Bildung Aargau Der Ruf nach einer zusätzlichen Kantonsschule ertönt

Das Bildungsdepartement stellt sich auf eine wachsende Bevölkerung ein. Das heisst: Es braucht eine neue Kantonsschule.

Zusatzbauten an der Kantonsschule Baden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Kantonsschule Baden ist voll. Neben den originalen Gebäuden stehen Erweiterungsbauten (r.) und Provisorien (l.). Stefan Ulrich/SRF

Alle Indikatoren zeigen nach oben. Die Bevölkerung im Kanton Aargau steigt. Und weil die Zahlen steigen, baut der Aargau seine Verkehrsinfrastruktur aus. Und weil die Zuzüger irgendwo auch leben müssen, entstehen im Aargau viele neue Einfamilienhäuser und Wohnüberbauungen.

Natürlich spürt auch die Schule den Zuwachs. Die Zahlen in der Primarschule steigen. Und wenn sie dort zunehmen, werden in zehn bis 15 Jahren auch die Kantonsschulen grossen Zulauf spüren.

Bevölkerung wächst, Schulen wachsen

Deshalb ist für Bettina Diem, zuständig für die Mittelschulen beim Kanton Aargau, klar: «Eine neue Kantonsschule zu bauen, ist sicher ein Thema. Wenn die demografische Entwicklung so weitergeht, müsste man in 20 bis 25 Jahren einen neuen Standort beziehen können.»

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Vorerst plant der Kanton aber Erweiterungen an bestehenden Kantonsschulen. So in Baden, Wettingen und Wohlen. All diese Schulen liegen im östlichen Teil des Kantons. Dort ist das Bevölkerungswachstum besonders stark.

«  Man muss die Variante Neubau überlegen. »

Bettina Diem
Sektion Mittelschulen, Bildungsdepartement Aargau

Doch langfristig stosse man mit den Erweiterungen an Grenzen, sagt Diem. Deshalb müsse man sich die Variante Neubau überlegen. Wo dieser zu stehen kommen könnte, das sei noch völlig offen.

Kantonsschule Nummer 8?

Sechs Kantonsschulen gibt es momentan im Aargau. Nämlich Wohlen, Baden, Wettingen, Aarau (neue und alte Kanti) und Zofingen. Nimmt man noch die kantonale Maturität für Erwachsene dazu, sind es sieben Kantonsschulen. Die letzte Kantonsschule wurde vor vierzig Jahren eingeweiht.

Eine zusätzliche Mittelschule im Aargau, das wäre also sozusagen ein Jahrhunderprojekt. Eines, das eine lange Vorlaufzeit benötigt. Wie ein solches Projekt zu finanzieren wäre, das ist in Zeiten, in denen der Kanton jeden Franken zweimal umdreht, wohl eine der grossen Fragen.

Und die andere: Wo, im Kanton der Regionen, müsste man eine neue Kantonsschule bauen? Vielleicht im Fricktal, wo es noch kein Gymnasium gibt? Oder eher in der Mitte des Kanton, zum Beispiel in Brugg?

Die Politik scheut die Diskussion

Diese Fragen wird die Politik lösen müssen, sollte das Bildungdsdepartement dereinst tatsächlich konkrete Pläne für eine neue Kantonsschule präsentieren. Aber momentan sei eine neue Kantonsschule kein Thema in der Politik.

«  Momentan reden wir nicht darüber. »

Tanja Primault (SVP)
Präsidentin Bildungskommission Grosser Rat Aargau

Das sagt Grossrätin Tanja Primault, Präsidentin der Bildungskommission: «Man sieht jetzt, dass die Schülerzahlen in der Volksschule wachsen. Deshalb kann eine neue Kanti schon einmal ein Thema sein. Aber momentan reden wir noch nicht darüber.»

Orientierungstafel an der Kanti Baden Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: An der Kanti Baden soll ein Turnhallenprovisorium verschwinden. Das würde Platz schaffen für einen Erweiterungsbau. Stefan Ulrich/SRF

Dass die Politik über diese Thema noch nicht disktutiert, auch nicht diskutieren will, kann damit zusammenhängen, dass letztes Jahr schon eine grosse Bildungsdiskussion stattfand im Grossen Rat. Doch diese endete in einem Scherbenhaufen.

Der grosse Rat versenkte die Vorlage, indem er gar nicht darauf eintrat. Jahrelange Vorarbeit war damit zunichte gemacht. Im Vorfeld der Diskussion war es auch um die Frage gegangen, ob Teile der Kantonsschulen an die Berufsschulen verlagert werden können, weil dort noch Raumreserven bestehen.

Aktuelle Finanzsituation spielt wohl mit

Es zeigte sich: Egal ober Berufsschulen vergrössern oder verkleinern oder Verlagerung von der Kanti an die Berufsschule – es sind Reizthemen, die sehr emotional diskutiert werden. Jetzt schon wieder eine Diskussion über den Standort einer wichtigen Bildungsinstitution anzureissen, darauf haben wohl die wenigsten Politiker Lust.

Zudem hemmt die prekäre Finanzsituation jede Diskussion über die Weiterentwicklung des Kantons. Deshalb scheint in der Politik bei der Frage einer neuen Kantonsschule die Devise zu herrschen: Abwarten und Tee trinken.