Selzach entschädigt Bergbauer für den Schulweg

Der Bergbauer Christoph Räuftlin droht, seine Kinder nicht mehr in die Schule zu schicken, falls ihm die Gemeinde nicht entgegen kommt. Für den Transport der Kinder und die Schneeräumung wird der Bergbauer aber schon jetzt mit mehr als 20‘000 Franken entschädigt.

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Bildlegende: Die Kinder der Familie Räuftlin müssen jeden Tag 13 Kilometer nach Selzach runter in die Schule fahren. Google Maps

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Breites Medienecho

Der Fall der Bergbauernfamilie Räuftlin hatte im November in der ganzen Schweiz für grosses Aufsehen gesorgt. Nach dem der «Blick» die Geschichte publik gemacht hatte, wurde sie von vielen Medien aufgegriffen und diskutiert.

Ende November wurde der 15-Jährige Sohn der Familie Räuftlin von der Kantonspolizei Solothurn angezeigt, weil er seine jüngeren Geschwister mit einem Landwirtschaftsfahrzeug zur Schule gefahren hatte. Weil es vom Althüsli, wo die Familie wohnt, nach Selzach keinen Schulbus gibt, hatte sich die Familie für diese Lösung entschieden.

Vor dem Jugendrichter ist der Bauernsohn nun glimpflich davon gekommen: Die Familie musste 60 Franken Busse bezahlen. Für den Sohn gab es weiter keine Konsequenzen. Das Problem ist damit aber nicht gelöst. Jetzt muss der Vater seine vier Kinder selber zur Schule fahren, dafür fehlt dem Bauer aber eigentlich die Zeit.

Bauer fordert Schulbus

Zudem muss im Winter die 13 Kilometer lange Strasse vom Berghof hinunter nach Selzach oft zuerst vom Schnee befreit werden. Von der Gemeinde werde er für diesen Winterdienst aber nicht genügend entschädigt, klagt der Bauer. «Ich werde jetzt soweit gehen, dass ich die Kinder nach den Sportferien nicht mehr in die Schule schicke», droht Christoph Räuftlin im Regionaljournal von Radio SRF.

Auf der Gemeindeverwaltung von Selzach hofft man, dass der Bauer seine Drohung nicht wahr macht. Gemeindeschreiber Christoph Brotschi rechnet zudem vor: Der Bauer erhalte gestützt auf das kantonale Volksschulgesetz jährlich rund 18‘000 Franken für den Transport der Kinder. Ausserdem zahle die Gemeinde jährlich rund 2000 Franken für die Schneeräumung, und zwar an die Genossenschaft, welche den Berghof an den Bauern verpachte.

« Ich werde die Kinder nach den Sportferien nicht mehr in die Schule schicken »

Gemeinde hält Betrag für angemessen

Zur Forderung des Bergbauern nach einem Schulbus meint Gemeindeschreiber Brotschi: «Das wäre unverhältnismässig, nur für den Berghof Althüsli einen eigenen Schulbus einzurichten ».

Mit dem Betrag für die Schneeräumung hat sich der Gemeinderat soeben an seiner letzten Sitzung auseinandergesetzt und die 2000 Franken für angemessen befunden. Man werde sich jetzt aber mit der Eigentümerin des Hofs und dem Bergbauern treffen und die Probleme besprechen, verspricht Christoph Brotschi.

« Ein eigener Schulbus für den Berghof Althüsli wäre unverhältnismässig »

Der Gemeindeschreiber hofft, spätestens bis zum nächsten Winter eine für alle passende Lösung gefunden zu haben. Und er geht davon aus, dass der Bauer seine Kinder auch nach den Sportferien weiter in die Schule schickt. Tut er es nicht, müsste er mit einer Ermahnung und schliesslich einer (weiteren) Busse rechnen.