Zum Inhalt springen

Panorama Wie ein Überdruck-Ventil zum Wahrzeichen Genfs wurde

Heute ist der Jet d'Eau der Touristenmagnet von Genf. Was nicht viele wissen: Er ist eigentlich ein Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert mit industriellem Nutzen.

Morgens um 8 Uhr im Genfer Hafenbecken. Der Berufsverkehr dröhnt von weitem, Möwen suchen nach Fischresten der zurückgekehrten Berufsfischer. Aber irgendwas fehlt – das Rauschen. Der weisse Wasserstrahl, dessen Bogen über die Dächer ragt. Genf erwacht erst.

7 Tonnen Wasser in der Luft

Gérard Luyet von den Genfer Elektrizitätswerken öffnet die Absperrung zum Jet d'eau. Der Maschinenraum ist gut geschützt. Dabei sind es die Passanten, die vom Wasserstrahl geschützt werden müssen, der mit 200 Stundenkilometern aus dem See schiesst. Luyet steigt in den Maschinenraum hinab.

Die Elektrizitätswerke sind Eigentümerin und Betreiberin des Jet d'eau, Luyet verantwortlich für dessen Unterhalt. Er zeigt auf «Salève» und «Jura», die zwei roten Generatoren erzeugen zusammen ein Megawatt Strom und treiben jeweils eine blaue Turbine an. Diese pressen das Wasser dann in die Luft. 500 Liter die Sekunde, erklärt Gérard Luyet.

Wenn der Jet d'eau läuft, sind permanent 7 Tonnen Wasser in der Luft. Eine riesige Menge Energie, die da in den Jet d'eau gepumpt wird. Doch eigentlich war der Jet d'eau für das Gegenteil gedacht – um Druck abzulassen.

Raus damit!

1886 entstand das Bâtiment des Forces Motrices. Eine zentrale Pumpstation. Angetrieben von der Rôhne, beförderten 20 Pumpen Wasser über ein Röhrensystem zum lokalen Gewerbe. Der Wasserdruck trieb die Mühlen der Bäcker an, brachte die Druckmaschinen der Papeterien zum Stampfen, liess die Bohrer der Uhrenmacher rotieren.

Energie konnte in Form von Wasserdruck transportiert werden. Ende des 19. Jahrhunderts war das eine Neuheit. Jeweils am Abend schlossen die Betriebe den Hahn. Damit das Rohrsystem nicht platzte, brauchte es ein Überdruckventil: den Jet d'eau.

Schon damals belustigten sich die Passanten am Schauspiel. Schnell wurde dieses Überdruckventil zu dem, was es heute ist – eine Attraktion.

Ein paar Zahlen zum Genfer Jet d'eau

Wie hoch das Wasser maximal spritzt:
140 Meter
Wie schnell das Wasser in die Höhe spritzt:
200 Kilometer pro Stunde
Was aus der Düse kommt:
500 Liter pro Sekunde
Gesamtleistung der Pumpen:
1000 Kilowatt

12 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Mir gefallen solche Spielereien durchaus. Mir gefallen Politiker, die uns weismachen wollen das wir mit Stromsparbirnen die Welt retten auch. Allerdings zweifle ich an deren IQ. Oder werden diese Pumpen mit reiner Wasserkraft betrieben? Nochmal zum rekapitulieren: geht es um Prestigeobjekte (die mir durchaus gefallen können), ist der Stromverbrauch auf einmal Nebensache. Unsere Ersparnisse (oder auch nicht) durch Zwangsstromsparmassnahmen werden da einfach wieder egalisiert. Ist doch super?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von C. Villiger, Solothurn
    ...vielleicht haben ja die Genfer zu ihrer Öko-Energieversorgung anno 1886 zurückgefunden und lassen es, im Gegensatz zu damals, nun aber Tag UND Nacht zischen... :o)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Will ja nicht noch mehr Verwirrung stiften, aber das Thema hinkt. Generatoren „generieren“ el. Energie und müssen von irgendwas mechanisch angetrieben werden. Sei es ein Dieselmotor, Wasser/Gas/Dampf-Turbine oder ein Windrad. Eine Pumpe benötigt einen Antrieb (Motor) welcher die el. Energie wieder in rotierende mechanische umwandelt. Die 2 roten "wassergekühlten" Dinger sind Motoren, welche die Energie P (Strom I x Spannung U) von den 2 Elektrizitätswerken Salève und Jura geliefert bekommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen