«So ein Bauwerk realisiert man als Planer nur einmal im Leben»

Um zwischen Aarau und Küttigen einen neuen Abwasserkanal unter der Aare hindurch zu bauen, mussten die Bauarbeiter alle Register ziehen: Für den Bau wurden Felsen weggesprengt, ein spezieller Bohrkopf musste her und Betonröhren wurden unter der Aare durch geschoben.

Blick von oben in den tiefen Schacht, an den Wänden sieht man kleine Röhren die als Wandverkleidung dienen und aus Beton sind. An der einen Wandseite sind die beiden Abwasserrohre angebracht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In diesem 16 Meter tiefen Schacht beginnt der Kanal auf der Küttiger Seite, und geht unter der Aare hindurch nach Aarau. SRF

«Wir haben gebohrt wie beim Neat-Tunnel - nur kleiner», scherzt Rolf Schüttel. Er ist der Projektleiter des neuen Abwasserkanals, der nun zwischen Aarau und Küttigen unter der Aare hindurch geht. Der Kanal besteht aus einen fast anderthalb Meter breiten Rohr, aus Stahlbeton. Darin haben nicht nur zwei Abwasserleitungen Platz, sondern auch noch eine Leitung für Trinkwasser.

Kanal der unter der Aare hindurch «taucht»

«Düker» nennt man diese Art Kanal. Der Begriff stammt aus dem Holländischen und heisst übersetzt «Taucher». Der Kanal taucht also gewissermassen unter der Aare durch. 250 Meter lang ist der Kanal. Durch ihn hindurch geht das Abwasser aus der Gemeinden Küttigen, Biberstein und Erlinsbach. Hinzu kommt die Trinkwasserleitung der Industriellen Betriebe Aarau. Um unter der Aare eine Leitung verlegen zu können, musste zuerst ein 16 Meter tiefer Schacht erstellt werden.

«Dabei kam so viel Felsen zum Vorschein, dass die Baufirma sprengen mussten», erklärt Rolf Schüttel. Danach kam ein Bohrkopf zum Einsatz - wie beim Bau der Neat-Röhre. Die einzelnen Rohrstücke wurden anschliessend nachgeschoben, mittels Pressvortrieb.

Dies alles geschah per Fernsteuerung. Ein aussergewöhnliches Bauprojekt, auch für den Projektleiter. Wenn man sonst mit Abwasser zu tun habe, setze man einfachere Mitteln ein, erklärt Rolf Schüttel. «So ein Projekt ist schon etwas Spezielles. Das realisiert man als Planer nur einmal im Leben.»

Einweihung 16 Meter unter der Erde

Zufrieden mit dem Ergebnis sind auch die Behördenvertreter. Sie durften am Montagmorgen die Schleussen öffnen. Danach konnten sie unten im Schacht in 16 Metern Tiefe einen Augenschein nehmen. Auch für die zuständige Aarauer Stadträtin Jolanda Urech ein besonderes Erlebnis. «Es ist das erste Mal, dass ich 16 Meter unter Tage ein Bauwerk einweihe.»

3,7 Millionen Franken kostet das Bauprojekt. Die Kosten teilen sich Aarau, Küttigen, Erlinsbach und Biberstein. Den Löwenanteil von 45 Prozent bezahlt Küttigen, weil diese Gemeinde den grössten Teil des Abwassers durch die Leitungen schicken wird.