Künftig sind im Aargau wohl weniger Pflegeplätze nötig

Im Aargau soll der Richtwert gesenkt werden, wenn es um die Anzahl Pflegeplätze geht. Der Kanton Aargau reagiert damit auf mehrere Regionalverbände, welche den kantonalen Richtwert als zu hoch ansehen. Dazu gehören beispielsweise Zofingen oder Baden.

ag Bedarfsplanung stationäre Langzeitpflege im Aargau Der Kanton Aargau definiert einen Richtwert dafür, wie vielen Menschen über 80 Jahren ein Platz in einer stationären Pflegeeinrichtung zur Verfügung stehen soll. Dieser Wert wird in Prozent ausgedrückt, entspricht also dem Anteil der über 80-Jährigen, dem im Aargau ein Pflegebett zur Verfügung stehen soll. Während dieser Richtwert künftig weiter sinkt, steigt der Anteil der älteren Bevölkerung im Aargau an, was in der Grafik deutlich sichtbar ist.

Für die Region Zofingen wird es teuer, wenn sie auch künftig die vom Kanton geforderten Plätze in Pflegeheimen bereitstellen muss. Das sagt der Regionalverband Zofingenregio und hat von einem externen Planungsbüro die Kosten ausrechnen lassen.

«  Wir müssten bis in 20 Jahren rund 170 Millionen Franken investieren. »

René Wullschleger
Vorsitzender der Steuerungsgruppe «Pflegegesetz» bei Zofingenregio und Vize-Ammann Oftringen

Laut René Wullschleger vom Regionalverband Zofingenregio wären über 500 zusätzliche Pflegeplätze nötig. Für die Region sei das sehr viel. Zu Zofingenregio gehören neben Zofingen auch Oftringen, Aarburg, Strengelbach, Brittnau, Vordemwald und Murgenthal.

Der Verband hat deshalb nun eine Studie in Auftrag gegebenm, um ein Pflegeplatz-Angebot zu schaffen, das weniger kostet und «bedarfsgerecht» ist, heisst es am Dienstag in einer Medienmitteilung von Zofingenregio. Konkret möchte der Verband eine tiefere Quote als jene des Kantons. Bis anhin gibt der Kanton im Pflegeheimkonzept vor, dass aktuell für gut 23 Prozent aller Personen im Aargau ab 80 Jahren ein Platz in der stationären Langzeitpflege vorhanden sein soll.

Pflegerinnen in einem Pflegeheim helfen einem pflegebedürftigen Senior aus dem Bett. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Regionale Unterschiede erschweren im Aargau die Bedarfsplanung für Plätze in Alterspflegezentren (Symbolbild). Keystone

Gleich mehrere positive Signale vom Kanton

Der Kanton ist dem Anliegen der Region Zofingen gegenüber positiv eingestellt, heisst es beim Sprecher des zuständigen Departements, Balz Bruder. «Es müssen verschiedene Punkte erfüllt sein für eine solche Regelung. Wir gehen davon aus, dass diese Anforderungen im Falle der Region Zofingen erfüllt sind», so Bruder.

Das kantonale Departement Gesundheit und Soziales will sogar noch weiter gehen, heisst es auf Anfrage des Regionaljournals Aargau Solothurn. Man werde den kantonalen Richtwert spürbar senken, weil er tatsächlich zu hoch sei. Ausserdem gebe es weitere Regionen wie Zofingen – zum Beispiel Baden – die ebenfalls einen eigenen und damit tieferen Richtwert haben möchten.

Der Kanton verlangte bis anhin im Pflegeheimkonzept, dass für gut 23 Prozent aller Personen im Aargau ab 80 Jahren ein Platz in der stationären Langzeitpflege vorhanden sein soll. Es können aber Ausnahmeregelungen getroffen werden, für einzelne Regionen. Eine solche hat der Kanton bereits für das Fricktal getroffen: Diese Region darf sich nach einer tieferen Quote richten.

Das möchte nun auch der Regionalverband Zofingenregio. Er möchte auf diese Weise ganz grundsätzlich Kosten sparen. Obwohl die Menschen immer älter werden und damit eigentlich immer mehr ältere Menschen Pflegeplätze brauchen, wollen viele nicht stationär sondern ambulant zu Hause gepflegt werden.

Spitex in der Region stärken

Hier kommt die Spitex ins Spiel, welche der Regionalverband künftig stärken und professionalieren möchte. Das sei immer noch günstiger als über 500 Pflegebetten anbieten zu müssen, so René Wullschleger.

Die positiven Signale des Kantons Aargau kommen übrigens auch beim Verband der Aargauer Pflegeheime gut an. Daniel Suter ist der stellvertretende Geschäftsführer des «Vaka», welcher die Interessen vertritt von 110 öffentlichen und privaten stationären Leistungserbringern im Kanton Aargau. «Wir begrüssen, dass der kantonale Richtwert nach unten angepasst wird und dass die Regionalplanungsverbände eigene Richtwerte entwicklen», erklärt Suter auf Anfrage.