Wer zuletzt lacht: Obama witzelt über Trump – und sich selbst

Mit einem Feuerwerk von Witzeleien über politische Freunde, Gegner und sich selber hat US-Präsident Barack Obama sozusagen seinen Ausstand als «Komödiant der Nation» gegeben.

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«So viele Kameras – und Trump ist nicht hier?!?»

2:23 min, vom 1.5.2016

Obama trat zum letzten Mal im Amt als humoriger Gastredner beim alljährlichen Galadinner der beim Weissen Haus akkreditierten Korrespondenten auf – und nahm mit besonderem Genuss den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump aufs Korn.

So spiesste er die aussenpolitische Unerfahrenheit des Multimilliardärs auf und äusserte scherzhaft Verwunderung darüber, dass Trump dem Dinner ferngeblieben sei. Vielleicht deshalb, weil er damit beschäftigt gewesen sei, «Beleidigungen an Angela Merkel zu twittern», spöttelte Obama mit Blick auf Trumps Leidenschaft für das Online-Zwitschern und seine Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin.

Auch Clinton und Sanders mussten dran glauben

Im Gegensatz zu Trump war der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg unter den Gästen, der eine Präsidentschaftsbewerbung in Erwägung gezogen hatte – und der Obama die Gelegenheit zu einem Vergleich mit Trump bot: «Mike, ein kämpferischer, kontroverser New Yorker Milliardär führt in den Vorwahlen und es bist nicht du.»

«Das muss ein wenig schmerzen», fügte Obama hinzu. «Obwohl es kein ganz unfairer Vergleich zwischen dir und ‹The Donald› ist. Mike war der Bürgermeister einer grossen Stadt. Er kennt sich in der Politik aus, und er ist sein Geld wert.»

Aber auch die eigenen Parteifreunde, Vizepräsident Joe Biden sowie die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Bernie Sanders blieben nicht verschont. «Bernie, du siehst aus wie eine Million Dollar. Oder, damit du es besser verstehst, du siehst aus wie 37'000 Spenden über jeweils 27 Dollar», sagte Obama in Anspielung auf die vielen kleinen Summen an Wahlkampfspenden für den kapitalismuskritischen Sanders, der ebenfalls am Dinner anwesend war.

Barack Obama küsst seine Frau Michelle. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach der Rede küsst Obama seine First Lady Michelle. Keystone

«Schaut, was aus mir geworden ist!»

Vor allem spottete der US-Präsident aber über sich selber. Obama porträtierte sich knapp neun Monate vor dem Ausscheiden aus dem Amt als ein ergrauender Mann, der auch nachts hellwach ist – weil er dann regelmässig zur Toilette muss.

Selbstironisch ging Obama darauf ein, dass zum Ende seiner Amtszeit seine Beliebtheitswerte gestiegen sind: «Das letzte Mal, als ich high war, versuchte ich gerade, mich für ein Hauptfach zu entscheiden», sagte er in Anspielung darauf, dass er als Student Haschisch rauchte.

Und wer wird nächstes Jahr seine Nachfolge antreten? «Wer SIE sein wird, darüber kann man nur rätseln.» Zum Abschluss seiner Rede liess Obama wie ein Showstar das Mikrofon fallen und sagte «Obama out».

Das Dinner der White-House-Presse ist jedes Jahr so etwas wie Washingtons Nacht der Nächte – mit dem Präsidenten als Stargast, aber immer stärker auch mit Hollywood-Glamour und Prominenten aus der Unterhaltungsszene. So waren dieses Jahr unter anderem die Schauspieler Will Smith, Morgan Freeman, Whoopi Goldberg, Jeff Goldblum und Rachel McAdams eingeladen.

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Obamas ganze Rede – gespickt mit Pointen

9:58 min, vom 1.5.2016