Langfristig gute Perspektiven für Aargauer Wirtschaft

Das Aargauer Gewerbe beklagt sich über schwierige Rahmenbedingungen, zum Beispiel über mangelnde Kredite. Der NAB-Konjunkturexperte Konstantin Giantiroglou sieht zwar auch Probleme für die Wirtschaft. Generell zeigt er sich aber optimistisch, vor allem auch wegen der Hochtechnologie-Branche.

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Bildlegende: Gute Aussichten für das Aargauer Gewerbe. Ein Arbeiter in einer ABB-Fabrik. Keystone

Regionaljournal Aargau Solothurn: Das Aargauer Gewerbe hat sich in einer Umfrage darüber beklagt, dass es zu wenig günstige Kredite für das Gewerbe gibt. Können Sie sich diesen Eindruck erklären?

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Bildlegende: Konstantin Giantiroglou ist bei der NAB-Chefökonom zvg

Konstantin Giantiroglou: Nein, diesen Eindruck kann ich mir nicht erklären. Die Praxis der Neuen Aargauer Bank NAB hat sich bezüglich der Kreditvergabe nicht geändert. Wenn möglich geben wir das tiefe Zinsniveau weiter.
Die Problematik der Investitionen beschränkt sich nicht nur auf den Aargau, sondern ist ein globales Problem. Es gibt Unsicherheiten, z.B. wegen der Eurokrise, auch bei Unternehmern und jenen Personen, die für Investitionen verantwortlich sind. Man weiss nicht, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Kommt wieder eine Krise auf uns zu?

Regionaljournal Aargau Solothurn: Sie sind Experte für Konjunkturanalysen, wo sehen sie 2016 Chancen für den Aargau?

Konstantin Giantiroglou: Die Aargauer Wirtschaft wird im weniger konjunktur-abhängigen Bereich weiterhin sehr gut wachsen. Die Zukunft sehe ich in Unternehmen im High-End-Bereich, da dort die Arbeitskosten eine kleinere Rolle spielen. Und da hat der Aargau mit der Bildungsoffensive bereits den Grundstein gelegt.

Regionaljournal Aargau Solothurn: Der Kanton Aargau will sich langfristig als Hightech-Kanton profilieren. Sehen sie bereits konkrete Resultate dieser Strategie?

Konstantin Giantiroglou: Das wird ein längerer Prozess. Positiv ist, dass einzelne Pharmaunternehmen, z.B Novartis, ihren Standort ausgebaut haben oder dies noch planen. Diese Investitionen sind ein Bekenntnis für den Aargau. Man findet hier qualifizierte Arbeitnehmer.
Wir sehen viel Potiential im Wissensaustausch bei Unternehmen mit 100 bis 300 Mitarbeitern. Hier gibt es Bestrebungen, z.B. vom Paul Scherrer Institut. Auch die Fachhochschulen in Brugg und Olten werden versuchen, den Wissenstransfer noch besser sicherzustellen.

Regionaljournal Aargau Solothurn: Im Aargau ist auch die Strombranche stark vertreten. Wie sind ihre Zukunftsaussichten?

Konstantin Giantiroglou: Hier spielt der Strompreis eine wichtige Rolle. Dieser ist auch konjunkturell bedingt und massiv gesunken. Ich denke, dass die Strompreise wieder steigen werden, sobald sich die europäische und die Schweizer Wirtschaft etwas erholt.
Es gibt klar den Trend zu einer Dezentralisierung, es kommen kleine, dezentrale Quellen zum Zug. Das gilt sehr stark für Deutschland, wo dieser Wechsel gefördert wird. Dies hat zu einem regelrechten Kollaps des Strompreises geführt.

Regionaljournal Aargau Solothurn: Schauen wir auf konkrete Unternehmen. Wie sieht es bei ABB und Alstom aus?

Konstantin Giantiroglou: Die Aussichten sind für beide Unternehmen sehr gut. Vor allem die neueren Technologien im Strombereich und die intelligenten Netze, hier gibt es sehr viele Möglichkeiten für beide Unternehmen.