Regierungswahl Aargau: Können nur Frauen punkten?

Mit Susanne Hochuli verlässt die einzige Frau die Regierung. Alle politischen Lager sind der Ansicht, es müsse wieder eine Frau in der Regierung vertreten sein. Doch das Kriterium Frau allein genügt nicht. Auch Allianzen braucht es.

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Bildlegende: Wie viel Frauenpower braucht die Aargauer Regierung? Colourbox

Die Grünen Aargau stehen fast etwas tragisch da in der heissen Phase des Regierungswahlkampfes. Mit Susanne Hochuli verlässt die einzige Frau die Regierung. Und wen schicken die Grünen ins Rennen? Robert Obrist, ein Mann, soll die Kohlen aus dem Feuer holen.

Vier andere Parteien wollen den Grünen den frei werdenden Sitz abspenstig machen: SVP, BDP, GLP und SP. Alle schicken Frauen ins Rennen. Sie rechnen sich mit weiblichen Kandidaturen grössere Chancen aus. «Wir können uns eine Regierung ohne Frau nicht vorstellen», sagt zum Beispiel Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP Aargau, gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn im Interview.

Seine Kandidatin ist Yvonne Feri. Eine Frau mit einem grossen politischen Rucksack. Auch die GLP geht mit einer Frau ins Rennen. Ruth Jo Scheier hat sich zu einer Kandidatur durchgerungen. Über sie sagt Beat Hiller, Präsident der GLP Aargau: «Wir haben eine Frau, wir haben eine erfahrene Frau. Und wir haben eine Frau, die ihre Arbeit macht im Grossen Rat.» Scheier ist seit sieben Jahren im Grossen Rat.

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Regierungsrat und Frauen

In der Geschichte des Aargaus waren erst zwei Frauen in der Regierung:

  • Stephanie Mörikofer, FDP (1993–2001, Gesundheits- und Finanzdepartement, Abwahl Nov. 2000)
  • Susanne Hochuli, Grüne (2009–2016, Departement Gesundheit und Soziales)

Erfahrung ist wichtig

Doch nur das Kriterium Frau genügt wohl nicht, um den Sitz von Susanne Hochuli zu holen. Das zeigt sich an der Kandidatur der SVP. Sie portiert Franziska Roth, Präsidentin des Bezirksgerichts Brugg. Ihr Problem: Sie hat praktisch keine politische Erfahrung.

Auf ihrer Website ist kein einziges politisches Mandat aufgelistet. Und klickt man dort auf den Menüpunkt «Meine Meinung», erscheint eine leere Seite.

Weil ihre Kandidatin ein politisches Leichtgewicht ist, versucht die SVP, Unterstützung von anderen Parteien zu bekommen. Die SVP wollte eine bürgerliche Wahlallianz von FDP, CVP und SVP schmieden. Doch seit Freitag ist klar: Diese Allianz gibt es definitiv nicht.

Die FDP teilte nämlich mit, dass sie «keine Personen anderer Parteien» zur Wahl empfehlen werde. Eine deutliche Absage also an die SVP.

Es braucht Allianzen zum Erfolg

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Eine Absage aber auch an die BDP. Diese hat gehofft, dass sie mit Maya Bally eine Frau portiert, die auch für die FDP wähl- und somit zu empfehlen sei. Allianzen sind also wichtig für einen erfolgreichen Wahlkampf. Das sieht auch SP-Co-Präsident Cédric Wermuth so, der das «Mittel-links-Lager» ansprechen will, also in die Mitte schielt.

Und auch GLP-Präsident Beat Hiller weiss, dass er ohne Allianz chancenlos ist. Seine Partei hat im Aargau noch knapp fünf Prozent Wähleranteil. Er hofft auf Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager. Denn seine Kandidatin, Ruth Jo Scheier, politisiere ja häufig auch bürgerlich.

Die Aargauer Parteien setzen also - zumeist - auf zwei verschiedene Erfolgsrezepte für die Regierungsratswahlen am 23. Oktober: Erstens brauche es eine Frau, finden die meisten. Und zweitens braucht es Allianzen über die Parteigrenzen hinweg.

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