Warum die Kanti Baden einen Picasso zum Inventar zählt

Eine Radierung von Pablo Picasso, ein Holzschnitt von Ernst Ludwig Kirchner oder ein Werk von Bernhard Luginbühl: Was man in einem Museum erwarten würde, findet man tatsächlich in der Kantonsschule Baden. Und diesen Umstand verdankt sie vor allem einem Mann.

Schüler gehen vor einer Wand mit mehreren Bildern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den Gängen hängt der Picasso zwar nicht, dafür aber verschiedene Werke anderer Künstler. Alex Spichale Fotografie Gmbh Baden

«Couple faisant l'amour» heisst das Prunkstück in der Kunstsammlung der Kantonsschule Baden. Es ist eine Radierung des spanischen Künstlers Pablo Picasso. Eine Originalgrafik, die man wohl eher im Museum als in Schulhaus erwarten würde.

«  Dieses Werk ist zu kostbar, um es in die Schulhausgänge zu hängen. »

Hansruedi Stauffacher
Rektor der Kantonsschule Baden

Deshalb wird die Radierung auch nicht aufgehängt, sondern in der Mediothek aufbewahrt, erklärt Hansruedi Stauffacher gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Schweizer Radio SRF. «Das Werk ist in einem eigens dafür gebauten, sicheren Schrank. Zusammen mit anderen teuren Werken», erklärt der Rektor.

Leere Wände schmücken

Zu Werken wie diesen ist die Kantonsschule Baden bereits vor vielen Jahren gekommen. Gemäss den aktuellen Badener Neujahrsblättern – dort hat die Sammlung einen Platz erhalten – erhielt die Kanti 1964 einen Neubau. Die leeren Wände sollten geschmückt werden, und zwar nicht mit irgend etwas, sondern mit Kunst.

Dass schliesslich Originalgrafiken von Erich Heckel, Käthe Kollwitz oder Emil Nolde in der Kunstsammlung der Kanti Baden landeten, ist vor allem Fritz Schaufelberger zu verdanken. Er war der erste Rektor der Badener Kantonsschule – und passionierter Privatsammler.

Kunstsammlung als Kernaufgabe?

Laut Stauffacher ist es vor allem ihm zu verdanken, dass die Schule über die Jahre hinweg immer wieder Kunstwerke erstand und diese bis heute pflegt. Gehört denn eine solche Sammlung zu den Kernaufgaben einer Kantonsschule? Durchaus, findet der heutige Rektor: «Ich bin der Meinung, dass Kunstvermittlung und der Umgang mit Kunst durchaus wichtige Bestandteile und eine Aufgabe der Schule sind.»

Auch heute noch werden hie und da Kunstwerke durch die Kantonsschule Baden gekauft, jedoch keine mehr von Picasso, erklärt der Rektor.

«  Heutzutage kaufen wir nur noch Werke von regionalen Künstlern. »

Hansruedi Stauffacher
Rektor Kantonsschule Baden

Die regionalen Werke werden auch nur dann gekauft, wenn sie zu den aktuell aufgehängten anderen Bildern passen. Wie viel Budget die Schule dafür hat, sagt Stauffacher nicht. Aber: Es übersteige das bestehende Globalbudget nicht, sondern sei darin enthalten.

Selber Rahmen hergestellt

Anders als in früheren Jahren: Laut den Neujahrsblättern war das Budget zeitweise so knapp, dass die Kunstkommission selber Rahmen anfertigte, um die Werke ausstellen zu können.