Stadtrat von Baden will Grabfeld für Muslime

Allen Religionen ein «schickliches Begräbnis» ermöglichen, ohne jedoch Sonderbehandlungen zu gewähren – das will der Stadtrat von Baden mit einem neuen Bestattungsreglement. Dieses sieht ein Gräberfeld speziell für Muslime vor. Eine solche Bestattungsmöglichkeit gibt es bis jetzt im Aargau nicht.

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Bildlegende: Der Friedhof Liebenfels in Baden soll ein Grabfeld für Muslime erhalten. Der Stadtrat will die Muslime gleichstellen. Stadt Baden/zvg

Seit 10 Jahren wird in der Region Baden darüber diskutiert, ob es für Muslime eine spezielle Bestattungsmöglichkeit, ja sogar einen speziellen Friedhof geben soll. Der Planungsverband Baden Regio hat das Thema mehrmals behandelt. Konkrete Resultate ergaben die Diskussionen aber nicht.

Die Stadt Baden hat nun das Heft in die Hand genommen und schlägt eine Lösung vor. Allerdings eine Lösung, die ausschliesslich für die Stadt Baden gilt und nicht für die ganze Region. «Einen Bestattungstourismus gibt es nicht», sagt Thomas Stirnemann, Leiter des Werkhofs Baden, auf Anfrage des Regionaljournals Aargau-Solothurn.

Ausrichtung nach Mekka ist entscheidend

Im neuen Bestattungsreglement schlägt der Stadtrat vor, auf dem Friedhof Liebenfels ein Gräberfeld für Muslime einzurichten. Die Gräber sollen genau gleich aussehen wie andere Gräber. Speziell ist nur, dass sie so angelegt sind, dass ein Toter auf der Seite liegen kann, damit sein Blick nach Mekka geht.

Auf dem neuen Gräberfeld soll es auch eine Waschmöglichkeit geben. Muslime sind nämlich vor dem Beten gehalten, sich Hände und Füsse zu waschen. Abdankungen bei Bestattungen für Muslime sollen in der bestehenden Halle stattfinden, schreibt der Stadtrat in seiner Botschafft an den Einwohnerrat.

Geplant ist ein Gräberfeld mit Platz für bis zu 200 Gräber. Das würde den Bedarf der nächsten 20 Jahre abdecken, schreibt der Stadtrat in der Botschaft. Aktiv geworden sei man in dieser Sache, sagt Werkhof-Leiter Thomas Stirnemann, weil über kurz oder lang sicher der Wunsch nach einer speziellen Bestattungsmöglichkeit für Muslime an die Stadt herangetragen würde.

Nicht Sonderbehandlung, sondern Gleichstellung

Ein solches Begehren müssen man ernst nehmen, denn ein Friedhof sei zwar, konfessionell gesehen, ein neutrales Gebiet. Aber laut Gesetz stehe jedem Einwohner ein «schickliches» Begräbnis zu. Diese Forderung sei für alle Konfessionen erfüllt, ausser für Muslime.

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Bildlegende: Der Friedhof Liebenfells ist konfessionell neutral. Er soll allen Gläubigen ein «schickliches» Begräbnis ermöglichen. Wikimedia

Christen hätten die Wahl zwischen Kremation und Erdbestattung, Hindus und Buddhisten liessen sich kremieren und die Juden hätten ihren privaten Friedhof. Möglich sei auch die Wahl zwischen Einzelgräbern, Urnengräbern, Familiengräbern und der Beisetzung in einer Urnenwand. Mit dem neuen Gräberfeld wären dann auch die Bedürfnisse der Muslime abgedeckt, führt Stirnemann aus.

Abdulmalik Allawalla freut sich über den Vorschlag des Stadtrats von Baden. Die Frage der Bestattungen werde immer drängender, sagt der Sprecher des Verbandes Aargauer Muslime. Bis jetzt sei es so, dass sich praktisch alle verstorbenen Muslime in ihre Heimatländer überführen liessen. Dort würden sich nach den Vorschriften ihrer Konfession bestattet.

Aber immer mehr Muslime der zweiten und dritten Einwanderer-Generation hätten keine verwandtschaftlichen Verbindungen mehr zu den Herkunftsländern ihrer Eltern und Grosseltern. «Sie wollen hier begraben werden», sagt Allawalla. Zudem gebe es auch immer mehr Schweizerinnen und Schweizer, die zum Islam übertreten würden.

Man sei deshalb froh, dass nun in Baden ein Gräberfeld für Muslime geplant sei. Allawalla betont: «Wir wollen keine Sonderbehandlung. Wir wollen nur eine Gleichbehandlung wie alle anderen auch. Das Einzige, was wir verlangen, ist die Ausrichtung nach Mekka.»