Solothurner Wahlen 2017 Warum wollen die Frauen nicht in den Solothurner Kantonsrat?

Über 500 Personen wollen einen Sitz im 100-köpfigen Parlament. Die Solothurner haben damit eine so grosse Auswahl wie noch nie. Allerdings: Zur Wahl stehen vor allem Männer. Nur 28 Prozent der Kandidaten sind Frauen. Das ist weniger als vor vier Jahren. Was ist zu tun? Die Parteien wissen es nicht.

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Bildlegende: Aktuell beträgt der Frauenanteil im Solothurner Parlament 30 Prozent. Das ist mehr als in vielen anderen Kantonen. SRF

«Schade», «bedauerlich», «nicht erfüllt» – Die Kommentare von Solothurner Politikerinnen und Politikern sind klar: Ein Frauenanteil von 28 Prozent bei den Kandidierenden fürs Kantonsparlament wird als ungenügend angesehen.

Gegenüber den Wahlen 2013 ist der Anteil sogar noch leicht gesunken. Damals wollten 29 Prozent Frauen in den Solothurner Kantonsrat.

Solothurn ist kein Einzelfall. Schweizweit sind die Frauen in Kantonsparlamenten untervertreten. Aktuell beträgt der Anteil 26,4 Prozent, zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik. Tendenz: Stagnierend.

Frauen- und Männeranteile in der Schweizer Politik Die Männer sind in der Schweizer Politik auf sämtlichen Ebenen immer noch deutlich stärker vertreten. Am meisten Frauen hat es prozentual im Nationalrat. Bundesamt für Statistik

Was sind die Gründe für den tiefen Frauenanteil in den Parlamenten und unter den Kandidierenden? Fragt man bei Solothurner Politikern, blickt man zuerst in etwas ratlose Gesichter. Allenthalben heisst es: Man gebe sich Mühe, Frauen zu motivieren, in die Politik einzusteigen. Aber häufig erhalte man dann doch eine Absage.

Sogar die Grünen, die für einen hohen Frauenanteil bekannt sind, hatten diesmal Mühe, Frauen zu einer Kandidatur zu bewegen. «Es war schwieriger als auch schon», gibt die grüne Regierungsratskandidatin Brigit Wyss zu. Sie vermutet die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie mit einem politischen Amt als Hauptgrund, weshalb Frauen nicht in die Politik einsteigen wollen.

Politik schreckt Frauen ab

Den Frauen fehle häufig die Zeit, meint auch Karin Büttler-Spielmann. Die vierfache Mutter ist seit acht Jahren FDP-Kantonsrätin: «Nach wie vor ist man als Frau auch für die Familie verantwortlich, wenn man politisiert oder beruflich aktiv ist. Für viele wird das zuviel.»

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Alle Informationen zu den Solothurner Regierungs- und Parlamentswahlen 2017 und zu den Wahlen in den Städten finden Sie gesammelt im Dossier von SRF.

Karin Büttler vermutet noch einen anderen Grund, weshalb Frauen nicht ins Parlament wollen. Die Politik schrecke Frauen ab. Man müsse stark sein als Frau, um in der Politik zu bestehen, man müsse sich exponieren. Offenbar liegt das Frauen weniger als Männern.

SVP: Frauen und Männer politisieren gleich

«Schade», «bedauerlich», «nicht erfüllt» – die Kommentare von links bis rechts gleichen sich. Mit einer Ausnahme: Bei der Solothurner SVP sieht man kein Problem im tiefen Frauenanteil.

Sibylle Jeker ist die Frau des SVP-Parteipräsidenten, leitet ein eigenes Unternehmen, ist Hausfrau und Mutter und Kantonsrats-Kandidatin: «Für mich ist es weniger relevant, ob jemand Frau oder Mann ist. Hauptsache ist, es sind gute Kandidaten, die sich für den Kanton Solothurn interessieren.»

Was ist zu tun?

BDP-Präsident Markus Dietschi wünscht sich mehr Frauen im Parlament: «Mindestens so gut wie die Männer könnten es die Frauen auch». Aber auch Dietschi hat die Erfahrung gemacht, dass es «extrem schwer» sei, Frauen zu motivieren, in die Politik einzusteigen.

Was ist zu tun? Ein Patentrezept haben die Parteien offenbar nicht zur Hand. Schulterzucken hier und dort. «Einfach dranbleiben», sagen die meisten. FDP-Regierungsratskandidatin Marianne Meister meint: «Wir sind dran, wir bemühen uns, und wir sagen den Frauen immer wieder: Wir können die Politik nicht den Männern überlassen».