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Aargau Solothurn Kebag Zuchwil: Neubau für über 400 Millionen Franken

Die zweitgrösste Kehrrichtverbrennungsanlage der Schweiz hat Grosses vor: Die Kebag (Kehrichtbeseitigungs-AG) im solothurnischen Zuchwil will ihre Anlage komplett neu bauen. Das hat wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Ein Nachteil könnte sein, wie das neue Gebäude aussieht.

Nur die Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz der Stadt Zürich ist grösser als jene in Zuchwil. 220'000 Abfall verbrennt die Kebag AG jedes Jahr. 184 Solothurner und Berner Gemeinden liefern ihren Abfall in die Anlage am Zusammenfluss von Emme und Aare.

Kehrichtverbrennungsanlagen der Region

Ort
Angeschlossene
Einwohner/innen
Kehricht
in Tonnen/Jahr
Zuchwil (SO)
495'000220'000
Buchs (AG)
285'000120'000
Turgi (AG)
215'000120'000
Oftringen (AG)
180'00065'000

Schon seit 40 Jahren wird in Zuchwil Abfall verbrannt. Immer wieder wurde ausgebaut und saniert. Jetzt aber seien die Anlagen an ihrem Lebensende, sagt Kebag-Direktor Markus Juchli zu Radio SRF: «Es ist wie bei einem Auto. Man kann zwar den Motor auswechseln. Aber irgendeinmal ist die Karosserie trotzdem durchgerostet und man braucht ein neues Auto.»

Vorteil: Effizienter und umweltfreundlicher

Deshalb will die Kebag AG einen Neubau aufstellen. In 10 Jahren, wenn die alte Anlage 50-jährig sein wird, soll die neue Kebag in Betrieb gehen. Am Montag hat die Kebag zusammen mit dem Kanton Solothurn über die Pläne und den dazugehörenden Gestaltungsplan informiert.

Die Vorteile des Neubaus:

  • Die bestehende Anlage kann weiterbetrieben werden, bis die neue einsatzbereit ist.
  • Dank neuer Technologie kann aus der gleichen Menge Abfall 10 Prozent mehr Energie gewonnen werden (Strom, Fernwärme)
  • Die neue Anlage ist umweltfreundlicher. Je nach Schadstoff gibt es bis zu 50 Prozent weniger Emissionen.

Alpiq muss zügeln

Die neue Kerichtverbrennungsanlage soll südlich der bisherigen Kebag gebaut werden. Sie kommt damit näher an die Kantonsstrasse Luterbach-Zuchwil heran. Der Platz gehört der Alpiq Hydro AG. Die Verhandlungen über den Verkauf seien am Laufen, sagte Kebag-Direktor Juchli am Montag.

Die Alpiq braucht den Platz, um Kies zu lagern. Regelmässig baggert die Alpiq das Kies aus der nebenan gelegenen Emme, damit es nicht in die Aare und ins Flusskraftwerk Flumenthal gelangt. Gemäss dem Gestaltungsplan soll das nasse Kies künftig weiter östlich auf einem kleineren Platz direkt neben der Emme gelagert werden, bevor es nach einigen Tagen des Trocknens abtransportiert werden kann.

Nachteil: Besser sichtbar

Am neuen Standort auf dem jetzigen Kiesplatz wird die neue Kebag besser sichtbar sein. Das könnte von Zuchwilern und Luterbachern als Nachteil gesehen werden:

  • Um den Neubau zu realisieren, müssen viele Bäume gerodet werden, welche die heutige Kebag zum Teil verdecken.
  • Die neuen Gebäude werden viel höher, statt 35 Meter sind sie 55 Meter hoch.

Die neue Anlage sei schon «relativ gross», meint Kebag-Direktor Markus Juchli. Das sei aber nicht anders machbar: «Wir haben eine grössere Rauchgasreinigung und eine höhere Energienutzung. Das braucht alles Platz». Mehr in die Breite bauen kann man die Anlage nicht, weil das Grundstück auf der einen Seite von der Emme, auf der anderen Seite von Landwirtschaftsland begrenzt ist.

Die heutige Kebag sei «keine optische Perle», gibt Juchli zu. Damit die neue Anlage schöner aussieht als die bestehende, stellt er einen Architekturwettbewerb in Aussicht. Drei Teams sollen Vorschläge liefern, wie die neue Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) aussehen könnte. «Eine KVA kann durchaus auch schön aussehen», meint der Kebag-Direktor und nennt die neugebauten Anlage in Bern-Forsthaus und Perlen-Root als Beispiele.

Ein Drittel selber finanzieren

Die Kebag rechnet mit Baukosten in der Höhe von 400 bis 450 Millionen Franken. Ein Drittel will die Kebag selber finanzieren. Seit 15 Jahren legt sie für den Neubau Geld zur Seite. Die Sackgebühr für die angeschlossenen Gemeinden soll nicht erhöht werden. Zwei Drittel der Baukosten will die Kebag fremdfinanzieren, via Kredite von Banken oder via Obligationen, welche die Kebag herausgeben könnte.

Die Kebag gehört 135 Solothurner und Berner Gemeinden. Markus Juchli geht davon aus, dass diese Aktionärs-Gemeinden dem Baukredit zustimmen werden. Geplant ist dies für die Generalversammlung im Juni 2017.

Neuer Gestaltungsplan nötig

Bereits im Mai wurden der Gestaltungs- und Zonenplan mit Sonderbauvorschriften, der Raumplanungsbericht und der Umweltverträglichkeitsbericht zur Vorprüfung an den Kanton geschickt. Die Gemeinden Zuchwil und Luterbach wurden über das Projekt orientiert und haben bis Ende August 2016 Zeit, Stellung zu nehmen.

Einzelpersonen haben bis zum 15. Juni 2016 die Möglichkeit, Änderungsvorschläge einzubringen. Voraussichtlich im Januar 2017 wird dann der Gestaltungs- und Zonenplan während dreissig Tagen öffentlich aufgelegt.

Neubau, nicht Ausbau

Die neue Kebag ist ein Ersatz der bestehenden Anlage. Sie wird nicht mehr Abfall verbrennen als heute. Die Kapazität bleibt bei rund 220'000 Tonnen pro Jahr. Der Neubau hat deshalb keine Auswirkungen auf andere Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz.

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