Schwacher Euro bringt Milchbauern in eine schwierige Lage

Am 1. Februar 2015 hat Emmi als grösster Schweizer Milchverarbeiter den Milchpreis auf 53 Rappen gesenkt, wegen des schwachen Euros. Für die Kantone Aargau und Solothurn ist dies ein weiterer herber Schlag. Und die Bauern fürchten sich nicht nur vor dem Milchpreis.

Der Milchpreis in der Schweiz war auch schon tiefer als jetzt, konstatiert Peter Brügger, Geschäftsführer des solothurnischen Bauernverbandes. «In den Jahren 2011 und 2012 betrug der Milchpreis ungefähr 50 Rappen.» Dennoch beunruhigt ihn der aktuelle Milchpreis von 53 Rappen und die weiteren Folgen des schwachen Euros.

«  Es gibt nichts Vergleichbares wie das, was jetzt an der Währungsfront passiert ist. »

Peter Brügger
Geschäftsführer des Solothurner Bauernverbandes

Der tiefe Milchpreis aufgrund des schwachen Euros sei keine Währungsschwankung, die irgendwann wieder in eine andere Richtung geht, sagt Brügger. Im Gegenteil: Er vermutet, dass die Talsohle noch nicht unbedingt erreicht ist. Das mache es auch schwierig, nach Lösungen zu suchen.

Sollen Milchbauern umsatteln?

Am stärksten betroffen vom schwachen Euro sind derzeit die Milchbauern. Doch gerade sie können laut Brügger nicht einfach so umsatteln. «Als Milchbauer muss man viel investieren, rund 20'000 Franken pro Kuh. Und da ist die Kuh selber noch gar nicht mit inbegriffen», erklärt er.

Peter Brügger während dem Interview im Studio Solothurn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Peter Brügger führt den solothurnischen Bauernverband und ist FDP-Fraktionsvizepräsident im Kantonsparlament Solothurn. SRF

Wenn ein Milchbauer nun von einem Tag auf den anderen aufhört, muss er dennoch Geld an die Bank zurückzahlen. Aufzuhören sei deshalb nicht so einfach möglich, meint Brügger, der auch als Kantonsrat für die FDP im Solothurner Parlament sitzt. Ein finanzielles Polster sei bei vielen Milchbauern ebenfalls nicht vorhanden – eben weil in dieser Branche so viele Investitionen nötig seien.

Nebenerwerb für Milchbauern?

Auch ein Nebenerwerb sei schwieriger zu finden als man denke, so Brügger. «Mit den Kühen hat man zwei feste Programmpunkte, am Morgen und am Abend. Ein zweiter Job ist da schier unmöglich.» Er wisse von Milchbauern, die das versucht haben, und am Schluss daran gescheitert sind und den Betrieb aufgegeben haben.

Braucht es also schliesslich weniger Betriebe, weil die aktuelle Situation das erfordert? Weniger Betriebe – das sei für die Schweizer Milchwirtschaft nicht erstrebenswert, glaubt Brügger. Denn: Gedanken übers Aufhören machen sich im Kanton Solothurn aktuell nicht die kleinen Betriebe, sondern die Grossen.

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Die Solothurner Bauern

Im Kanton Solothurn gibt es derzeit rund 1200 Bauernbetriebe. Davon sind rund 500 Milchbauern. Sie produzieren pro Jahr rund 100 Millionen Kilogramm Milch. Damit stehen liegen sie im schweizerischen Vergleich im Mittelfeld.

Auswirkungen auf Schweizer Milchwirtschaft

«Einige überlegen sich das ernsthaft, ob sie auf Mutterkuhhaltung umsteigen sollen», bestätigt der Langendorfer. Wenn jedoch die Grossen aussteigen, dann verlieren die Abnehmer ihre «interessanteren» Produzenten. Bei ihnen können sie an einem Ort viel Milch aufladen. Wenn die Grossen jedoch aussteigen, müssen die Abnehmer mehr Milch bei den kleinen Milchproduzenten abholen, was zu grösseren Sammel- und Transportkosten führt.

Aus der Sicht von Peter Brügger ist die Lage für die Solothurner Bauern derzeit angespannt. Eine Patentlösung gebe es nicht, «es braucht individuelle Lösungen», meint Brügger.

Brügger glaubt im Übrigen, dass der schwache Euro auch dazu führen wird, dass Produkte aus dem Ausland wie Gemüse, Früchte oder Getreide billiger in die Schweiz kommen, und damit für stärkere Konkurrenz für die Schweizer Bauern führen wird.

Biolandwirtschaft als Mittel gegen Importe aus dem EU-Raum?

Eine mögliche Lösung sieht Ruedi Weber, Biobauer aus Menziken und grüner Parlamentarier im Grossen Rat des Kantons Aargau. Er glaubt, dass Biobauern weniger unter dem schwachen Euro leiden werden, aus mehreren Gründen. «Das Label der Knospe wird für die Schweizer Konsumenten wichtig bleiben», glaubt Weber. Er rechnet mit «marginalen» Auswirkungen des Euros auf Bio-Produkte in der Schweiz.

Zudem hätten viele Biobauern in der Schweiz eine breite Produktepalette, «und dass gleichzeitig Getreide, Gemüse, Fleisch, Obst und Eier unter Druck geraten, das bezweifle ich», so Weber. Für ihn ist klar, dass Biolandwirtschaft nicht die Lösung für alle Probleme ist. Aber: «Es könnte eine Lösung sein, weil man als Biobauer ein Pionier ist, der sich am Markt orientiert. Und das gibt Stabilität.»