Kanton Aargau sucht Asylunterkünfte und verkauft Häuser

Überall im Aargau ist der Platz knapp für Asylbewerber. Die kantonalen Unterkünfte sind überfüllt. Als Notmassnahme werden Geschützte Operationsstellen in Baden und Muri bezogen. Warum verkauft der Kanton dann momentan grosszügige Liegenschaften in Aarau und Windisch?

Gleich fünf Häuser verkauft der Kanton an der Westallee in Aarau. Sie liegen im beliebten Göhnhard-Quartier. Es sind repräsentative Ein- und Zweifamilienhäuser. Sie haben bis zu elf Zimmer und 250 Quadratmeter Wohnfläche. Zu jeder Liegenschaft gehört viel Umschwung.

Welch ein Kontrast zur Situation in den kantonalen Unterkünften für Asylbewerber! Diese sind voll bis übervoll. Zum Teil leben die Flüchtlinge in Zelten. In Baden mussten sie kürzlich die Geschützte Operationsstelle des Kantonsspitals (Gops) beziehen. Und in Gränichen will der Kanton den ehemaligen Führungsbunker der Regierung zu einer Unterkunft ausbauen.

Der Kanton will Grossunterkünfte

Einerseits Bunker füllen und andererseits eigene Liegenschaften abstossen – warum diese Strategie? Warum verwendet der Kanton seine sechs Häuser in Aarau und die zwei in Windisch nicht als Asylunterkünfte?

Zuständig für die Häuser ist das Departement Finanzen und Ressourcen und dort die Abteilung Immobilien Aargau. Chef dieser Abteilung ist Kantonsbaumeister François Chapuis. Die Liegenschaften würden sich nicht als Aslyunterkünfte eigenen, sagt er und nennt folgende Gründe:

  • Die Häuser sind vermietet. Die Mieter sind geschützt durch Verträge. Der Verkauf bricht Miete nicht.
  • Die Häuser sind strukturell nicht geeignet als Unterkünfte für Asylbewerber. Das Departement Gesundheits und Soziales will grosse Unterkünfte, weil diese betrieblich einfacher zu organisieren sind.

Überflüssige Landreserve

Der Kanton Aargau besitzt die Liegenschaften, weil er sie einst aus strategischen Überlegungen kaufte. Die Häuser in Aarau liegen gleich neben dem Kantonsspital. Dieses hegte einst Pläne für einen grossen Ausbau. Dazu erwarb man die Häuser bzw. das dazugehörige Land.

Unterdessen ist eine Vergrösserung des Spitalareals kein Thema mehr. Deshalb macht auch die Landreserve keinen Sinn mehr. Ähnlich der Fall in Windisch: Die Häuser dort liegen in der Nachbarschaft der Fachhochschule. Auch hier hatte man sie als Landreserve erworben. Jetzt braucht man sie nicht mehr.

Der Regierungsrat hat schon 2013 entschieden, dass Immobilien Aargau alle «nicht betriebsnotwendigen Liegenschaften» verkaufen muss. Das Finanzdepartement setzt diesen Beschluss nun um. Es hat mit dem Verkauf die Firma André Roth AG aus Baden beauftragt.

Zweistufiges Bieterverfahren

Diese hat die Häuser ausgeschrieben auf Internet-Portalen. Genannt wird ein Mindestverkaufspreis. Dieser reicht von ca. 800'000 Franken bis zu 1.4 Millionen. Wie viel der Kanton am Schluss einnimmt mit dem Verkauf, weiss man nicht. Die Häuser werden nämlich in einem zweistufigen Verfahren an den Meistbietenden verkauft.

In der ersten Runde kann man ein Gebot machen. Dieses muss mit einem Finanzierungsnachweis beim Makler eingereicht werden. Alle Bieter erhalten dann eine Liste mit den gebotenen Preisen. In einer zweiten Runde können sie dann entscheiden, ob sie ein zweites Angebot machen oder aussteigen wollen.