Viele Baustellen in Stephan Attigers Departement

Wie viel soll im Aargau gebaut werden? Soll der Kanton auf die Schiene oder auf die Strasse setzen? Und wie geht es mit dem Atomausstieg voran? Fragen, die allesamt an die Adresse des neuen Aargauer Regierungsrates Stephan Attiger gehen. Nach 100 Tagen im Amt ist dieser aber immer noch guten Mutes.

Vor 91 Tagen genau hat Stephan Attiger sein neues Amt als Bau-, Verkehrs-, Umwelt- und Energiedirektor im Aargauer Regierungsrat begonnen. Am 1. Juli hat der Förstersohn nun im Wald Bilanz gezogen, und die Öffentlichkeit über seine ersten Pläne informiert.

Regierungsrat und BVU-Direktor Stephan Attiger referiert im Lenzhardwald, im Hintergrund der Stein der Kantonsmitte, da drauf steht "Mitte des Kantons Aargau". Attiger trägt einen Anzug mit einer violetten Krawatte. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Regierungsrat Stephan Attiger ist als Försterssohn aufgewachsen und hat seine 100-Tage-Bilanz im Wald präsentiert. SRF

Der Kanton Aargau habe sich in den letzten Jahren laut CS-Standortranking zum dritt-attraktivsten Kanton der Schweiz hinaufgearbeitet. Dies ziehe jedes Jahr 6000 neue Einwohner an, sagte der frühere Badener Stadtammann am Montag vor den Medien im Lenzhardwald bei Lenzburg.

Attiger wird sich demnach in den nächsten Jahren am meisten mit dem Thema Raumplanung beschäftigen, wie er gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Schweizer Radio SRF erklärt: «Hier müssen wir anfangen zu agieren, statt immer nur zu reagieren.»

Handlungsbedarf bei Raumplanung und Verkehr

Eine Möglichkeit sei, die Verfahren zu vereinfachen, zum Beispiel bei der Umnutzung von alten Industriebrachen. «Dass man auf der grünen Wiese schneller bauen kann als auf einer Industriebrache, ist nicht optimal», meint Attiger. Hier bestehe Handlungsbedarf, wenn man bedenke, dass der Kanton Aargau bis im Jahr 2025 mit 100'000 zusätzlichen Einwohnern rechnen müsse.

Grosse Herausforderungen sieht Attiger bei der Lösung der Verkehrsprobleme. Das Mobilitätsbedürfnis der Aargauerinnen und Aargauer liege mit durchschnittlich 41 Kilometern pro Tag fünf Kilometer über dem schweizerischen Mittel. Um die Pendlerströme am Fliessen zu halten, müssten deshalb in den kommenden Jahren Engpässe auf Strasse und Schiene beseitigt werden. Welcher der beiden Bereiche stärker gefördert wird, dazu gibt Attiger eine einfache Antwort: Keiner. «Es braucht beides, ich setze auf die duale Förderung.»

Regierungsrat und BVU-Direktor Stephan Attiger referiert im Lenzhardwald, im Hintergrund der Stein der Kantonsmitte, da drauf steht "Mitte des Kantons Aargau". Attiger trägt einen Anzug mit einer violetten Krawatte. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Regierungsrat Stephan Attiger will in den kommenden vier Jahren das Augenmerk vor allem auf die Raumplanung legen. SRF

Attiger will die Verkehrsprobleme mit mehreren Umfahrungsprojekten sowie mit dem Ausbau der Ost-West-Achse der SBB durch den Aargau lösen. Neben Verkehr und Bau gehört in Attigers Tätigkeitsgebiet auch der Bereich Energie. Für den Regierungsrat soll der Energiekanton Aargau auch nach der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Der Aargau habe gute Voraussetzungen dafür. Und: Attiger unterstützt die Stossrichtung, fügt aber an: «Wir dürfen nicht zu hastig vorangehen.» (bras)