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Ist das Goetheanum als Kulturgut in Gefahr?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 11.03.2020.
abspielen. Laufzeit 05:51 Minuten.
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Umstrittene Überbauung Goetheanum: Machen Wohnblöcke das nationale Kulturgut kaputt?

Es hagelte 186 Einsprachen. Eine Überbauung neben dem Goetheanum in Dornach stösst auf grossen Widerstand.

Ein paar Einsprachen gibt es fast immer, wenn irgendwo ein grosses Bauprojekt geplant ist. Gegen eine Überbauung in Arlesheim BL, direkt neben dem Goetheanum in Dornach SO, sind nun aber gleich 186 Einsprachen eingegangen. Warum dieser massive Widerstand?

Das Goetheanum, Zentrum der Antroposophen, ist ein imposanter Bau aus Sichtbeton. Das monumentale Gebäude mit Räumen für Kunstausstellungen und einem Theatersaal mit fast 1000 Plätzen thront auf einem Hügel und fällt mit seiner Architektur auf. «Es ist kein Haus wie jedes andere», sagt Stefan Blank, Denkmalpfleger des Kantons Solothurn.

Ein Denkmal benötigt Freiraum

Das Goetheanum steht unter Denkmalschutz. Als Denkmal geniesst es zudem Umgebungsschutz. Es benötigt einen gewissen Freiraum, damit es zur Geltung kommt. Genau dieses Prinzip werde nun verletzt, kritisieren die Gegner der geplanten Überbauung, die sich in der Gruppe «Initiative Natur- und Kulturraum Dornach-Arlesheim» (IDA) zusammengeschlossen haben.

Was ist das Goetheanum?

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Aussenansicht des Goetheanums
Legende:Keystone
  • Das Goetheanum in Dornach SO ist Sitz und Tagungsort der Anthroposophischen Gesellschaft. Diese stützt sich auf die Lehren von Rudolf Steiner ab.
  • Das erste Goetheanum wurde ab 1913 gebaut. 1923 brannte der Holzbau jedoch ab. In der Folge baute die Gesellschaft ab 1925 das heutige Goetheanum. Dieses wurde 1928 fertig.
  • Der Bau ist nach dem Dichter Wolfgang von Goethe benannt. In der Umgebung hat es weitere anthroposophische Bauten.
  • Das Gebäude fällt auf weil rechte Winkel fehlen. Es steht unter Denkmalschutz und zählt zu Kulturgütern von nationaler Bedeutung im Kanton Solothurn.

Die Überbauung zerstöre die Sicht auf das nationale Kulturgut Goetheanum und die Sicht vom Goetheanum auf Arlesheim, kritisiert Jennifer Mc Gowan-Steiger von der IDA: «Die Sichtachsen sind in alle Richtungen besonders wertvoll, weil das hier ein besonders schöner Ort ist». Zudem gehe sehr viel Grünfläche verloren.

Goetheanum sieht sich nicht in Gefahr

Beim Goetheanum selber sieht man das Denkmal nicht in Gefahr. Die Sicht werde zwar ein bisschen eingeschränkt, das sei aber vertretbar, meint Goetheanum-Sprecher Wolfgang Held. Und: «Wir alle in der Schweiz nehmen teil an der Idee des verdichteten Bauens, dass das Grünland frei bleibt. Und da muss auch das Goetheanum seinen Anteil leisten.» Die Überbauung werde nicht in der freien Natur realisiert, sondern neben bestehenden Häusern.

Speziell geformtes Gebäude aus Beton
Legende: Keystone

Auch von den Denkmalpflegern der Kantone Basel-Landschaft und Solothurn erhalten die Überbauungs-Gegner keine Schützenhilfe. Der Freiraum rund ums Goetheanum bleibe genügend gross, sagt der Solothurner Denkmalpfleger Stefan Blank: «Das Goetheanum steht auf einer Hügelkuppe und ist von weither sichtbar. Das fragliche Überbauungsprojekt hat eine gewisse Distanz, die aus meiner Sicht ausreichend ist, und ist zudem durch einen Bach und dessen Uferbepflanzung optisch abgetrennt vom Goetheanum-Areal».

Widerrechtliche Baubewilligung?

Die Gegner der Überbauung lassen sich von diesen Voten nicht entmutigen. Sie wollen weiterkämpfen. Nicht nur gegen die Überbauung, gegen die 186 Einsprachen eingangen sind, sondern auch gegen eine zweite Überbauung, die ebenso nah beim Goetheanum geplant ist, und welche bereits eine Baubewilligung erhalten hat.

Die Baubewilligung für diese zweite Überbauung hätte nicht erteilt werden dürfen, meint Jennifer Mc Gowan-Steiger von der «Initiative Natur- und Kulturraum Dornach-Arlesheim». Als das Volk in der Gemeinde Arlesheim den zu Grunde liegenden Quartierplan genehmigt hat, seien ihm wichtige Informationen vorenthalten worden. Die Fondation Franz Weber habe sich des Falles nun angenommen und prüfe, ob dieser neu aufgerollt werden kann.

Rund um das Zentrum der Antroposophen dürfte wohl nicht so schnell Friede einkehren.

Goetheanum innen
Legende: Keystone

Regionaljournal Aargau Solothurn, 11.3.2020, 12:03 Uhr ; jagm;buec

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Silke Kollewijn  (SKollewijn)
    leider verschweigt der Artikel die wahren Ursachen. Es geht nicht um Sichtschutz, sondern darum, dass das Grünzonen Areal, das man überbauen will , Feucht-und Auenlebensräume sind, mit altem Baumbestand, das gemäss dem Natuschutzgesetz Art. 18 NHG Anhang 1 NHV geschützt ist. Davon sprechen Sie mit keinem Wort! Wer sich wirklich und sachlich korrekt informieren will, gehe auf die Homepage der Initiative Dornach Arlesheim Punkt CH. Sorry, da erwarte ich mehr von srf.
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  • Kommentar von Markus Dudler  (Markus Dudler)
    Liebes SRF bitte publiziert nächstes Mal einen Plan mit Höhenprofil. Auf dem Höhenprofil würde man sehen, dass es sich um ein steiles Gelände handelt und der Niveauunterschied ca. 30 Meter beträgt. Vom Goetheanum ist die Sicht keineswegs beeinträchtigt. Vielmehr vermute ich das der Widerstand aus unmittelbarer Nachbarschaft auf Arlesheimer Boden kommt und die Nachbarschaft zum Goetheanum als Klagegrund benutzt wird.
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  • Kommentar von Alex Klee  (alekle)
    "Sich annehmen" verlangt den Genitiv, und der Kanton BL heisst offiziell Basel-Landschaft.
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