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Schliessung von Poststellen «Die Post schiesst über das Ziel hinaus»

Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann ist unzufrieden mit der Post. Er fordert, dass diese weniger Filialen schliesst als geplant.

Mann mit Brille und Anzug spricht.
Legende: Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann hofft, dass die Post eine ergebnisoffene Überprüfung der Poststellen vornimmt. Keystone

SRF News: Urs Hofmann, weshalb sind Sie unzufrieden mit den Abbauplänen der Post im Aargau?

Urs Hofmann: Der Regierungsrat erachtet die Anzahl der Poststellen, welche die Post überprüft, als überrissen. Er erwartet, dass die Post hier eine Reduktion vornimmt. Die Post kam zwar bei einzelnen Poststellen unseren Forderungen entgegen. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass die Post über das Ziel hinausschiesst.

Weshalb?

Viele Gemeinden haben Bedenken, dass ihr Stellenwert sinkt innerhalb der Region, wenn ihre Poststelle schliesst. Sie sagen: Erst geht die Post zu, dann der Laden, die Wirtschaft, die Schule und am Schluss hat die Gemeinde gar keine Dienstleistungen mehr, die sie anbieten kann.

Die Post argumentiert, dass sie für jede geschlossene Poststelle eine Alternative anbietet, zum Beispie eine Postagentur in einem Dorfladen. Bleibt der Service Public so nicht auch erhalten?

Für gewisse Gemeinden ist das tatsächlich eine valable Alternative. Andere Gemeinden sehen das aber anders, weil zum Beispiel die Dauerhaftigkeit ihres Ladens nicht gewährleistet ist. Oder sie argumentiere, dass in ihrer Gemeinde viele Bar-Einzahlungen getätigt werden, was in Postagenturen bisher nicht in diesem Ausmass möglich ist.

Häufig hört man auch das Argument, man wolle nicht seine Postgeschäfte in einem Laden erledigen, da herrsche nicht die gleiche Vertrauenswürdigkeit wie auf einer Post.

Die Aargauer Regierung konnte mit der Post in dieser Angelegenheit verhandeln. Haben Sie schlecht verhandelt?

Von Verhandlungen kann man nicht reden. Die Kantone spielen ja keine Rolle hier. Uns wurde einfach eine Liste vorgelegt und wir konnten eine Stellungnahme abgeben. Aber die Post machte keine Verhandlungsangebote. Dennoch konnten wir etwas erreichen.

Es sind rund fünf Poststellen, die ursprünglich auch für eine Überprüfung vorgesehen waren, welche nun aber von der Liste gestrichen wurden. Das ist unseres Erachtens aber ungenügend, wir sind mit dem Angebot der Post nicht zufrieden.

Um welche fünf Poststellen handelt es sich hier?

Das möchte ich nicht offenlegen.

In welchen Fällen verstehen Sie, wenn die Post Filialen überprüft?

Ich würde es dann verstehen, wenn die Post der Gemeinde aufzeigen kann, dass auf dieser Poststelle gar nichts mehr läuft und es andere Poststellen in der Nähe hat. Anders sieht es aus bei kleinen Regionen, die als Versorgungsregionen wahrgenommen werden. Hier gehört eine Post zum regionalen Setting und darf unseres Erachtens nicht geschlossen werden.

Inwiefern kann die Aargauer Regierung in dieser Angelegenheit nun noch Einfluss nehmen?

Von Gesetzes wegen haben die Kantone und Regierungen keine Funktion oder Rolle. Es sind die Gemeinden, die einen solchen Fall weiterziehen können an die Eidgenössische Postkommission. Wir als Regierung können aber Gemeinden unterstützen, die sich unkorrekt behandelt fühlen und die aufzeigen, dass die Post keine gerechtfertige Lösung anbietet.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von max baumann (phönix)
    Typisch. Grosskotzig von Service Public reden aber Gewinnorientiert handeln !!! Abbauen weil man sparen müsse aber Supergehälter in der Chefetage !!! Aber statt mit der Streichung des Postregals drohen, hört man von Bern gar nichts !!! Aber eben, Wirtschaft first !!!!!!!!!!!!!
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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Mit der fortschreitenden Schliessung von Poststellen geht der konstante Abbau eines bisher perfekt funktionierenden Service-Publik einher. Irgendwann kommt dann der Moment wo das ganze System "Post" seinen Auftrag im Interesse der Allgemeinheit nicht mehr erfüllen kann. Will man das ? Warum schliesst man in Bern die Augen ? Eine Umkehr wird immer unwahrscheinlicher. Besonders die ältere Generation wird durch diese Entwicklung ausgegrenzt. Ein Referendum wäre sicher angebracht.
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  • Kommentar von Claudia Meyer (Uhu)
    Wir haben bei Interio einen Schrank gekauft und wer hat ihn geliefert? Die Post, für andere Möbelgeschäfte tut sie es auch. Wahrscheinlich hat sie im Möbelservice eine lukrativere Einnahmequelle gefunden.
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