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Panorama Wertvolle Nazi-Raubkunst lag in Münchner Wohnung

In seiner Wohnung soll ein Münchner über Jahrzehnte einen schier unbezahlbaren Kunstschatz aufbewahrt haben – darunter Gemälde von Grössen der modernen Kunst.

Legende: Video Sensationsfund in München abspielen. Laufzeit 0:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.11.2013.

Es dürfte sich um einen Sensationsfund handeln: Zollfahnder haben laut dem deutschen Magazin «Focus» in der Wohnung eines 80-jährigen Münchners etwa 1500 bisher verschollene Gemälde von Meistern der klassischen Moderne entdeckt und beschlagnahmt. Darunter befanden sich Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann oder Max Liebermann.

Wie das Nachrichtenmagazin schreibt, sollen die Nationalsozialisten die Werke von jüdischen Sammlern geraubt oder als «entartete» Kunst konfisziert haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

Fund gelang schon vor über zwei Jahren

Die beschlagnahmten Gemälde befinden sich dem Bericht zufolge nun in einem Sicherheitstrakt des bayerischen Zolls in Garching bei München. Eine Berliner Kunsthistorikerin versuche, die Herkunft und den materiellen Wert der Werke zu ermitteln. Das Magazin spricht von rund einer Milliarde Euro. Den Untersuchungen zufolge lägen für mindestens 200 der gefundenen Werke offizielle Suchmeldungen vor, 300 gehörten zu den Objekten der «entarteten» Kunst.

Laut «Focus» schlugen die Fahnder bereits im Frühjahr 2011 in der Wohnung des Mannes zu. Wenige Monate zuvor sei dieser dem Zoll bei einer Bargeldkontrolle während einer Zugfahrt von der Schweiz nach München aufgefallen. Mit dieser Kontrolle kam ein Stein ins Rollen.

Der Rentner, Spross einer berühmten Kunsthändler-Dynastie, lebte in München. Laut «Focus» hatte der Vater des 80-Jährigen die Gemälde in den 30er- und 40er-Jahren aufgekauft. Nach dem Krieg soll der Vater behauptet haben, die Meisterwerke seien nach einem Bombenangriff in seiner Dresdener Wohnung verbrannt. Tatsächlich jedoch hütete sein Sohn den einzigartigen Kunstschatz. Dem Bericht nach ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Bilder lagen zwischen vergammelten Lebensmitteln

Seit mehr als 50 Jahren hortete der Mann die Meisterwerke in seinem Appartement – in verdunkelten, vermüllten Zimmern mit selbstgeschreinerten Regalen. Zwischen Bergen von vergammelten Lebensmitteln und jahrzehntealten Konservendosen fanden die Fahnder eine unvorstellbare Menge an Drucken, Radierungen, Stichen und Gemälden. Darunter verlorengeglaubte Bilder von Emil Nolde und ein verschollener Dürer.

Im Laufe der Jahre habe der Mann einzelne Bilder verkauft und von dem Erlös gelebt. Leere Rahmen und diverse Dokumente belegten dies. Als die Fahnder die Wohnung in einer mehrtägigen Aktion leer räumten und die Kunstwerke abtransportierten, habe der Mann keinen Widerstand geleistet. Die Mühe hätten sich die Fahnder sparen können, er würde doch ohnehin bald sterben, soll er gesagt haben.

Eines der beschlagnahmten Matisse-Gemälde soll dem jüdischen Kunstsammler Paul Rosenberg gehört haben, dem Grossvater der französischen Journalistin Anne Sinclair. Sinclair, die seit Jahren um die Rückgabe der von den Nazis gestohlen Gemälde kämpft, hat laut «Focus» bisher von dem Matisse-Bild nichts gewusst.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Hoffentlich werden die Bilder bald öffentlich gezeigt, damit sie während der nun folgenden, für die jüdischen / nicht-nazi EigentümerInnen äusserst unangenehmen & sehr, sehr teuren Verfahren, wenigstens ein paar Jahre gesehen werden können. Aber auch das verhindert vermutlich irgendein ein Anwalt/eine Anwälting. Andereseits zeigt es, dass der 2. Weltkrieg weiterhin seine Schatten bis in die Gegenwart wirft. Echter Anstand & Effizienz darf leider von den deutschen Behörden nicht erwartet werden.
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    1. Antwort von B. Kün, Seeland
      Klar weckt ein solcher Kunstschatz Begehrlichkeiten. Bevor Sie jedoch ein vorschnelles Urteil fällen: lassen Sie die deutschen Behörden und die Justiz erst mal ihre Arbeit machen.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Der Spross einer berühmten Kunsthändler-Dynastie - dass die Kunsthändler zur Zunft der Hehler gehören, war ja immer schon bekannt, es ist wahrscheinlich ja auch die einzige Gruppe Geschäftsleute, die noch nie Besuch der Steuerverwaltung hatte, es ist ja ein so verschwiegenes Gewerbe.... Immerhin, die Gemälde wurden sichergestellt, was jetzt beginnt, sind wohl jahrzehntelange gerichtliche Auseinandersetzungen, um zu verhindern, dass die 'rechtmässigen?' Besitzer das Zeugs wieder zurückbekommen.
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Jacob: das ist mit Sicherheit so. Das Hick-Hack "wem gehört was?" ist ein gefundenes Fressen für die Juristerei. Eines der Hauptprobleme der deutschen Nachkriegsjustiz ist, dass man auf dem rechten Auge Blind blieb, bis in die Gegenwart. Kein Wunder, wenn man sieht wie sich die braune Zunft hat hinüberretten können... na dann: "viel Spass" bei dieser Aufarbeitung!
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