Jahresende 2014: Susanne Hochuli will innerlich nicht verhärten

Das Asylproblem ist global, auf Kantonsebene ist es nicht zu lösen. Aber auf die Frage, wo man Asylbewerber unterbringt, muss die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli Antworten geben. Und sie findet, sie habe diese. Persönlich will sie bei Asyl-Diskussionen nur hinstehen, wenn es politisch wird.

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Bildlegende: Regierungsrätin Susanne Hochuli hat in ihrem Büro eine Schreibwand. Darauf stehen Sinnsprüche rund um die Politik. SRF

Vom Bundesgericht bei den Spitaltarifen zurückgepfiffen und vom Grossen Rat im Regen stehen gelassen bei der familienexternen Kinderbetreuung – politisch gesehen war 2014 für Susanne Hochuli ein Jahr der Niederlagen.

Aber Politikverdruss scheint es bei ihr nicht zu geben. Im Gespräch wirkt sie motiviert und engagiert, auch wenn es um das heisseste Eisen in ihrem Departement geht, das Asylwesen.

Das hat vielleicht damit zu tun, dass Susanne Hochuli sich immer wieder gezielte Auszeiten nimmt um Abstand zu gewinnen. Sie reist dann jeweils ins Ausland, am besten möglichst weit weg. Und bei der Rückkehr sieht sie die politischen Probleme im Aargau dann wieder mit anderen Augen.

«  Shanghai war mir zu gross. Dort sieht man, was Dichtestress wirklich heisst.  »

Susanne Hochuli
Aargauer Regierungsrätin

2014 reiste Hochuli nach China, wo sie die Grossstadt Shanghai (15 Mio. Einwohner) besuchte. «Dort habe ich gemerkt, dass ich wirklich ein Landei bin», lacht die in Reitnau wohnhafte Regierungsrätin, Reittherapeutin und Biobäuerin. «Es gibt schon Probleme bei uns, die wir lösen müssen. Aber wenn ich Länder sehe, wo man nur schon froh sein muss, wenn man sauberes Wasser hat, merke ich immer wieder, wie gut es uns doch geht.»

Im Asylwesen ist Verständnis zentral

Mit dem Blick fürs Grosse kann sich Hochuli dann wieder leichter dem Asyl-Thema annehmen. Von ihr zu erwarten, dass sie alleine all die Herausforderungen auf diesem schwierigen Terrain lösen könne, findet sie grundsätzlich falsch. «Die Ursache des Problems liegt darin, dass es anderen Menschen auf der Welt nicht so gut geht wie uns.»

Aber Hochuli will zumindest dafür sorgen, dass der Kanton Aargau seine Aufnahmepflicht für Asylbewerber anständig erfüllt. Und es laufe in diesem Bereich besser als auch schon, ist die Regierungsrätin überzeugt

«  Es wird immer Leute geben, die auf der Flucht sind, vor was auch immer. Unsere Aufgabe ist es, in unserem Land zu schauen, dass wir mit dieser Herausforderung umgehen können. »

Susanne Hochuli
Aargauer Sozialdirektorin

Hochuli verweist auf die neue Unterkunft in Zofingen, aus ihrer Sicht ein Vorzeigeprojekt. Bis zu 170 Menschen können dort einquartiert werden. Alle Beteiligten – Stadt, Kanton, Spital Zofingen – hätten sehr gut zusammengearbeitet. Das hört man nicht nur von Susanne Hochuli, sondern auch von der Stadt Zofingen.

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Bildlegende: 2009 wurde Susanne Hochuli in den Aargauer Regierungsrat gewählt. Sie ist sie u. a. für das Asylwesen zuständig. Keystone

Hat Susanne Hochuli etwas gelernt aus früheren Konflikten, zum Beispiel aus dem Aufruhr in Bettwil? Was sagt sie zum häufig gehörten Vorwurf, sie kommuniziere schlecht und verstecke sich hinter Leuten aus der Verwaltung? «Ich stehe schon hin und sage, worum es geht. Aber ich will nicht operative und politische Aspekte vermischen. Ich äussere mich nur bei den politischen Aspekten.»

Selbstwertgefühl ist wichtig

Susanne Hochuli hat schon oft erlebt, dass eine Gemeinde das Gespräch verweigert hat. Solche Momente bedrücken sie. Aber ihr Gesicht hellt sich auf, wenn sie davon spricht, wie wertvoll für sie direkte Kontakte zu Asylbewerbern sind.

Auf ihrem Hof in Reitnau hat sie eine Wohnung, die an Asylbewerber vermietet ist. Es ist eine Frau aus Angola mit ihren zwei kleinen Kindern. «Im Gespräch mit ihr merke ich immer wieder, wie belastend das Verfahren für die Asylbewerber ist.»

Es sei die Abhängigkeit von Hilfe, die schwierig sei für die Menschen. Wichtig sei, ihnen die Selbstständigkeit zurückzugeben, denn damit sei auch ein Wert verbunden, das Selbstwertgefühl.