Aargau: Streit um Einkommen der Ärzte geht weiter

Aargauer Ärzte und Regierung streiten über die richtige Höhe der Ärzte-Einkommen. Es geht um den Wert des Taxpunktes. Der Regieringsrat hat diesen auf 89 Rappen festgelegt. Das sei zu tief, die Existenz der Hausärzte sei gefährdet, sagen die Ärzte.

Die Regierung hat entschieden, dass ein Taxpunkt in diesem Jahr 89 Rappen wert ist. Das ist gleich viel wie in den letzten Jahren. Das Einkommen der Ärzte bleibt also gleich, denn die Ärzte schreiben auf ihre Rechnungen ja keine Frankenbeträge, sondern eben Taxpunkte.

Arzt bei der Untersuchung eines Patienten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Was soll ein Hausarzt verdienen? Symbolbild, Keystone

Der Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes Hans-Ulrich Iselin sieht deshalb vor allem die Hausärzte in Gefahr. Mit ihrem (relativ tiefen) Einkommen könnten sie zu wenig Geld in ihre Praxen investieren. Und darum gäbe es immer weniger Hausärzte.

Grundsätzliche Kritik vom Ärzteverband

«Es ist traurig, was die Regierung macht. In weiten Kreisen ist man überzeugt, dass die selbstständige Tätigkeit als Grundversorger keine Zukunft haben soll. Man sagt, die jüngere Generation will sowieso nicht mehr selbstständig arbeiten, sie will sich anstellen lassen.»

Angestellt werden Ärzte in Spitälern, dort sind ärztliche Leistungen in der Regel aber teurer als in Hausartzpraxen, argumentiert der Ärzteverband. Er macht der Regierung also den Vorwurf, sie schaue dieser Entwicklung tatenlos zu und nehme damit in Kauf, dass die Kosten im Gesundheitswesen weiter steigen.

Beim Kanton stösst diese Kritik auf Unverständnis. Der Sprecher des Gesundheitsdepartements Balz Bruder: «Der Regierungsrat hat unterschiedliche Massnahmen getroffen, um die hausärztliche Tätigkeit zu fördern. Diese Massnahmen greifen. Man sollte aufpassen, dass man nun das Kind nicht mit dem Bade ausschüttet.»

Wie viel ein Taxpunkt wert ist, das sollten Ärzte und Krankenkassen eigentlich untereinander aushandeln. Sie sind die so genannten Tarifpartner. Im Aargau konnten sich die beiden Seiten aber letztes Jahr nicht einigen. Verschiedene Sitzungen brachten kein Resultat. Auch eine Mediation scheiterte.

Der Ärzteverband schiebt den schwarzen Peter den Krankenkassen zu. «Es war überhaupt keine Bereitschaft da, auf unsere massvollen und differenzierten Vorschläge einzugehen», kritisiert Ärztepräsident Hans-Ulrich Iselin.

Die Kassen sehen das natürlich anders: «Die Forderungen der Aargauer Hausärzte sind unbegründet», schreibt der Kassenverband Santésuisse. «Der Taxpunktwert liegt im schweizerischen Durchschnitt, der Aargau ist kein Sonderfall.»

Vorläufig 89 Rappen

89 Rappen ist nun also ein Taxpunkt im Aargau wert. Vorläufig wenigstens, es ist ein provisorischer Tarif, ein Arbeitstarif, damit die Ärzte und Kassen eine Abrechnungsgrundlage haben. Die Aargauer Regierung will aber bis spätestens Mitte 2013 einen definitiven Tarif festlegen. Das dazu notwendige Verfahren läuft.

Ärzte und Kassen sind also gespannt auf den definitiven Entscheid der Regierung. Zu vermuten ist, dass es nicht bei den 89 Rappen bleibt, der neue Tarif kann höher oder auch tiefer sein.

Dies bedeutet dann, dass sämtliche Arztrechnungen, die ab Anfang 2013 im Aargau ausgestellt wurden, noch einmal neu berechnet werden müssten, denn der neue Tarif würde rückwirkend auf den Jahresanfang gelten.