Ein Drama mit Hoffnung, aber ohne Happy-End

Das Theater Biel Solothurn präsentiert am Samstag zum ersten Mal das Drama «Eines langen Tages Reise in die Nacht» des amerikanischen Autors Eugene O'Neill. Das Stück handelt vom Zerfall einer Familie, von Alkohol- und Drogensucht. Trotzdem sieht der Dramaturg am Theater Hoffnung in diesem Stoff.

Schauspieler (Vater) schenkt Schauspieler (Sohn) einen Whiskey ein Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alkohol und Drogen: Und doch sehen Autor und Dramaturg in diesem Familien-Drama auch ein Stück Hoffnung. Theater Biel Solothurn/Ilja Mess

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Première in der Rythalle

Die Première findet am 22. Februar um 19.30 Uhr in der Solothurner Rythalle statt. Weitere Spieldaten finden Sie hier. Das Schauspiel-Ensemble muss auf die Rythalle ausweichen, weil das Stadttheater umgebaut wird. «Bei diesem Drama ist die grosse Bühne der Rythalle sehr passend, die Charaktere werden richtig ausgestellt», sagt Dramaturg Flückiger.

Die Familie Tyrone zerfällt: Der Vater terrorisiert die Familie mit seinem Geiz, die Mutter döst in einem ständigen Morphium-Rausch vor sich hin, die beiden Brüder flüchten sich in den Alkohol. Diese düsteren Figuren und ihre tragische Geschichte bilden den Rahmen zum Drama «Eines langen Tages Reise in die Nacht».

Geschrieben hat das Stück der amerikanische Literaturnobelpreisträger Eugene O'Neill. «Er schafft es, wahnsinnig tiefschürfende Figuren zu zeichnen, die sich im Laufe des Stücks entblättern, bis der Kern dieser faszinierenden Menschen sichtbar wird», lobt Dramaturg Adrian Flückiger den Autor. Das Theater Biel Solothurn habe dieses Stück schon lange spielen wollen.

Eine (fast) wahre Geschichte

Unterstützt wird das Ensemble vom polnischen Theater-Regisseur Janusz Kica. «Ein Glücksgriff», wie Flückiger gegenüber Radio SRF erklärt. Der Regisseur liebe die tragischen Figuren und habe zusammen mit dem Ensemble intensiv an den Charakteren gearbeitet. «Wir haben sogar mit einer Suchtberaterin gesprochen, um die Figuren besser zu verstehen», erzählt Dramaturg Adrian Flückiger.

Die Geschichte ist tragisch. Umso tragischer, weil sie der Autor Eugene O'Neill nicht etwa frei erfunden hat. «Es hat sehr viele autobiographische Elemente darin, O'Neill war selber dem Alkohol nicht abgeneigt, seine Mutter war tatsächlich drogensüchtig, sein Bruder ein Alkoholiker», erklärt Flückiger. Trotz aller Tragik: Das Drama sei durchaus unterhaltsam, findet der Dramaturg am Theater Biel Solothurn.

Eugene O'Neill habe schon gesagt, es sei «mehr Glück in einer wirklichen Tragödie, als in einem Stück mit Happy-End». Flückiger bestätigt das: «Es hat in dieser Tragödie auch immer Hoffnung drin. Hoffnung, dass alles besser werden könnte. Ich finde das ausserordentlich spannend.»