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Gemeindestrukturbericht 2017 In den Gemeinderäten ist die SVP top... zumindest fast

Die SVP stellt die meisten Gemeinderäte im Aargau. Das zeigt ein Bericht des Kantons mit Zahlen vom April. Allerdings: Parteilose gibt es noch mehr.

Gemeindehaus von Ueken, Aussenansicht
Legende: In den Aargauer Gemeindehäusern dominieren immer noch klar die bürgerlichen Parteien. SRF

«Linksrutsch im Aargau» – so lautete die Schlagzeile nach dem letzten Wahlwochenende. In den zehn kommunalen Parlamenten des Kantons stellen die Sozialdemokraten nun die meisten Mitglieder. Sie haben die SVP überholt.

Nun zeigt ein neuer Bericht des Kantons: In den Gemeinde-Exekutiven gibt es diesen Linksrutsch nicht. Die Gemeinderäte quer durch den Kanton sind immer noch klar von bürgerlichen Parteien dominiert.

Legende:
Die politische Zusammensetzung der Gemeinderäte im April 2017 Über die Hälfte aller Gemeinderätinnen und Gemeinderäte im Aargau sind parteilos (552). Die am stärksten vertretene Partei in den Gemeindexekutiven ist die SVP mit 173 Sitzen, gefolgt von der FDP mit 154 Sitzen. Die CVP stellt 95 Sitze, die SP stellt 60 Sitze. Lokale Gruppierungen und andere Parteien stellen insgesamt 38 Sitze. Die bürgerlichen Parteien stellen damit insgesamt 422 Sitze - eine deutliche Mehrheit. Gemeindestrukturbericht 2017 Kanton Aargau, Departement Volkswirtschaft und Inneres

Die Zahlen im Gemeindestrukturbericht 2017 beziehen sich allerdings auf den April 2017. Allfällige Verschiebungen bei den Wahlen in diesem Herbst sind also nicht berücksichtigt.

Siegerin ist keine Partei

Am meisten Sitze stellte im April 2017 in den Aargauer Gemeinden die SVP. Sie konnte ihre Sitzzahl in den Gemeinderäten gegenüber 2013 halten. Die zweitstärkste Kraft ist die FDP, sie gewann auf Kosten der CVP sogar Sitze dazu. Die Sozialdemokraten kommen an vierter Stelle und mit einigem Abstand. Lokale Gruppierungen und kleinere Parteien stellen noch etwas weniger Leute.

Die grösste Gruppe allerdings ist eine ganz andere: Parteilose dominieren die Regierungen der Aargauer Gemeinden. Mehr als die Hälfte aller Gemeinderäte gehört keiner Partei an. Die Zahl ist im Vergleich zu 2013 noch einmal angestiegen.

Legende:
Parteien in den Aargauer Gemeinderäten 2013-2017 Die Zahl der parteilosen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ist zwischen 2013 und 2017 angestiegen. Die am stärksten vertretenen Parteien sind SVP, FDP und CVP. Wobei die FDP zwischen 2013 und 2017 auf Kosten der CVP Sitze zulegen konnte in den Gemeinde-Exekutiven. Noch nicht berücksichtigt sind die Gemeindewahlen vom Herbst 2017 (Amtsperiode 2018-2021). Gemeindestrukturbericht 2017 Kanton Aargau, Departement Volkswirtschaft und Inneres

Dieses Phänomen ist nicht neu, die Zahlen sind aber beeindruckend und müssen den Parteien zu denken geben: Immerhin rekrutieren diese ihr «Personal» in den Gemeinden, dort startet die klassische Politkarriere. Die meisten kantonalen und nationalen Politiker haben zuerst Ämter in einer Gemeinde bekleidet.

Erkenntnisse zur Politlandschaft

Der Gemeindestrukturbericht 2017 und die Wahlresultate vom letzten Wochenende lassen nur einen Schluss zu: Auch im Kanton Aargau gibt es einen politischen Graben zwischen Stadt und Land.

Die regionalen Zentren rutschen politisch nach links, das haben die Einwohnerratswahlen gezeigt. In den Landgemeinden aber dominieren weiterhin und unangefochten die bürgerlichen Parteien, wie der neue Bericht des Kantons beweist.

Weitere Erkenntnisse aus dem Bericht

Drei Viertel aller Gemeinderatssitze im Kanton Aargau werden von Männern besetzt. Der Frauenanteil liegt bei mageren 25,7 Prozent. Zudem sind vor allem die älteren Generationen in den politischen Exekutiven vertreten: Zwei Drittel aller Gemeinderäte sind 50 Jahre oder älter. Der Anteil der Altersgruppe 50-70 Jahre ist im Vergleich zu 2013 gestiegen, die Altersklasse 40-49 Jahre ist weniger stark vertreten. Nur gut 8 Prozent aller Gemeinderäte sind jünger als 39 Jahre.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Ein Armutszeugnis in der aargauischen Politlandschaft....
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Zwei Bemerkungen zum obigen Artikel: Es ging einfach nicht anders, ohne im fettgedruckten Titel eine negative Note zu setzen: "...die SVP ist top... zumindest fast..."! Zweitens: Wer die grössten Wahlchancen bei unabhängigen Stimmbürger(innen) haben will, kandidiert natürlich als "Parteiloser"! Solche parteilose Politiker zeigen dann aber nach der Wahl, dass sie im Gemeinderat sehr wohl bei den meisten Geschäften eine klare "politische Farbe" auf sich tragen und versuchen sie durchzusetzen!
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Politisch frei entscheiden: Parteilos bleiben! Die Chance, dass jemand einem Parteiprogramm oder einer Parteirichtung voll und ganz zustimmen kann, ist wie ein Sechser im Lotto; es sei denn, er sei ideologisch verblendet. Wer politisch autonom entscheiden will, keine Rücksicht auf Parteirichtlinien, Klientel und Mehr- und Minderheiten in einer Partei nehmen will, muss parteilos bleiben. Bei Wahlen hilft dann smartevote.ch, diejenigen Personen auszuwählen, die am besten zu einem passen.
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