Cornel Villiger: Ein Schuss mehr Köpfchen

Sport bedeutet Cornel Villiger fast alles. Das war vor seinem Motorradunfall so und hat sich trotz Paraplegie nicht geändert. Das Motto des Boswiler Rollstuhlleistungssportlers: «with drive through life», also «mit Schuss durchs Leben».

Cornel Villiger beim Training auf der Bahn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Cornel Villiger beim Training auf der Bahn. ZVG

Als Marathonläufer hatte Cornel Villiger über die klassische Distanz von 42,195 km eine persönliche Bestzeit von 3 Stunden. Und auch über die Mitteldistanzen hat er gute Zeiten erzielt. Das war vor seinem Unfall im Jahr 2004. Seither ist der 37-jährige querschnittgelähmt und an den Rollstuhl gebunden.

Ein Schicksal, mit dem viele Betroffene mehr oder weniger heftig hadern. Nicht so Cornel Villiger. Er sagt, er habe die neue Situation sofort akzeptiert. «Geholfen hat mir dabei sicher meine Ausbildung bei der Polizei, wo wir als Sondereinheit mental auf heikle Ereignisse vorbereitet worden sind».

Vorwärts schauen

Cornel Villiger aus Boswil: Sport ist sein Leben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Cornel Villiger aus Boswil: Sport ist sein Leben. SRF

Positiv wertet der dreifache Familienvater auch die Tatsache, «dass meine Frau und ich damals viele Pläne hatten, ein eigenes Haus zum Beispiel, und wir uns von diesem Unfall nicht bremsen lassen wollten».

Cornel Villiger sieht in seinem Schicksal bei allen Nachteilen vor allem Chancen. Sein Leben habe sich in einer nötigen Art entschleunigt und ihm Freiräume gebracht, die er als Fussgänger immer mehr vermisste. Beruf, Sport und Familie unter einen Hut zu bringen sei zunehmend schwieriger geworden. Auch heute noch sei das Zeitmanagement anspruchsvoll, «weil aber mein Arbeitspensum auf 50 Prozent reduziert worden ist, kann ich mich dem Sport intensiver widmen», erklärt der zum Betriebswirtschafter umgeschulte Polizeimitarbeiter.

Verlängertes Sportlerleben

Ein weiterer Vorteil seines Handicaps: Im Rollstuhl kann man deutlich länger Spitzenleistungen erbringen, als zu Fuss, wie das Beispiel Heinz Frei (55) zeige. Obwohl näher bei 40 als bei 30 hat Cornel Villiger noch viele sportliche Ziele, die er erreichen will. Aktuell zum Beispiel die Teilnahme an der Rollstuhl-Leichtathletik-WM im Juli dieses Jahres in Lyon. Die Qualifikation für die Marathondistanz dazu hat der Freiämter heute Sonntag beim internationalen Rollstuhl-Marathon in Oensigen angepeilt – und verpasst. Zu viel Wind und ein ungünstiges Streckenprofil mit vielen Höhenmeter hätten eine günstige Zeit verhindert. Zu Villigers sportlichen Träumen gehört eine Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio De Janeiro (Brasilien).

Ein Leben ohne Sport konnte sich Cornel Villiger nie vorstellen, ob als Fussgänger oder als Rollstuhlsportler. Trotzdem gebe es für ihn natürlich ein Leben neben dem Sport. Das gehöre seiner Familie, seinem Beruf, seinem sozialen Umfeld. Diese drei Säulen seien tragend und müssten entsprechend gepflegt werden.

Sein auf der eigenen Hompage www.fastwheels.ch definiertes lautet Motto «mit Schuss durchs Leben».  «Ja», sagt Villiger, «aber nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern mit mehr Köpfchen», das gelte speziell für uns Rollstuhlfahrer.