Die Gewinnchancen für drei, vier oder fünf richtige Zahlen erhöhten sich dadurch um 20 bis 40 Prozent, rechnet Swisslos vor. «Auch für sechs richtige Zahlen nimmt die Wahrscheinlichkeit deutlich zu», betont Dümbgen.

Neue Wahrscheinlichkeit für Lottomillionäre

Anzahl RichtigeWahrscheinlichkeit NeuWahrscheinlichkeit altZuwachs in %
61:5‘245‘764.01:8‘145‘312.455.27
51:24‘285.91:34‘808.043.32
41:555.11:732.832.01
31:36.71:44.621.31

Einen fixen Gewinn für die richtigen Zahlen gibt es keinen mehr. Neu werden alle Gewinne vom Einsatz abhängig festgelegt, wie Mesmer erklärte. Grund dafür ist, dass seit diesem Jahr Lotteriegewinne bis 1000 Franken von der Verrechnungssteuer befreit sind. Swisslos rechnet damit, dass bei vier richtigen Zahlen der Gewinn 70 bis 80 Franken betragen wird, bei drei Richtigen etwa 10 Franken.

«Dass auch bei vier oder drei richtigen Zahlen variable Gewinne ausgeschüttet werden, bedeutet, dass für jeden der Gewinnränge 3-8 ein bestimmter Prozentsatz aller Einsätze auf die Gewinner verteilt wird», erklärt der Statistiker der Uni Bern. Man solle also noch mehr als früher darauf achten, keine regelmässigen Muster oder andere naheliegende Zahlenkombinationen zu wählen. Denn sonst könne es sein, dass man sich den Gewinn mit überraschend vielen Leuten teilen müsste.

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Ein Paradies für Statistiker

Eine Hand in Handschuhen greift nach Lottozahlen.

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Swisslos gibt verschiedene Statistiken preis. So sind zurzeit zum Beispiel die Zahlen 18, 23, 4, 11, 37 und 41 die am längsten nicht gezogenen Zahlen. Am meisten gezogen wurden hingegen die Ziffern 1, 18, 36, 22, 26 und 31.

Lotto-Spielen bleibt schwierig

Auch wenn Swisslos das System umstellt: An den allgemeingültigen Tipps für einen Lottogewinn hat sich nichts geändert. Geübte Tipper vermeiden Zahlen von Geburtsdaten und Muster auf dem Lottozettel. «Denkbar ist auch, dass bestimmte Glückszahlen aus 1 bis 6 besonders häufig gewählt werden. Wenn ja, sollte man unbedingt Glückszahlen wählen, die eher selten angekreuzt werden», erklärt Dümbgen.

Weitere Tipps, wie zum Beispiel Zahlen zu tippen, die schon lange nicht gezogen wurden, sind für Dümbgen «Humbug»: «Dahinter steckt das gleiche Missverständnis, welches manche Leute auch beim Würfeln haben: Wenn schon lange keine 1 mehr kam, glauben sie, dass die Wahrscheinlichkeit einer 1 zunimmt, eine Art von ‹ausgleichender Gerechtigkeit› sozusagen.»

Attraktive Konkurrentin

Swisslos begründet die Neuerungen nicht nur mit den Änderungen bei der Verrechnungssteuer, sondern auch mit der Konkurrenz durch EuroMillions. Mit dieser Änderung soll das eigene Produkt, also das Schweizer Zahlenlotto, so attraktiv gestaltet werden, dass es nicht weiter an Boden verliert, wie Mesmer erklärte.

EuroMillions hat laut Mesmer bei Swiss Lotto in den vergangenen zwei Jahren Umsatzeinbussen von rund 20 Prozent verursacht. Dennoch rechnet Swisslos für 2012 mit demselben Umsatz wie 2011 – die Zahlen sind jedoch noch nicht definitiv.

Harte Konkurrenz

Die ersten Lotto-Kugeln rollten 1970. Seither haben gemäss Swisslos 765 Lottoköniginnen und -könige gekürt werden können, die je einen Millionengewinn gemacht haben. 2012 waren es deren 24; der höchste Gewinn betrug 19 Millionen Franken.

Dem Zahlenlotto erwächst jedoch nicht nur Konkurrenz aus den eigenen Reihen, sondern auch von – zum Teil illegalen – Online-Glücksspielen und von Casinos. Mit den zwei neuen Casinos in Neuenburg und Zürich nimmt die Casino-Dichte in der Schweiz weiter zu. Derzeit zählt das Land 21 solcher Spielstätten.