Kanton Aargau: Wer betreut in Zukunft Asylsuchende?

Der Kantonale Sozialdienst wird umstrukturiert: Er erhält neu eine Unterabteilung für den Asylbereich. Für diese Abteilung wird nun eine Führungsperson gesucht. Und diese wird dann vielleicht gleich ihr Betreuungspersonal auf die Strasse stellen müssen.

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Bildlegende: Erstaufnahmezentrum in Buchs: Hier ist der kantonale Sozialdienst zuständig für die Betreuung. Aber wie lange noch? Bähram Alagheband/SRF

Im Kantonalen Sozialdienst (KSD) stehen grosse Veränderungen an. Anfang Oktober erhält der KSD einen neuen Leiter, er heisst Stefan Ziegler. Momentan wird der KSD interimistisch geführt. Im Februar kündigte nämlich die bisherige Stelleninhaberin Knall auf Fall.

Die protestierte damit dagegen, dass man ihr das Asylwesen weggenommen hatte. Die zuständige Regierungsrätin Susanne Hochuli hatte damals das Asylwesen direkt ihrem Generalsekretär unterstellt. Sie reagierte damit auf einen Zeitungsbericht, der den Verdacht äusserte, bei Einkäufen für Einrichtungen von Asylunterkünften sei Vetternwirtschaft im Spiel gewesen. Später stellte sich heraus, dass die Vorwürfe unberechtigt waren.

Aus Sicht der KSD-Leiterin war sie von ihrer Chefin fallen gelassen worden, und deshalb reichte sie ihre Kündigung ein. Ihr taten es weitere und im Asylwesen sehr erfahrene KSD-Mitarbeitende gleich.

Spannungen im KSD

Dem Vernehmen nach ist seither die personelle Situation im KSD sehr angespannt. Das Betriebsklima habe sich verschlechtert, ist im Gespräch mit KSD-Personal zu hören.

Und die Stimmung könnte sich in nächster Zeit noch weiter verschlechtern. Seit längerem kursieren nämlich Gerüchte, der KSD könnte seine Kernaufgabe, die Betreuung von Asylsuchenden, verlieren. Sie hätten gehört, diese Aufgabe werde vielleicht an eine externe Firma ausgelagert, erzählen KSD-Angestellte.

Dass es sich dabei nicht nur um Gerüchte handelt, bestätigt nun eine Mitteilung der Regierung. Sie informierte am Donnerstag darüber, dass für die neue Unterabteilung Asylbereich innerhalb des KSD eine Leiterin oder ein Leiter gesucht wird.

Betreuung von Asylsuchenden extern vergeben?

Und weiter steht in der Mitteilung: «Die Frage, ob die Betreuung der Asylsuchenden Kernaufgabe der neuen Unterabteilung bleiben wird oder ob die Betreuung ganz oder teilweise extern vergeben wird, wird der Regierungsrat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Allfällige Veränderungen, die sich daraus ergeben, werden von der neuen Abteilungsleitung und der neuen Unterabteilungsleitung mit entsprechendem zeitlichem Vorlauf geplant und umgesetzt.»

Im Stelleninserat «Leiter/in der Unterabteilung Asyl 100%» wird «sicheres Auftreten, Verhandlungsgeschick, Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen sowie Entscheidungs- und Umsetzungsvermögen» verlangt.

Diese Fähigkeiten wird die neue Leitungsperson brauchen können, wenn sie eventuell als eine der ersten Amtshandlungen die Betreuung von Asylsuchenden, also die Kernaufgabe der Abteilung, extern vergeben muss.

Betroffen von dieser Massnahme wären mehrere hundert Personen. Auf Anfrage beim zuständigen Departement heisst es, dass bei einer Externalisierung diese nicht automatisch auf der Strasse stehen würden. Erstens sei momentan Personal im Asylwesen sehr gesucht. Und zweitens könnte man einem privaten Anbieten die Auflage machen, den bisherigen KSD-Angestellten ein Stellenangebot zu unterbreiten.

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Bessere Betreuung minderjähriger Asylsuchender

2:40 min, aus Schweiz aktuell vom 6.3.2015