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Legende: Audio Auto, Ölheizung, Flugreisen: So begründen die Aargauer Ständeratskandidierenden ihre ökologischen Fussabdrücke abspielen. Laufzeit 07:07 Minuten.
07:07 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 26.03.2019.
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Wahlen 2019 Der «Planetenverbrauch» der Aargauer Ständerats-Kandidierenden

Die Klimafrage beeinflusst die Wahlen. Wie ökologisch sind die Aargauer Kandidierenden unterwegs? Ein «Test».

Der Klimawandel ist in aller Munde. Er bewegt nicht nur Jugendliche, die für das Klima streiken, sondern auch Wählende, die im Kanton Zürich am Wochenende für einen grün(liberalen) Erdrutsch im Kantonsrat gesorgt haben.

Wie steht es mit dem ökologischen Bewusstsein der Aargauer Kandidatinnen und Kandidaten für den Ständeratswahlkampf 2019? Wie ökologisch leben sie umgerechnet auf den Ausstoss von CO2?

Berechnung ökologischer Fussabdruck

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Berechnung ökologischer Fussabdruck
Legende:Colourbox

Der Umweltrechner des WWF fragt nach dem persönlichen Verhalten, z. B. nach dem Anteil von saisonalem Obst und Gemüse an den Einkäufen. Wichtig sind auch Angaben zur Wohnsituation (Quadratmeter, Personen, Heizung). Und auch das Reise- und Pendelverhalten spielen eine grosse Rolle (Flugreisen, Auto oder ÖV). Das Resultat wird angegeben in Co2-Äquivalenten. Und diese werden in Planeten umgerechnet. Der Wert 1 bedeutet, dass man nur so viele Ressourcen verbraucht, wie die Erde tatsächlich zur Verfügung stellen kann. In der Schweiz sei der Wert 1 aber praktisch nicht zu erreichen, sagt der WWF, denn auch wenn man selber extrem nachhaltig leben würde, müsste man den gesamten Ressourcenverbrauch des Landes einberechnen, also Infrastruktur, Sicherheit, Entsorgung, Wasserverbrauch etc. Der Durchschnitt in der Schweiz ist nahe bei 3, jede Einwohnerin und jeder Einwohner der Schweiz verbraucht also laut WWF 3 Planeten, obwohl ihr/ihm nur einer zustehen würde.

SRF bat die acht Frauen und Männer, ihren ökologischen Fussabdruck zu berechnen. Und zwar mit dem Umweltrechner des WWF, Link öffnet in einem neuen Fenster. Alle Kandidierenden haben reagiert, aber nicht alle wollten den Rechner benutzen.

Ihre Berechnung lässt sich nicht überprüfen, die Umfrage beruht auf der Selbtdeklaration, also der Ehrlichkeit der Teilnehmenden. Die Werte und Antworten der Kandidierenden werden in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt, da es sich aus oben genannte Gründen nicht um ein eigentliches «Ranking» handelt.

Maya Bally (BDP) Wert 2.37

«Es freut mich, dass ich unter dem Schnitt bin, aber ich habe noch Verbesserungspotential. Was bei mir arg zu Buche schlägt, ist beim Konsum Non Food. Da hier von finanziellen Ausgaben ausgegangen wird und ich ehrlich geantwortet habe, schlägt dies sehr negativ zu Buche.

Ich habe ein Pferd.

Grund: Ich habe ein Pferd. Die monatlichen Kosten für die Einstallung eines Pferdes sind sehr hoch. Was ich mich natürlich nun frage: Kann in diesem Bereich der Fussabdruck einfach an Hand der Kosten eingestuft werden? Spielt es nicht auch eine Rolle, wie Futter beschafft wird, also ob der Betrieb zum Beispiel den grössten Anteil des Futters direkt ab eigenem Land erntet?»

Marianne Binder (CVP) Wert 3.23

«Ich bewege mich im Schweizer Durchschnitt. Gelobt werde ich für mein Ernährungsverhalten: wenig Fleisch und sozusagen nur einheimisches Gemüse und Früchte. Ich fliege kaum, fahre wenig Auto und viel ÖV. Ich habe ein Generalabo. Auf einer Kreuzfahrt war ich nicht. Und unser Haus ist zu 100 Prozent mit Ökostrom gespeist. Kritik gibt es für unser altes Auto, den Alfa Romeo, das zu grosse Haus.

Seit die Kinder ausgezogen sind, wohnen mein Mann und ich hier alleine. Ich bekomme vom WWF den Tipp, ein paar Bewohner aufzunehmen. Aber dafür müsste man das Haus umbauen. Ausserdem sollten wir eine andere Heizung kaufen, und unsere Waschmaschine, Kühlschrank und Tiefkühlschrank sind deutlich älter als zehn Jahre. Kleider habe ich wohl auch genug, aber auch, weil ich sie nicht wegwerfen kann.

Was haben Zeitungsabos mit dem ökologischen Fussabdruck zu tun?

PS. Gewisse Fragen sind komisch und auch nicht nachvollziehbar. Wir haben viele Zeitungsabos. Was haben Zeitungsabos mit dem ökologischen Fusssabdruck zu tun? Und natürlich verbrauchen alte Autos oder alte Geräte wohl mehr Energie, aber dafür funktionieren sie noch tiptop und müssen nicht verschrottet werden.»

Thierry Burkart (FDP) Wert 3.63

«Mein überdurchschnittlicher Wert basiert v. a. darauf, dass ich sehr viel unterwegs bin (Zug und Auto, sehr wenig mit dem Flieger), viel auswärts esse und zwar nicht viele, aber qualitativ hochstehende und damit teurere Kleider (die übrigens vielfach in der Schweiz produziert werden, was im Rechner nicht berücksichtigt wird) einkaufe.

Ich wohne in einem Haus von 1971 mit Ölheizung.

Ich wohne in einem Terrassenhaus von 1971 mit Ölheizung (die ich damit nicht einfach so ersetzen kann). Damit bin ich bereits auf dem umweltpolitischen Scheiterhaufen.»

Beat Flach (GLP) Wert 1.83

Ich habe den Test nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt. 1.83 Planeten brauche ich, immer noch zu viel. Das hängt auch mit meiner regen Reisetätigkeit zusammen (Auenstein–Bern–Zürich-Auenstein usw.) Auch wenn ich die meisten Reisen mit dem Zug mache, so muss ich doch (als Landbewohner mit miserablen Busverbindungen) recht häufig das Familienauto nehmen, um einzukaufen usw.

Allerdings habe ich hier die gesamten gefahrenen Kilometer unseres Autos genommen, also auch wenn ich nicht dabei bin. Trotz freiwilliger CO2-Abgabe fallen natürlich Flugreisen stark ins Gewicht; insbesondere meine erste USA-Reise vor vier Jahren.

Verbesserungspotential liegt wohl beim Fleischkonsum.

Ein weiteres persönliches Verbesserungspotential liegt wohl beim Fleischkonsum, obwohl ich darauf achte Einheimisches und bio zu essen und auf Meerestiere gänzlich verzichte. Das häufige Auswärtsessen schenkt offenbar auch recht ein, aber das lässt sich bei meinen Jobs nur schwer einschränken.

Im Grossen und Ganzen achten wir auf unser Konsumverhalten, verwenden zum Beispiel bei allen Wasch- und Pflegemitteln nur biologisch abbaubare Produkte und haben insbesondere unser Einfamilienhaus von 1946 in ein Zweifamilien-Plusenergiehaus umgebaut, was Energie und Siedlungsfläche spart.»

Roland Frauchiger (EVP) Wert 2.97

«Meine «Schwäche» scheint «Wohnen und Energie» zu sein. Die Hauptgründe sind wohl: meine Frau und ich wohnen noch alleine in unserem Hausteil (6 Zimmer) und haben zudem ein Feriendomizil. Unsere Heizsituation lässt sich in der Umfrage nicht abbilden: Solarpanel für Warmwasser (ca. 3/4 des Jahresbedarfs), Holzöfen und Restwärme aus der Ölheizung.

Meine Frau und ich wohnen allein in einem Haus und wir haben ein Feriendomizil.

Das Schöne am Haus ist natürlich, dass wir dank genügend Raum gleich mehrere unserer Enkelkinder hüten können und so zwar nicht den kleinsten Fussabdruck, aber dafür hoffentlich wertvolle Spuren bei unseren Nachkommen hinterlassen.»

Hansjörg Knecht (SVP) keine Angabe

«Ich habe kurz in den Fragekatalog hineingeschaut und beschlossen, diesen nicht auszufüllen. Aus meiner Sicht ist das Ganze nicht seriös. Die abgegeben Antworten sind doch überhaupt nicht überprüfbar.

Meine Firma macht freiwillig bei der Energieagentur der Wirtschaft mit.

Viel seriöser wäre es einmal, über Firmen zu berichten, die eigenverantwortlich und ohne staatlichen Zwang bereits viel für die Umwelt und den Klimaschutz unternehmen. Meine Firma, die Knecht Mühle, macht seit über 15 Jahren freiwillig bei der Energieagentur der Wirtschaft mit.»

Anmerkung der Redaktion: Hansjörg Knecht schickt ein Zertifikat mit; dieses bescheinigt, dass die Knecht Mühle AG die vom Bund, den Kantonen und der Wirtschaft anerkannten Ziele bei der Co2-Reduktion und bei der Energieeffizienz erreiche.

Ruth Müri (Grüne) Wert 1.89

«Ich habe die Analyse zu meinem ökologischen Fussabdruck nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt. Spannendes Tool! Auch ich habe noch Reduktionspotenzial beim CO2-Ausstoss. Wir kaufen Zitrusfrüchte und Bananen sowie gewisses Gemüse im Winter aus Italien oder Spanien. Der überwiegende Teil ist jedoch saisonal und regional.

Ich bin in den letzten 15 Jahren nur einmal geflogen (vor zwei Jahren nach London). Mein Fussabdruck ist hier wohl effektiv besser als in der Berechnung mit den im Tool definierten Klassen. Wir besitzen ein grösseres Familienauto.

Ich bin in den letzten 15 Jahren nur einmal geflogen.

Den grössten Anteil der gefahrenen Kilometer legen wir in den Ferien zurück. Wir beziehen 100 Prozent Wasserstrom aus den Limmatkraftwerken. Dieses Stromprodukt stammt auch 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen, ist aber nicht mit dem Naturemade Star-Label zertifiziert.

Leider hat unsere Hausbank unser Fondportfolio-Produkt mit Nachhaltigkeitsindikator A abgeschafft und bieten neu nur noch ein Produkt mit Nachhaltikeitsindikator B an (wobei A am besten und G am schlechtesten ist).»

Cédric Wermuth (SP) keine Angabe

«Ich habe grosse Mühe mit dieser Art von Anfragen, weil sie am Ziel völlig vorbei gehen. Die Frage ist doch nicht, ob nur Engel den Klimawandel bekämpfen dürfen. Sondern, wie wir gemeinsam Lösungen finden, damit wir aussteigen. Was kann ein Pilot dafür, dass er Geld verdienen muss oder eine Pflegerin im Freiamt, die das Auto benutzen muss?

Ich werde mich im Wahlkampf zu keinen solchen Anfragen äussern.

Die individuelle Zuweisung ist nicht nur kontraproduktiv, sondern auch falsch. Seit Jahren zerstören die Multis die Umwelt (100 Unternehmen verursachen 70 Prozent der gesamten Co2-Emmissionen), aber wir tun so, als wären jetzt plötzlich die Einzelnen verantwortlich. Ich werde mich im Wahlkampf zu keinen solchen Anfragen äussern.»

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Klimahysterie ist eine Wahlkampagne für die Grünen.
    Der einzige wirklich erfolgreiche Weg im Umwelt- und Klimaschutz führt neben dem technischen Fortschritt über weniger Einkommen und eine geringere Bevölkerungszahl. Bleiben wir realistisch bezüglich Beitrag der Schweiz zum Klimaschutz. Die hauptsächlich von den Medien gepushte Klimahysterie ist eine verdeckte Wahlkampagne für die Grünen.
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