Gigantisches Theater in Dornach – Goethes «Faust» ungekürzt

Über die Auffahrtstage ist es wieder soweit: Das Goetheanum Dornach bringt Goethes «Faust» in Originallänge auf die Bühne. Konkret heisst das: 18 Stunden Theater verteilt auf drei Tage. Die rekordverdächtigen Aufführungen haben Tradition. Mittlerweile kommen sogar Besucher aus China.

Eine Frau in weissem Gewand singt vor einem Frauenchor ebenfalls in weissen Gewändern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Faust am Goetheanum: Helena mit Chor Goetheanum

Goethes Faust hat am Goetheanum Tradition. Seit der Uraufführung im Jahre 1938 fanden in Dornach 74 Aufführungen des Originaltextes statt. Mit den Aufführungen 2016 wagen sich die Regisseure Christian Peter und Andrea Pfaehler an eine Neuinszenierung. Der Text bleibt aber unverändert, wie in allen bereits gespielten Bühnenfassungen.

Neu ist das Bühnenbild. Früher spielten die Szenen in naturalistisch nachgebildeten Orten. Heute werden auf der Bühne die Räume nur noch mit wenigen Requisiten angedeutet. Auch die Musik wurde verändert. Hier fand eine Modernisierung statt. Zum Teil wird der Text mit atmosphärischen Klangteppichen musikalisch begleitet.

Die 18 Stunden Theater finden jeweils an drei aufeinanderfolgenden Tagen in Zweistundenblöcken statt. Dennoch sei das Publikum gefordert, sagt Andrea Pfähler. Die Situation sei zum Beispiel zu vergleichen mit der Wanderung auf dem Jakobsweg. «Es braucht Überwindung und man muss es wollen. Wenn man es dann überstanden hat, so ist man beseelt.»

Faust-Aufführung bricht viele Rekorde

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Die weiteren Aufführungen

Die neu inszenierte, ungekürzte «Faust»-Fassung ist in Dornach noch bis August zu sehen. Die Aufführungen werden mit zahlreichen Veranstaltungen ergänzt. Informationen gibt es unter www.faust2016.ch.

Die Aufführung sprengt nicht nur wegen ihrer Länge sämtliche Grenzen. So mussten für die Neuinszenierung 600 Kostüme neu angefertigt werden. Die Kosten der ganzen Produktion belaufen sich auf 6 Millionen Franken. Geld, das vor allem durch Spenden und den Ticketverkauf aufgebracht werden kann.

Goethes «Faust» ist ein zentrales Werk für die Anthroposophen. Darin werden viele philosophische Fragen behandelt. Fragen, die Faust sich stellt, sind auch Fragen, die Rudolf Steiner beschäftigten. «Im Stück werden Gedanken auf der Bühne erlebbar, die in Steiners Philosophie zentral sind», sagt Pfähler.

Rudolf Steiners Philosophie in China

Das Stück wird im Jahre 2016 sechs Mal gespielt und wird zum Teil simultan übersetzt. Die Aufführung über Ostern, die bereits vorbei ist, wurde ins Englische übersetzt. Die Aufführung über die Auffahrtstage ist via Kopfhörer auf Chinesisch zu höhren.

Goethe erobere mittlerweile auch den asiatischen Raum, sagen die Organisatoren. «Im Moment entstehen viele neue Waldorfschulen in China. Wir werden bis in den Fernen Osten wahrgenommen.»