Egerkingen stutzt Maitannli-Brauch

Die Gemeinde Egerkingen verbietet vorübergehend das Aufstellen von kleinen Maitannli. Das berichtet die «Solothurner Zeitung». Damit will der Gemeinderat zurück zum ursprünglichen Brauch und dafür sorgen, dass die Rivalitäten zwischen den Dörfern aufhören.

Es ist ein schöner, alter Brauch im Kanton Solothurn: Die 19-jährigen Jungen stellen den gleichaltrigen Mädchen ein Maitannli auf, und zwar in der Nacht auf den 1. Mai. Die jungen Männer bewachen dann das Tannli und sitzen gesellig beisammen. So war es früher.

Gang ins Nachbardorf

Maibaum wird aufgerichtet Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Maibäume haben vielerorts Tradition. Hier ein Bild aus Bayern. Auch in Egerkingen soll die Tradition erhalten bleiben. Keystone

Heute stellen die Jungs praktischen jedem Mädchen einzeln ein Bäumchen in den Garten. Und: In vielen Dörfen – unter anderem in Egerkingen – machen sich einige Burschen auf ins Nachbardorf, um dort heimlich die Maitannli anderer zu fällen.

Werden sie erwischt, kommt es zu wilden Verfolgungsjagden mit Autos, die auch schon mit Unfällen geendet haben. Nun schiebt Egerkingen diesem Treiben den Riegel: Die einzelnen Bäumchen dürfen nicht mehr aufgestellt werden. Nur eine grosse Tanne ist weiterhin erlaubt.

Auch dürfen die Jungbürger weiterhin dort ein Fest abhalten mit Grill und Zelt. Dafür müssen sie aber neu zusätzlich ein Gesuch einreichen. Begeistert waren die Jungen nicht über diese Regeln, erklärt Vizegemeindepräsident Dominik Studer. Dennoch seien sie einverstanden.

Zurück zu den Wurzeln

Auf die Frage, ob mit dieser Neuerung der alte Brauch nicht sterben wird, antwortet Studer mit klaren Worten: «Im Gegenteil: Damit kehren wir zum alten Brauchtum zurück. Die jungen Männer versammeln sich wieder beim einen, grossen Maitannli, statt mit dem Auto in andere Gemeinden zu fahren.»

Kritisch gegenüber diesem Verbot äusserte sich auf Anfrage der Gemeindepräsident von Wolfwil, Christian Kühni. Seine Gemeinde hatte vor neun Jahren ähnliche Probleme. Nun suche man jedes Jahr aufs Neue mit den 19-Jährigen das Gespräch. Seither hat man keine Probleme mehr, so Kühni. Ein Verbot hingegen führe aus seiner Sicht eher dazu, dass sich die Jungen provoziert fühlen.