Mehr Gestaltungs-Spielraum für elf Aargauer Schulen - ein Versuch

Die Aargauer Volksschulen sollen mehr Spielraum beim Einsatz der Ressourcen, also der zugeteilten Lektionen, erhalten. Das kantonale Bildungsdepartement startet zusammen mit elf Versuchsschulen im kommenden Sommer einen zwei Jahre dauernden Probelauf.

Die Versuchsschulen würden mehr Einfluss erhalten und mehr Verantwortung tragen, sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) am Dienstag vor den Medien in Aarau. Diese Schulen könnten die vom Kanton zugeteilten Ressourcen frei und gezielt einsetzen.

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Bildlegende: Regierungsrat Alex Hürzeler informiert über am Dienstag über den Aargauer Schulversuch. Stefan Brand/SRF

Die 220 Volksschulen erhalten im Aargau derzeit jedes Jahr eine genaue Zahl von Lektionen für bestimmte Aufgaben zugeteilt. Die Schulen müssen dem kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) entsprechende Anträge stellen. Die gesprochenen Lektionen müssen zum vorgegebenen Zweck eingesetzt werden.

Es geht etwa um Wahl- und Wahlpflichtfächer, um Kleinklassen, Deutsch als Zweitsprache oder um die Begabtenförderung. Diese komplexe Struktur sei historisch gewachsen und führe bei den Schulen zu Einschränkungen, erläuterte Hürzeler.

Pauschale Zuteilung der Lektionen

Mit dem Versuch «Neue Ressourcierung Volksschule» soll dieser starre Raster aufgelöst werden. Die Versuchsschulen erhalten alle Lektionen pauschal zugeteilt und sind dann frei, für welche Angebot sie diese verwenden wollen. Die Schulen vor Ort müssen eigenständig für ein adäquates Bildungsangebot garantieren.

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Schulversuch mit elf Gemeinden

Schulversuch mit elf Gemeinden

Elf Schulen aus dem ganzen Kanton nehmen freiwillig am Versuch teil. Dazu gehören Brittnau, Gebenstorf, Herznach, Hirschthal, Lupfig, Muri sowie die Kreisschulen Regio Laufenburg, Rohrdorferberg und «Chrüzlibach» (Rekingen, Baldingen, Mellikon usw.). 30 Schulen hatten sich für die Teilnahme am Versuch beworben.

Der Bildungsdirektor sieht den Versuch als eine konsequente Weiterentwicklung der geleiteten Schulen. Mit den Schulleitungen gebe es Profis, die mit dem Eigenheiten und Bedürfnissen ihrer Schule bestens vertrauen seien.

Es gehe um einen gezielten Einsatz für den grösstmöglichen Nutzen in der Volksschule, erläuterte Hürzeler weiter. Die Schulen sollten mehr Einfluss auf die Gestaltung, Wirkung und Qualität erhalten. Gleichzeitig würden die Schulen mehr Verantwortung übernehmen.

Beim Versuch müssen die Schulen weiterhin gewährleisten, dass die vorgegebenen Stundentafeln pro Klasse eingehalten werden. Darüber hinaus können sie die Lektionen abgestimmt auf ihre lokalen Bedürfnisse und Eigenheiten einsetzen.

Neue Spielregeln für alle frühestens 2020/21

Am zwei Jahre dauernden Schulversuch beteiligen sich elf Schulen, die sich über den gesamten Kanton verteilen. Bei diesen Volksschulen mit unterschiedlichen Stufen geht es pro Jahr um eine Summe von rund 40 Millionen Franken. Die insgesamt 220 Volksschulen im Aargau führen zu Kosten von 800 Millionen Franken.

Wenn eine Versuchsschule das zugeteilte Geld nicht vollständig verwendet, so kann sie bis zu fünf Prozent der Gesamtsumme ins nächste Schuljahr übernehmen, wie Projektleiter Adrian Elsener sagte.

Die Erfahrungen mit den Versuchen zur Ressourcierung der Volksschule sollen genau ausgewertet werden. Frühestens mit dem Schuljahr 2020/21 sollen für alle Schulen die neuen Spielregeln gelten.

(Bildnachweis: Keystone)