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Überschrittene Ozon-Grenzwerte Die unsichtbare Gefahr

Legende: Video Warum heute kaum mehr jemand vom Ozon spricht abspielen. Laufzeit 2:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.08.2018.

Die lange Schönwetterperiode freut die einen, bringt andere aber in Not: Zum Beispiel Personen mit Asthma. Denn sie spüren derzeit schmerzlich, was unsichtbar ist: das Ozon.

Die Ozon-Grenzwerte werden regelmässig überschritten. Auch wenn heute kaum jemand mehr darüber spricht. Noch in den 90er Jahren trieb die Ozonbelastung Demonstrantinnen und Demonstranten auf die Strasse. Und die Behörden informierten breitflächig über die Gefahren des Ozons.

Auch heute liegt die Ozonbelastung im Stundenmittel regelmässig über dem Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Eine einzige Überschreitung pro Jahr wäre erlaubt. Doch die Realität sieht anders aus.

Kantone müssen erst bei 180 Mikrogramm informieren

Am meisten Ozon über dem Grenzwert gab es seit letztem Sommer im Tessin: Während 645 Stunden in Lugano, gefolgt von Magadino-Cadenazzo. Nördlich der Alpen hält mit 321 Stunden Rigi-Seebodenalp den Ozonrekord, gefolgt von Chaumont und Beromünster.

Legende:
Ozonbelastung in der Schweiz Anzahl Tage mit Überschreitungen von 2.7.2018 bis 2.8.2018. Der Grenzwert 120 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) darf höchstens einmal pro Jahr überschritten werden. Bafu/Nabel

«Ozon ist ein Reizgas, das tief in die Lungen eindringt, und dort spüren wir es dann auch am meisten. Entweder durch Reizungen in den Atemwegen oder Asthmaanfälle. Es gibt aber auch Todesfälle», erklärt Meltem Kutlar vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. Geschätzt gibt es deswegen bis zu 300 Todesfälle in der Schweiz pro Jahr. Trotzdem: Keine Demos, keine Behördenwarnungen. Ist Ozon kein Problem mehr?

«Doch, das Ozon ist weiterhin ein Problem. Wir haben grad zurzeit den Grenzwert von 120 überschritten. Aber es ist so, dass in der Schweiz die aktive Information der Kantone nur bei 180 Mikrogramm stattfindet. Und darum haben sie auf der Alpennordseite im Moment noch nichts gehört», sagt Martin Schiess, Chef Luftreinhaltung vom Bundesamt für Umwelt.

Kampf gegen Ozon wird noch Jahrzehnte dauern

Positiv: Massnahmen wie strengere Vorschriften für Auto- und Industriemotore wirken. Die Ozonbelastung überschreitet den Grenzwert zwar nach wie vor regelmässig, klettert dabei aber in geringere Höhen als früher.

Ein einmaliger Spitzenstoss von Ozon, Feinstaub oder Stickoxiden ist weniger gefährlich, als wenn man langfristig erhöhten Belastungen ausgesetzt ist.
Autor: Meltem KutlarSchweizerisches Tropen- und Public-Health-Institute

Das reiche nicht, sagt die Leiterin der Dokumentationsstelle des Tropen- und Public-Health-Instituts. Die Gesamtbelastung zähle. «Ein einmaliger Spitzenstoss von Ozon, Feinstaub oder Stickoxiden ist weniger gefährlich, als wenn man langfristig erhöhten Belastungen ausgesetzt ist», sagt Kutlar.

«Darum arbeiten wir weiter an dauerhaften Massnahmen im Verkehr, bei der Industrie und auch bei den Haushalten und verschärfen laufend unsere Grenzwerte», sagt Schiess vom Bundesamt für Umwelt. Der Kampf gegen zu viel Ozon wird wohl noch weitere Jahrzehnte dauern.

Grafik Ozon

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Erstaunlich, in Peking war wochenlang über 30 Grad, auch nachts nie unter 27Grad. Dennoch stieg Ozon nie über rund 110. Feinstaub ist ein Problem hier, aber Ozon ist in der Schweiz offenbar weit problematischer.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      In Peking fehlt das Sonnenlicht für die Entstehung des Ozons:-(
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  • Kommentar von Andrin Ziswiler (Andrinzisi)
    Das rechnenzentrum in Beromünster, ist in der Gemeinde Gunzwil. Sie können nicht sagen das Berlmünster auf dem Rang 6 liegt, weil es zu Oberst am Landessender Beromünster befästigt ist.
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  • Kommentar von Mattias Derungs (Mattias Cristian Derungs)
    Eine nützliche Empfehlung an Sporttreibende wäre z.B. sich nicht zu den heissesten Tageszeiten im Freien zu bewegen, sondern wenn immer möglich in den Morgenstunden oder eher zu etwas späterer Stunde am Abend. Günstig wirken sich eine grössere Abkühlung nach einem Gewitter mit Regenfall aus, weil die Grenzwerte in der Regel sinken bzw. sich normalisieren. Somit sind längere und intensivere körperliche Belastungen während mehrtägiger Trockenheit und Hitze - wie aktuell der Fall - zu vermeiden!
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