Qualitätskontrollen an Schulen unter Beschuss

Lehrer und Schulpfleger protestieren gegen Leistungschecks und externe Schulevaluationen: Die Qualitätskontrollen an Schulen seien zu aufwändig oder gar unnötig. Die Bildungsdepartemente der Nordwestschweiz wehren sich.

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Bildlegende: Qualitätskontrollen an Schulen: Geldverschwendung, sagt ALV-Präsident Stöckli. Dringend nötig, sagt das Departement. Keystone

Alle Drittklässler in der Nordwestschweiz mussten in den vergangenen Wochen zu einheitlichen Tests antraben. Mit den Prüfungsfragen sollen Schüler und Lehrer feststellen, wie gut der Unterricht gefruchtet hat. Beat Zemp, Präsident des Schweizerischen Lehrerverbandes und wohnhaft im Kanton Baselland, geht nun auf die Barrikaden: Mit den einheitlichen Tests würden Äpfel mit Birnen verglichen, moniert er gegenüber Radio SRF.

«Schüler aus bildungsfernen Schichten haben ganz andere Voraussetzungen, sie können nicht auf dasselbe Leistungsniveau kommen wie andere Schüler.» Zudem befürchtet Zemp, die Resultate der Tests könnten an die Öffentlichkeit gelangen, ein «Ranking» von guten und schlechten Schulen wäre die Folge. «Ich will keine Schulen am Pranger», so Zemp.

Kritik an externer Schul-Evaluation

Allerdings haben die vier Kantone Aargau, Solothurn und die beiden Basel in ihren Gesetzen festgeschrieben, dass die Testresultate nur an Schüler, Klassenlehrer und Schulleitung gelangen dürfen. «Ein öffentliches Ranking ist verboten», erklärt Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule im Aargau gegenüber Radio SRF.

Auch im Aargau gibt es Kritik an Kontrollen. In der «Aargauer Zeitung» beschweren sich Fricktaler Schulpfleger über den grossen Aufwand für die externe Schul-Evaluation. Externe Fachleute führen dabei Interviews an den Schulen und prüfen Klima, Führungsstil oder Qualitätsmanagement der Schulen. Der Aargauer Lehrerverbandspräsident Nicklaus Stöckli stützt diese Kritik.

«Es wird viel zu viel getestet. Das Sprichwort stimmt immer mehr: Eine Sau wird auch nicht feisser, wenn man sie häufiger wägt.» Stöckli schlägt Radikales vor: Um im Bildungsbereich zu sparen, könne man alle Tests streichen und die Evaluation massiv kürzen.

Qualitätssicherung zu Gunsten der Schulen

Christian Aeberli im Bildungsdepartement widerspricht: «Der Aargau gibt 800 Millionen Franken jährlich für Bildung aus. Da ist es durchaus gerechtfertigt, wenn man auch etwas für die Qualitätssicherung investiert.» Aeberli betont, dass die Evaluation und die Leistungschecks nicht Kontrollen «des Kantons» seien. Die Resultate kämen den Schulen zugut, der Kanton führe die Tests nur durch und helfe bei der Lösung allfälliger Probleme.

Aeberli zeigt allerdings auch Verständnis für die Kritik. Der Aufwand sei tatsächlich relativ gross, vor allem die erste Runde der externen Evaluation habe viele Schulen an ihre Grenzen gebracht. «Die zweite Runde macht nun schon viel weniger Probleme», beruhigt Aeberli. Und fügt an: «Ich verstehe das Unbehagen der Lehrer, es hat in den letzten Jahren viele Neuerungen gegeben.»

Die Kritik dürfte so bald nicht verstummen. Die Schule befindet sich im Wandel - und Wandel erzeugt auch immer Stress.

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