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Finanzkraft im Aargau Gemeinden sind ärmer geworden – aber nicht alle

Die durchschnittliche Steuerkraft in Aargauer Gemeinden ist in den letzten vier Jahren geschrumpft. Zwar konnten einige Gemeinden auch zulegen, doch andere müssen heute mit einem Drittel weniger Steuern auskommen als 2013. Mit ein Grund dafür ist eine Steuerreform.

Legende: Die durchschnittliche Steuerkraft in Aargauer Gemeinden ist in den letzten vier Jahren geschrumpft, das zeigen neue Zahlen des Kantons. Klicken Sie sich hier durch die Gemeinden in Ihrer Region und sehen Sie, wie es um die Steuerkraft Ihrer Gemeinde steht. Kanton AG

Fakten zur Steuerkraft der Aargauer Gemeinden:

  • Die Gemeinden sind im Vergleich zu 2013 im Durchschnitt ärmer geworden.
  • Die Pro-Kopf-Steuerkraft hat sich von 2655 Franken (2013) auf 2543 Franken (2016) reduziert.
  • Am stärksten ging die Steuerkraft in Döttingen, Lupfig, Birr und in der Stadt Baden zurück. Hier reduzierte sich die Höhe der möglichen Steuererträge um 20- bis 30 Prozent.
  • Die ärmsten Aargauer Gemeinden sind, gemessen an der Steuerkraft, Rietheim, Schmiedrued und Teufenthal, hier erreicht die Steuerkraft pro Einwohner nicht einmal 2000 Franken.
  • Die reichste Aargauer Gemeinde ist nach wie vor Oberwil-Lieli. Hier beträgt die Pro-Kopf-Steuerkraft 6303 Franken.

Sinkende Steuerkraft führt zu Verschuldung

Betrachtet man die neuen Zahlen zur Steuerkraft Aargauer Gemeinden im Gemeindestrukturbericht 2017, Link öffnet in einem neuen Fenster des Kantons, dann zeigt sich klar: Aargauer Gemeinden haben ein Problem mit den Einnahmen. Zumindest hat sich dieses Problem in den letzten vier Jahren entwickelt.

Betrug die durchschnittliche Pro-Kopf-Steuerkraft in Aargauer Gemeinden 2013 noch 2655 Franken, waren es 2016 noch 2543 Franken. Der Unterschied von 112 Franken mag klein erscheinen, ökonomisch gesehen ist er aber ein Problem, vor allem auch wegen den Folgen des Rückgangs.

Marc Schmellentin, Leiter Finanzaufsicht Gemeinden beim Kanton Aargau, beschreibt die Probleme, die auf eine sinkende Steuerkraft folgen anhand der Investitionstätigkeit: «Mit einer tieferen Steuerkraft können Gemeinden ihre Investitionen nicht mehr finanzieren und brauchen ihr Vermögen auf.»

Da in den vergangenen vier Jahren viele Gemeinden grössere Investitionen, zum Beispiel in die Schule machen mussten, wurde aus dem Vermögensstand von 2014 heute eine Verschuldung. Jeder Aargauer und jede Aargauerin ist heute mit rund 630 Franken verschuldet.

Wirtschaftsflaute, Pensionierte und...

Die Negativ-Entwicklung der Steuerkraft habe mehrere Gründe, erläutert das Aargauer Gemeindeamt im Strukturbericht. Erstens seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr schwierig gewesen. Finanzkrise und Frankenstärke hätten vor allem in der exportorientierten Wirtschaft auf die Gewinne gedrückt. Das sehe man z. B. in Baden oder Birr, wo die Steuerkraft nach den Abbaumassnahmen von Alstom/GE stark zurückgegangen ist.

Zweitens drücke auch die demografische Entwicklung auf die Steuerkraft. Der Bevölkerkungsanteil der über 65-Jährigen ist von 2013-16 um ein Prozent gestiegen. Da Pensionierte deutlich weniger Einkommenssteuern bezahlen, schlägt auch das spürbar durch.

...die Steuerreform von 2012

Einen dritten Grund für die gesunkene Steuerkraft dürfe man aber nicht vergessen, sagt der Leiter der Gemeindefinanzaufsicht: «Ich denke der wesentlichste Einflussfaktor ist die Steuerreform, die 2012 beschlossen worden ist.»

Die seither schrittweise eingeführten Änderungen bei der Besteuerung von Einkünften, Vermögen und Firmengewinnen hätten 2016 ihre volle Wirksamkeit erreicht und 2016 sei bei der Steuerkraft auch die grösste Reduktion auszumachen, so Schmellentin.

Und weil die Steuerreform von 2012 – die zweifelsfrei auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Finanzen im Allgemeinen hatte – nun aber gleichzeitig mit den genannten Wirtschaftsproblemen ihre Wirkung entfaltete, sehe man nun den deutlichen Rückgang der Steuerkraft.

Steuerkraft als Vergleichswert

Die Steuerkraft pro Einwohner ist ein Wert, der einen guten Vergleich der Finanzkraft zwischen den Gemeinden ermöglicht, da er den Steuerfuss auf einen einheitlichen Wert harmonisiert und sowohl die Steuern von natürlichen als auch juristischen Personen sowie die Quellensteuern berücksichtigt.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    eine gemeinde muss sich fragen, ob ein ort von menschen für menschen sein will oder luxusresorts für ein paar wenige natürliche personen und steueroase für juristsiche personen. für letztere beide ist der physische standort austauschbar. die solidarität mit den orten, den leuten ein fremdwort. wichtig ist vor allem die steueroptimierung und gewinn anhäufen. nicht, dass das geld wieder den orten, leuten, wo sie es extrahieren, zugute kommen zu lassen, sondern um es möglichst weit weg zu bunkern.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Dass Rentner (Pensionierte) deutlich weniger Steuern abliefern, ist keine allgemeine Realität. Es gibt PensionistenInnen, die immer noch mehr Steuern zahlen, als viele noch aktive Büezer und Angestellte, die mit allen möglichen Abzugsmöglichkeiten (Tricks) immer weniger Steuern abliefern! Dazu werden bei vielen Rentnern Eigenheime, Erbschaften oder Ersparnisse immer mehr "gerupft" (steuerlich belastet!)! Man müsste auch die ewig steigenden Ausgaben (Sozialwesen) in den Gemeinden traktandieren!
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