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Panorama Zu schlecht für Van Gogh? Expertenzwist über «Zürcher Fälschung»

Ist «der Mann mit der Tabakpfeife» im Zürcher Kunsthaus doch nicht ein echter Van Gogh? Das Bild weise Schwächen auf die dem weltberühmten Maler Vincent Van Gogh nie passiert wären, sagt ein Experte. «Diese Theorie ist unerhört», sagt ein anderer.

Legende: Video Falscher Van Gogh im Zürcher Kunsthaus? abspielen. Laufzeit 02:17 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 30.01.2014.

«L'homme à la pipe», das Bild im Zürcher Kunsthaus ist weltberühmt. Es zeigt den Pfeife rauchenden Vincent van Gogh mit verbundenem, abgeschnittenem Ohr. Nun heisst es: Dieses Gemälde soll kein Selbstbildnis des grossen Meisters sein, sondern eine Fälschung, wie die «Weltwoche» berichtet.

Urheber dieses Vorwurfs sind französische Van Gogh-Kenner sowie der Schweizer Journalist Hanspeter Born. Ihre Begründung unter anderem: Das Bild sei zu schlecht, der Jackenknopf am falschen Ort, der Verband ungenau.

Offenbar fabrizierte der kaum bekannte impressionistische Maler Emile Schuffenecker eine eigene Fassung des weltbekannten Motivs. Gemäss Born ist somit nur das Bild in der Londoner Courtauld-Sammlung ein Original (von 1889). Das Gemälde in Zürich hingegen soll keine Kopie aus Van Goghs Pinsel sein.

Die beiden Bilder.
Legende: Knopfaugen, läppischer Verband, zu schlecht für van Gogh: Links die Zürcher Version, rechts das Original aus London. SRF

Schuffeneckers Version sei erst 1893 zu einem «Van Gogh» geworden, sagt Born in der Sendung «Schweiz Aktuell». «Schuffenecker überreichte sein Bild in diesem Jahr an eine Portrait-Ausstellung in Paris». Die Organisatoren hatten ihn offenbar kontaktiert aufgrund seiner grossen Sammlung.

Wie das Bild genau angepriesen wurde, scheint nicht überliefert. Auch Born weiss das nicht: «Hat er das Bild als echten `Van Gogh' vorgestellt? Oder hat er gesagt, das ist ein Bild von mir von Van Gogh?». Möglicherweise hätten dann aber die Organisatoren das Bild zu einem «Van Gogh» ernannt, um Leute in die Ausstellung zu locken, mutmasst Born weiter.

Schuffenecker ein «miserabler Maler»

«Diese Theorie ist unerhört», entgegnet der renommierte Van Gogh-Experte Walter Feilchenfeldt. Gemäss dem Kunstsammler kranke sie an Überlegungsfehlern: «Schuffenecker wird überschätzt». Die Urheber dieser Theorie hielten es für möglich, dass Schuffenecker dieses Bild gemalt haben könnte. «Das halte ich für ganz ausgeschlossen», sagt Feilchenfeldt. Schuffenecker sei ein miserabler Maler gewesen. «Seine paar wenigen Van-Gogh-Kopien beweisen, dass er nicht in der Lage wäre, so ein Werk zu malen», sagt der Van Gogh-Experte.

Ausserdem seien oft einige Stellen in Bildern Van Goghs schlecht gemalt, sagt Feilchenfeldt: «Das ist bekannt».

Die Verantwortlichen des Zürcher Kunsthauses wollten sich nicht zum Vorwurf äussern. Sie verweisen aber auf die erstellte Expertise von Walter Feilchenfeldt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Stutz, Thun
    Nach 30 Sekunden googeln finde ich zwei weitere Portraits, die Schuffenecker von van Gogh gemalt hat, in ähnlichem Stil. Und wenn ich die weiteren Gemälde von Schuffenecker anschaue, dann muss ich sagen: Doch, dieses umstrittene Portrait in Zürich könnte von Schuffenecker sein. Von einem Schuffenecker, der van Gogh bewunderte, ihm nacheiferte und ihn nie erreichen konnte.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Interessanter finde ich die Geschichten, welche sich um Van Goghs abgeschnittenes Ohr (oder Ohrläppchen) ranken und von der Fachwelt genauso kontrovers geführt wird. Hat es ihm damals am Abend vom 23. Dez. 1888 vielleicht doch Paul Gauguin und wohl beide zu sehr dem Absinth zugetan, abgeschnitten?
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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Sorgen gibt's! Fakt ist, dass das linke Bild bei weitem nicht an die Qualität des rechten hin kommt - also durchaus eine Kopie fremder Hand sein kann.
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