Aargauer und Solothurner Frauen wollen Bäuerinnen werden

Seit einigen Jahren ist das Interesse am «Fachkurs Bäuerin» in der Schweiz gross. Auch im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg bei Gränichen gibt es eine Warteliste. Dabei interessieren sich nicht nur Frauen mit landwirtschaftlichem Hintergrund für diese Ausbildung.

Die meisten Frauen, die den «Fachkurs Bäuerin» auf der Liebegg besuchen, kennen den landwirtschaftlichen Betrieb bestens, denn sie sind auf einem Bauernhof aufgewachsen oder mit einem Bauern verheiratet. Immer wieder gibt es aber auch Teilnehmerinnen, die keinen direkten landwirtschaftlichen Bezug haben und den zweijährigen, berufsbegleitenden Fachkurs trotzdem besuchen.

«  Das Thema «Selbstversorgung» interessiert mich schon lange. »

Sylvia Olschimke
Teilnehmerin «Fachkurs Bäuerin»

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Boom auch in Solothurn

Nicht nur im Aargau, auch im Kanton Solothurn wollen mehr Frauen als früher Bäuerinnen werden. Die berufsbegleitende Ausbildung am Bildungszentrum Wallierhof, die früher alle zwei Jahre stattfand, wird seit 2015 jährlich angeboten. Und ein Vollzeitkurs, der im September 2016 startet, ist bereits ausgebucht.

So beispielsweise Sylvia Olschimke, die zu den älteren Teilnehmerinnen gehört. Sie habe sich bewusst für den Fachkurs entschieden, denn seit Längerem interessiere sie sich für das Thema Selbstversorgung, erklärt sie im Interview mit Radio SRF. In Zukunft wolle sie Lebensmittel, wie beispielsweise Gemüse, gerne selbst anpflanzen und weiterverarbeiten.

In der gleichen Klasse befindet sich die 23-jährige Floristin Lena Heiniger. Auch sie hat keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft. «Ich finde es wichtig zu wissen, wie Lebensmittel hergestellt werden und freue mich darauf, die Praktischen Dinge, die ich hier lerne, in den Alltag zu integrieren», sagt sie gegenüber Radio SRF. Sie sei überzeugt, dass sie alles, was sie im Fachkurs lerne, brauchen könne.

Fachkurs füllt Marktlücke

Dass die Fachkurse so gut besucht sind, freut die Lehrgangsverantwortliche Lisa Vogt. Gerade der Umstand, dass gut ein Viertel der Teilnehmerinnen keinen landwirtschaftlichen Hintergrund habe, zeige, dass die Ausbildungsinhalte dem aktuellen Trend entsprechen. Die Frauen würden sich Fachwissen aneignen wollen, um Entscheidungen, beispielsweise beim Einkaufen, bewusster zu treffen.

«  Die Inhalte der Ausbildung entsprechen dem Trend nach Nachhaltigkeit. »

Lisa Vogt
Lehrgangsverantwortliche Fachkurs Bäuerin Liebegg

Bäuerin bietet Kirschen an, am Stand Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Selbstversorgung, eigene Ernte, Fachwissen über die Butter-Produktion: Das Know-How lässt sich in Fachkursen lernen. Keystone (Symbolbild)

Die Lehrgangsverantwortliche ist überzeugt, dass der Fachkurs eine Marktlücke fülle. Denn die Mischung aus Fachwissen und Praxis, sei einmalig, die man heute in dieser Form nur noch an den landwirtschaftlichen Schulen finde.

Neben praktischen Modulen wie Gartenbau oder Produkteverarbeitung gehören auch landwirtschaftliche Buchhaltung, Betriebslehre und Recht zur Ausbildung.

Aktuell wird für den «Fachkurs Bäuerin» auf der Liebegg eine Warteliste geführt. Lisa Vogt hofft jedoch, dass die Schule noch zusätzliche Kurse anbieten kann, damit alle Frauen ihre Ausbildung beginnen können.