Das Solothurner Gedächtnis wird 250 Jahre alt

«Zenti» wird sie von vielen Solothurnern liebevoll genannt: die Zentralbibliothek Solothurn, das Gedächtnis des Kantons. Entstanden ist die «Zenti» aus der Stadtbibliothek heraus, vor genau 250 Jahren. Die ersten Bücher waren ein Geschenk der Patrizier-Familie Besenval.

Blick auf die Zentralbibliothek, von der gegenüberliegenden Strassenseite aus. Auf der Strasse fährt gerade ein blaues Auto vorbei, die Sonne scheint auf das alte schöne Gebäude. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 1930 wurden die Stadt- und die Kantonsbibliothek zur Zentralbibliothek fusioniert. Seit 1958 ist sie im Zetter-Haus. SRF

Das Ratsmanual der Stadt Solothurn vermerkt für den 6. Juni 1763, dass die Familie Besenval der Stadt «wegen einzurichtender Bilbiothec» Bücher schenken werde. Es war die Familienbibliothek von Johann Viktor Peter von Besenval, Schlossherr auf der Waldegg und Generalinspekteur der Schweizer Truppen in Frankreich.

924 Bände übergaben die Besenvals der Stadt Solothurn. Ein Zimmer im Ratshaus diente damals als erster Büchersaal überhaupt. Bald folgten auch die Familien von Roll und vom Staal dem Beispiel und beschlossen ebenfalls, ihre Familienbibliotheken «zue Diensten allhiesigen Publico Ihro Gnaden anheimbzustellen». Damit war der Grundstein für die heutige Zentralbibliothek gelegt. Bei den ersten Büchern der Patrizier-Familien handelte es sich um wertvolle ältere Handschriften und Drucke, die nur auf Voranmeldung eingesehen werden konnten.

Wenig später kamen auch aktuelle Sachbücher und Zeitschriften dazu, wie etwa das «Journal d’Agriculture, de Commerce et des Finances», das aus Paris abonniert worden war. Allzulange währte die Lesefreude nicht, wie Patrick Borer von der Katalogabteilung der Zentralbibliothek berichtet. 1798 benötigte die Helvetische Republik den Bücherraum im Rathaus für andere Zwecke und lagerte die Bücher ein.

Als in Solothurn die Zensur herrschte

1807 wurde die Stadtbibliothek neu eröffnet, im ehemaligen Franziskanerkloster. Allgemein zugänglich war die Bibliothek aber auch hier noch nicht. Eine Zensurkommission und ein «geistlicher Inspektor» machten den Wissbegierigen das Leben schwer. Die Obrigkeit hatte Angst vor dem liberalen Gedankengut, das in den Büchern zum Teil verbreitet wurde.

1838, nach dem liberalen Umsturz, änderte sich die Situation grundlegen: Die Stadtbibliothek zog in grössere Räume im neuen Gemeindehaus der Stadt Solothurn und wurde nun zu einer öffentlichen und frei benutzbaren Bibliothek, wie man es heute noch kennt.

Von der Stadt- und Kantons- zur Zentralbibliothek 1930 wurde die Stadtbibliothek mit der Kantonsbibliothek zur Zentralbibliothek fusioniert. Die Kantonsbibliothek war 1883 entstanden, als nach dem solothurnischen Kulturkampf die Klöster aufgehoben wurden und der Kanton einen Platz brauchte für die vielen Bücher der Klöster.

1958 bezog die Zentralbibliothek neue Räumlichkeiten im Westen der Stadt. Hier ist die «Zenti» noch heute, bewahrt das Solothurner Kulturerbe und vermittelt Wissen, an all jene, die sich nicht nur mit Internet-Lexika zufrieden geben.