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Des einen Freud, des andern Leid: Reaktionen zur Aargauer Berufsschul-Reform
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Aargauer Berufsschul-Reform «Wir sind sehr enttäuscht» – «Sinnvoll und ausgewogen»

Aargauer Berufsschulen sollen zu Kompetenzzentren zusammengeführt werden. Die Reaktionen sind sehr gemischt.

Im Aargau wird die Berufsschule neu organisiert. Alle Regionen behalten zwar mindestens eine Berufsschule, einzelne kleine Schulen werden aber geschlossen und zu grösseren Kompetenzzentren zusammengeführt. Zum Beispiel verlieren Zofingen und Lenzburg die kaufmännischen Berufsschulen (KV).

Die Reaktionen auf die Reform sind gemischt. «Wir sind die grössten Verlierer in diesem Spiel», meint Kathrin Scholl, Präsidentin des Schulvorstands des KV Lenzburg Reinach. «Wir sind sehr enttäuscht, hat man nicht eine Lösung gefunden, die durch Kooperationen oder Fusionen auch den Standort Lenzburg hätte erhalten können».

Wir sind die grössten Verlierer in diesem Spiel
Autor: Kathrin SchollKV Lenzburg Reinach

Scholl ist überzeugt, dass der Kanton mit der Schliessung des KV Lenzburg keinen Rappen spart: «Wir sind top ausgelastet von den Räumlichkeiten her und haben Klassengrössen von über 20».

«Der Standort Lenzburg wird gestärkt»

Lenzburg verliert zwar die kaufmännische Berufsschule. Die gewerblich-industrielle Berufsschule Lenzburg werde hingegen gestärkt, findet Markus Möhl, Präsident des Schulvorstands. Während Berufsleute wie Polymechaniker weiterhin in Lenzburg ausgebildet werden, werde zusätzlich ein Kompetenzzentrum Holzbau geschaffen. «Für unsere Schule ist das eine gute Lösung», betont Möhl.

Kritik an der Schliessung der KV-Schulen kommt auch von der EVP. «Ein KV gehört für eine Wirtschaftsregion wie Zofingen zum Angebot», findet die Partei in einer Mitteilung. Die EVP befürchtet, dass gute Lernende künftig lieber an die Kantonsschule gehen, statt lange Schulwege in Kauf zu nehmen. Zofinger, die das KV besuchen wollen, müssen künftig nach Aarau.

«Sinnvoll und ausgewogen»

Die Politik zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit der Berufsschul-Reform. «Die Bildung von Kompetenzzentren macht Sinn», lobt die SVP ihren Bildungsdirektor. Zudem seien regional-politische Anliegen angemessen berücksichtigt worden. Trotz Zusammenführung von einzelnen Schulen zu Kompetenzzentren behalten alle Regionen mindestens eine Berufsschule.

«Der Regierungsrat hat richtigerweise der Berücksichtigung regionalpolitischer Aspekte grösseres Gewicht beigemessen als einem maximalen Sparziel», schreibt die FDP. Die Regierung rechnet mit Einsparungen von 4,1 Millionen Franken jährlich.

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Legende:Wo sind welche Berufsschulen?So präsentiert sich die Karte heute und in Zukunft zvg

Auch die CVP begrüsst die «regional ausgewogene Lösung» und die Schaffung von Kompetenzzentren. Das erhöhe die Qualität der Berufsbildung und führe dazu, dass der Schulraum der jeweiligen Standorte besser ausgelastet werde.

Das Parlament hat nichts mehr zu sagen

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Noch 2016 hat das Parlament die damalige Berufsschul-Reform der Regierung versenkt. Zur jetzigen Reform hat das Parlament nichts mehr zu sagen. Weil alle Berufsbildungs-Standorte bestehen bleiben, ist keine Anpassung des Richtplans nötig und die Regierung kann die Reform eigenmächtig durchziehen.

«Dass man das Parlament aussen vor lässt, ist gerade aufgrund der Brisanz nicht richtig», kritisiert die EVP in einer Mitteilung das Vorgehen. Demgegenüber begrüssen FDP und SVP, «dass der Regierungsrat in eigener Kompetenz entschieden hat».

Die GLP hält es für richtig und wichtig, die Berufsschulen fit zu machen für die Zukunft: «In Zeiten der Digitalisierung und des schnellen Wandels einzelner Berufe ist es unerlässlich, flexibel und geschickt auf das sich verändernde Umfeld agieren zu können». Der Entscheid der Regierung sei «politisch geschickt», lobt die GLP und kritisiert das «Gärtlidenken einzelner Regionen oder einzelner Schulen».

«Unlogisch und inkonsequent»

Von den Parteien gibt es aber nicht nur Lob für die Regierung. Die SVP findet «unlogisch», dass die Regierung bei den Berufsschulen Kompetenzzentren schaffen will, bei den Kantonsschulen aber «genau den umgekehrten Weg gehen und neue Standorte eröffnen will».

Die EVP kritisiert, das Ziel der Kompetenzzentren werde bei der Berufsschul-Reform zu wenig konsequent verfolgt. Einerseits schaffe man Kompetenzzentren, verteile aber «eigenartigerweise» die Gesundheits- und Betreuungsberufe auf mehrere Standorte.

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